Werders Talente Teil 6: Lukas Fröde & Marcel Hilßner

16.10.14 | von | Kategorie: Spieler | 3 Kommentare

Lukas Fröde und Marcel Hilßner kamen beide zum gleichen Zeitpunkt nach Bremen. Ihre Geburtstage sind nur eine Woche auseinander. Und auch in den Nachwuchs-Nationalmannschaften des DFB waren sie oft zusammen unterwegs. Da sind sie mittlerweile nach und nach rausgefallen, der letzte Länderspieleinsatz von Marcel Hilßner ist fast auf den Tag genau ein Jahr her. Ein guter Zeitpunkt, um einen Blick auf den Entwicklungsstand der beiden Talente zu werfen.

 

LUKAS FRÖDE

Eckdaten: Defensives Mittelfeld, geboren am 23. Januar 1995 in Fulda, 192cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2009, Profivertrag bis Sommer 2017
Nationalelf: kein aktueller U-Nationalspieler, bisher 15 U-Länderspiele (1 Tor)
Bilanz 2013/2014: 18 Spiele (1 Tor, 3 Vorlagen) in der U23, 1 Spiel in der U19
Bilanz 2014/2015: 11 Spiele (1 Tor, 2 Vorlagen) in der U23
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Lukas Fröde spielt mittlerweile in seiner sechsten Saison bei Werder Bremen, seit er – im Sommer 2009 vom FC Carl-Zeiss Jena kommend – in die grün-weiße C-Jugend gewechselt ist. Doch auch nach all den Jahren fehlt es ihm noch etwas an Profil, was sowohl positiv wie auch negativ bewertet werden kann. Herausragende, konstant im Spiel auffallende Fähigkeiten im Hinblick auf das Bundesliga-Niveau besitzt er nur wenige. Allerdings ist er eben auch nicht als Fachidiot unterwegs, der neben seinen Stärken in anderen Bereichen große Defizite aufweist. Dass er eine gewisse Qualität und Konstanz im Mittelfeld der U23 garantiert, wird erst durch sein Fehlen offenbar.

Lukas Fröde absolvierte für Werder Bremen seit 2009 insgesamt 124 Liga-Spiele und erzielte dabei 22 Tore.

Lukas Fröde absolvierte für Werder Bremen seit 2009 insgesamt 124 Liga-Spiele und erzielte dabei 22 Tore.

So geschehen in der Hinrunde der letzten Spielzeit, als er sich zu Saisonbeginn, noch im A-Jugend-Alter, einen Stammplatz in der Regionalliga-Mannschaft erarbeitete und die U23 mit ihm gut aus den Startlöchern kam. Am sechsten Spieltag musste er dann beim Spiel in Flensburg verletzt vom Platz und fehlte noch länger als befürchtet. Ein Bänderriss am Sprunggelenk setzte ihn fast fünf Monate außer Gefecht. Eigentlich eine „Allerweltsverletzung“, wie er selbst sagte. Doch um Folgebeschwerden komplett auszuschließen, entschieden sich die Ärzte für eine Operation, die Fußball-Pause für Fröde wurde so in die Länge gezogen. Für den 19-Jährigen hat sich diese offenbar gelohnt. Wenige Wochen nach seinem Comeback sprach er davon, dass das Sprunggelenk nicht nur beschwerdefrei sei, sondern sogar „besser als vorher“ funktioniere.

Die U23 jedoch funktionierte in Frödes Abwesenheit öfter nicht gut, schon gar nicht besser als vorher. Die bösen und gegentorreichen Niederlagen gegen den VfL Wolfsburg und Hannover 96 fielen in die Fehlzeit von Fröde. Und sie offenbarten in seiner längsten Abwesenheit seit seinem Werder-Wechsel, was er einer Mannschaft geben kann. Zuallerst sei die Eingespieltheit erwähnt. Der defensive Mittelfeldspieler ist wohl der Werderaner, bei dem am deutlichsten wird, wie das Zusammenspiel mit den Teamkollegen von Training und Erfahrung profitiert. Mit Julian von Haacke versteht er sich auf dem Platz beinahe blind, Marcel Hilßners Laufwege hat er allesamt abgespeichert, und auch mit Levent Aycicek stand er lange genug in der Jugend auf dem Platz, um zu wissen, wie der Offensivspieler tickt.

Natürlich macht sich hier bemerkbar, dass der Kern der U17-Vizemeister-Mannschaft aus dem Jahre 2011 bis zur U23 zusammengeblieben ist. Das Zusammenspiel mit dem im letzten Sommer dazugeholten Florian Bruns jedoch zeigt sehr gut, wie sehr bei Fröde die Routine in den Kopf und die Beine übergeht. Erst nach und nach verbesserte sich ihr Spiel, ihr Verständnis auf dem Platz. Was eigentlich nichts Außergewöhnliches ist, wirkt sich bei Fröde etwas stärker aus: In den ersten Trainingseinheiten und Spielen mag er in einer neuen Mannschaft zwar nicht unbeholfen, aber eher beobachtend und weniger ins Spiel einbezogen wirken als ein anderer Neuer. Der Zugewinn an Qualität durch die Erfahrung im Spiel mit den Teamkollegen ist dafür aber auch ein höherer.

Daher wird Lukas Fröde eher nicht mitten in dieser oder den kommenden Spielzeiten den Sprung ins Bundesliga-Team bewältigen. Deutlich wahrscheinlicher ist es, dass er in den Vorbereitungen, vor allem im Sommer, diesen Schritt tut – wenn er ihn denn auf Bundesliga-Niveau nachhaltig gehen kann. Was generell gerade für Defensivtalente nichts besonderes ist, da sie mehr als Offensivspieler auf Spielpraxis im Herrenbereich und Abstimmung mit den Teamkollegen angewiesen sind, um auf dem Platz gut auszusehen. Ein schlechter Steilpass vom Offensivtalent zum Stürmer führt vielleicht nur zu einer vergebenen Torchance, ein Stellungsfehler in der Abwehr kann dagegen schon einmal ein Spiel entscheiden.

Neben der Routine bietet Fröde aber auch noch andere Vorzüge, die während seiner Verletzungspause bei der U23 vermisst wurden. Mit 1,92m ist er großgewachsen, verfügt zudem über eine passende, gute Sprungkraft. So kam er schon in der frühen Jugend sehr oft mit dem Kopf an den Ball. Leider konnte er daraus lange keinen erheblichen Vorteil für sich ziehen, bis er sich dann in seiner einzigen festen U19-Spielzeit deutlich entwickelte. Auf dem aktuellem Niveau der Regionalliga ist er sicher als sehr kopfballstark zu klassifizieren, und er bringt eine gewisse Präsenz ins Mittelfeld, wird aber für den Profifußball in höheren Ligen einen weiteren Entwicklungssprung brauchen. Weniger in der Koordination als beim Durchsetzen in Luftkämpfen, die er zwar aktuell häufig gewinnt, bei denen ihn gestandene Bundesliga-Spieler allerdings vor neue Herausforderungen stellen werden. Seine Entwicklung im Kopfballspiel vor knapp zwei Jahren sowie überhaupt seine Reaktion auf einen Zuwachs an Erfahrung sollten allerdings zuversichtlich stimmen. Zudem wird er spätestens ab Sommer 2015 regelmäßig mit den Profis trainieren und davon nach und nach profitieren.

Wie auch bei den Kopfballduellen ist sich Fröde auf dem Boden seiner guten Physis bewusst und setzt Akzente im Spiel meist in Zweikämpfen. Dass er unter Trainer Viktor Skripnik selten starr in der Zentrale vor der Abwehr belassen wird, wirkt sich zudem auf das Spiel des Gegners aus. Spielverlagerungen auf die Außen fallen schwerer, Fröde besitzt einen guten Antritt für seine Größe, ist laufstark, beweglich und einsatzfreudig. Seitenwechselerzeugende lange Pässe kann er im Verbund mit seiner Kopfballstärke auch vor dem Adressaten in Empfang nehmen. Muss er auch, denn bei Laufduellen gegen schnelle Außenspieler fehlt ihm die Grundschnelligkeit, zudem auch die Dynamik.

Mit dem Ball am Fuß ist Fröde im Spielaufbau mehr als solide, profitiert hier, wie schon erwähnt, von seinem Festplattenspeicher im Kopf, der die Spielertypen und Laufwege der Teamkollegen abruft, woraufhin Fröde den Ball passend weiterleitet. Seine taktische Disziplin ist ebenfalls sichtbar, auch wenn er seine technischen Fähigkeiten wohl gerne öfter ausspielen würde und in der U19 schon einmal Khedira-artige Heat Maps erzeugt haben dürfte. Doch dafür ist seine Technik und Übersicht zumindest aktuell noch zu beschränkt. Was primär von der fehlenden Handlungsschnelligkeit herrührt, die bei einigen Unkonzentriertheiten der Hauptgrund für Fehlpässe bzw. Ballverluste ist. Das schnelle Kurzpassspiel gehört ebenfalls eher nicht zu seinen Stärken, was sich in seinem Spiel auch widerspiegelte, indem er ganz einfach so oft wie möglich auf schnelle Kombinationen verzichtete. Aber gerade mit Maxi Eggestein an seiner Seite wird er zunehmend dazu gezwungen, da von Haacke im Ballverteilen raumerobernde Pässe, Eggestein jedoch kürzere Rollwege des Balles zwischen seinen Teamkollegen bevorzugt.

Vielleicht aber profitiert auch Frödes Spiel durch die zwangsläufige Konfrontation mit dieser Spielweise. Verbessern muss er sich auch weiter im Bereich der Konzentration, da ihm im Spielaufbau noch zu viele einfache Fehlpässe unterlaufen. Das Umschaltspiel, das situative schnelle Umdenken in einer neuen Spielsituation verbessert sich zwar, jedoch nur langsam. Ein Limit wird leider irgendwann erreicht sein. Um seine Chance im Oberhaus des deutschen Fußballs nutzen zu können ist es wichtig, dass Fröde die Limits in den besagten Bereichen komplett ausschöpft. Und sich dazu noch bei einigen Kleinigkeiten im Spiel verbessert. Theatralische Beschwerde-Aktionen Richtung Schiedsrichtergespann sind nur dann vertretbar, wenn das Spiel bereits unterbrochen oder der Ball definitiv verloren ist. Nicht jedoch, wenn das Spiel noch läuft und man mit Ball am Fuß seine ganze Konzentration auf den Mann mit der Pfeife richtet. Das führt im schlimmsten Falle zu Ballverlusten, in jedem Fall aber zu einer Unterbrechung des Spielflusses der eigenen Mannschaft.

Und es gilt ebenso für seinen noch übermäßigen Einsatz der Grätsche. Die hohe Verwendung ist noch ein Überbleibsel von seinen ersten Gehversuchen im Herrenbereich. Mittlerweile jedoch ist er zweikampfstark genug, dass er in vielen Situationen nicht mehr zu Boden gehen müsste und somit nach Ballgewinn schneller das runde Leder weiterspielen könnte. Aktuell liegt nach einer Grätsche oft nicht nur der Ball und der Gegner auf dem Rasen, sondern Fröde ebenfalls.

Sieht man sich die Entwicklung an, die der Defensivspieler in den letzten Jahren genommen hat, so kann man nicht nur in diesen beiden Punkten aber hoffnungsvoll sein, dass er daran arbeiten wird. Das Talent ist da, die Einstellung auf und neben dem Platz stimmt, so dass es nur konsequent war, Fröde mit einem Profivertrag auszustatten, der ihn bis 2017 an den Verein bindet. Berechtigte Hoffnung besteht, dass man den großgewachsenen Rechtsfuß innerhalb der Laufzeit des Vertrages mal im Weserstadion bei einem Bundesliga-Spiel auflaufen sehen wird. Und bis dahin wird sich sicher auch noch mal die Fragen stellen, ob er statt im defensiven Mittelfeld nicht doch eine Zukunft im Profibereich auf der Innenverteidigerposition hat.

 

MARCEL HILßNER

Eckdaten: Offensives Mittelfeld, geboren am 30. Januar 1995 in Leipzig, 183cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2009, Vertrag bis Sommer 2015
Nationalelf: kein aktueller U-Nationalspieler, bisher 28 U-Länderspiele (8 Tore)
Bilanz 2013/2014: 25 Spiele (2 Tore, 4 Vorlagen) in der U23, 6 Spiele (3 Tore, 4 Vorlagen) in der U19
Bilanz 2014/2015: 10 Spiele (2 Tore, 4 Vorlagen) in der U23
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Marcel Hilßner absolvierte für Werder Bremen seit 2009 insgesamt 140 Liga-Spiele und erzielte dabei 45 Tore.

Marcel Hilßner absolvierte für Werder Bremen seit 2009 insgesamt 140 Liga-Spiele und erzielte dabei 45 Tore.

Marcel Hilßner kam wie Lukas Fröde im Sommer 2009 nach Bremen, ist nun in seiner sechsten Spielzeit beim SV Werder. Es könnte seine letzte Saison werden, für die kommende Spielzeit wird sich sicher nicht nur RB Leipzig wieder um ihn bemühen. Der Noch-Zweitligist aus dem Geburtsort von Hilßner hatte sein Interesse an einer Sommer-Verpflichtung bekundet, die wäre eventuell auch ohne Werder-Zustimmung möglich gewesen, doch der auslaufende Vertrag soll sich nach einer erreichten Anzahl von Einsätzen um eine Spielzeit verlängert haben. Werder würde den gerade offiziell im ersten Herrenjahr agierenden Hilßner sicher noch länger behalten wollen, dieser allerdings dürfte Richtung Profiteam schielen und dabei sicher langsam kalte Füße bekommen, wenn nachrückende Spieler wie Maxi Eggestein perspektivisch näher an einem Vertrag mit Bundesliga-Stempel zu stehen scheinen.

Eine veränderte Situation, die die letzte Spielzeit gut widerspiegelt: In der A-Jugend war Hilßner ein wichtiger Spieler, in der U23 blieb er eine Ergänzung. Das ist pauschal für das erste Jahr bei den Herren, zumal als älterer A-Jugend-Jahrgang, nicht negativ zu bewerten, unterstreicht allerdings, dass die nach den starken U17-Spielzeiten erhoffte Entwicklung Hilßners nicht eingetreten ist. Man sieht vor sich immer noch den gleichen Hilßner, den es auch schon vor drei Jahren zu betrachten gab.

Bei seinen Schwächen hat sich bis jetzt noch zu wenig getan, um eine klare Bundesliga-Perspektive zu sehen. Sein starker, robuster Körper kam dem Frühreifen oft zugute, führt aber auch zu einem immergleichen Spiel, da er sich zu oft darauf verlässt. Der Ablauf, den Ball zu bekommen, sich in Zweikämpfen zu behaupten, sich dadurch in Position zu bringen und dann mit dem starken linken Fuß abzuziehen, ist bekannt. Und daher ist es auch nicht allzu schwer für den Gegner, sich darauf einzustellen. Während Hilßner selbst nur wenige Prozentpunkte in Sachen Robustheit oder Schnellkraft hinzugewann, wurden die Gegner nach der B-Jugend größer, breiter und schneller – so entstanden für ihn neue Herausforderungen, mit denen er in der U19 anfängliche und in der U23 bis jetzt durchgehende Probleme hat(te).

Das fängt in den Zweikämpfen an, in denen er sich früh aufgrund seiner starken Physis behaupten konnte. Das reichte auch, mehr war nicht nötig. Aber im Herrenbereich und vor allem mit Blick auf das Bundesliga-Niveau ist da viel mehr vonnöten, er braucht mehr Wendigkeit, muss beweglicher sein und mehr Optionen im Kopf haben, als nur den Körper hineinzustellen.

Auch im Offensivspiel fehlen ihm Optionen, die für mehr Fantasie sorgen würden. Hilßner hat wenig Überraschendes in seinem Spiel. Seine technischen Fähigkeiten sind gut, aber auf bestimmte Abläufe beschränkt. Die Ballannahme ist fast immer die gleiche, Richtungswechsel oder Finten im Dribbling sind sehr selten und kommen, wenn überhaupt, dann meist mit Ansage.

Zudem gerät Hilßner häufiger in Bedrängnis, als ihm lieb ist. Aus der Jugend kennt er es, sich gegen seine Gegenspieler durchzusetzen und sich selbst einen gewissen Raum für seine Aktionen zu schaffen. Dann folgt bei genug Platz irgendwann der knallharte Schuss aus der zweiten Reihe oder ein, dank passender Übersicht auch gerne einmal tödlicher oder mindestens verwundender, Pass in die Spitze. Was ihm bei diesem Spielstil aber für das Ausstrahlen von großer Gefahr im Wege steht, ist, dass er sich immer seltener entsprechenden Raum erarbeiten kann. Die Gegner bzw. die Konkurrenz ist laufstark, seine Urwucht bekommt Hilßner kaum ins Spiel. Während er mit Ball am Fuß weiter schnell Fahrt aufnehmen kann, kommt er deutlich seltener als im Jugendbereich mit seiner Geschwindigkeit an den Gegenspielern vorbei. In Bezug auf die Taktik ist er zudem mit einem Problem behaftet: Während seine Spielintelligenz sich beim Passspiel vor dem gegnerischen Sechzehner positiv bemerkbar macht, fehlt ihm gerade im neutralen Bereich, auf Höhe der Mittellinie, im Rückwärtsgang nicht selten komplett das Auge für den Raum. Sein guter Antritt wird so sichtbar, aber Hinterherlaufen zu müssen ist kein schöner Grund, diesen zur Schau zu stellen. Seine Rückwärtsbewegung, sein Stellungsspiel ist verbesserungswürdig, wenn es für ihn weiter nach oben gehen soll.

Was die Räume in der Offensive angeht, ist er etwas eindimensional – was man, positiver gefasst, aber auch als geradlinig bezeichnen kann. Hat er Platz, so nutzt er ihn zu einem guten Pass oder einem starken Schuss. Bekommt er aber wenig Raum, so ist er in seiner Handlungfähigkeit sichtbar eingeschränkt, hat mit schnellem Kurzpassspiel ebenso seine Probleme. Auch bei der Ballannahme mit wenig Zeit und/oder Raum hat er deutliche Schwierigkeiten, verschuldet Ballverluste. Das führt zu Sorgenfalten, sind es doch gerade junge Spieler, die unter Druck noch die Übersicht behalten und handlungsschnell agieren, die man später in der Bundesliga wiederfindet.

Weiterhin auf starkem Niveau sind die Standards, sowohl direkte Freistöße als auch die, die einen Kopf oder einen Fuß der Mitspieler finden sollen. Sein rechter Fuß dient ihm nur als Gegengewicht, um nicht umzukippen, der linke hingegen sorgt für kraftvolle Schüsse aus der zweiten Reihe. Eine entsprechende Schusstechnik hilft, dass es auch keine sinnlose Streuung in den Weitschüssen gibt, der Ball findet oft sein gewolltes Ziel. Das alles sorgt auch weiterhin immer wieder für Tore und Torvorlagen, kann aber nicht die Schwächen bzw. die fehlende Entwicklung kaschieren. Diese manifestiert sich auch in seiner Torquote: 26 Treffer erzielte Hilßner, als er im B-Jugend-Alter war. In den folgenden zwei Jahren kam er insgesamt auf sieben Tore.

Bei Werder hofft man, Hilßner noch spürbar weiter entwickeln zu können. Auch die Maßnahme von U23-Coach Skripnik, ihn in den letzten Spielen im Sturm als hängende Spitze agieren zu lassen, ist nicht nur aus Kadergründen interessant. Kann der 19-Jährige sein Offensivspiel variabler gestalten, sich im taktischen Bereich verbessern und zudem auch die (neuen) Herausforderungen im Herrenbereich meistern, bleibt die Perspektive bei Werder bestehen. Behalten will man Hilßner in jedem Fall. Skripnik bescheinigte im Mai RB Leipzig für das Interesse ein gutes Auge, stellte aber auch klar, dass er nicht daran denke, den Spieler abzugeben. Man möchte ihn über die Saison hinaus halten. Und ihn so nah wie möglich an die Bundesliga-Mannschaft bekommen. Im besten Wissen, dass die Entwicklung bei Talenten nicht linear verläuft, nicht selten schubweise und oft in Verbindung mit mehr Reife und Erfahrung kommt. Bei Hilßner erscheint es wichtig, dass sich Werder und auch der Spieler darüber im Klaren sind, wie der aktuelle Stand der Entwicklung ist. Nach und nach kommen die Talente aus dem 94er und 95er Jahrgang nun im Profibereich an, es wäre zu wünschen, dass Marcel Hilßner am Ende auch dazugehören wird.

 

WorumBlog-Talentreihe 2014:
Nachwuchs Round-up 2014
Teil 1: Marnon Busch & Cimo Röcker
Teil 2: Julian von Haacke & Martin Kobylanski
Teil 3: Luca Zander & Levent Aycicek
Teil 4: Melvyn Lorenzen & Davie Selke
Teil 5: Ole Käuper & Maximilian Eggestein

 

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