Norderney-Eindrücke

09.07.13 | von | Kategorie: Worum | Keine Kommentare
Felix Kroos spielte sich dahin wo er hier zu sehen ist: in den Vordergrund

Felix Kroos spielte sich dahin wo er hier zu sehen ist: in den Vordergrund

Nicht zuletzt wegen des neuen Cheftrainers stand das 1. Trainingslager der diesjährigen Saisonvorbereitung von Werder Bremen bei Medien und Fans sehr im Fokus. Während die ersten Trainingseinheiten eher gemächlich vonstatten gingen, wurde das Tempo in den Einheiten langsam, aber stetig erhöht.

Auffällig sind die unterschiedlichen Arbeitsweisen von Robin Dutt und seinem Vorgänger Thomas Schaaf. Während Letzterer fast wie ein Regisseur direkt in die Übungen eingreift und sie unterbricht, nimmt Dutt eher eine beobachtende Rolle ein. Sein Co-Trainer Damir Buric leitete zumindest auf Norderney die meisten Trainingseinheiten. Beide haben immer wieder mit Spielern wie Eljero Elia oder Tom Trybull Einzelgespräche gesucht, die oft über mehrere Minuten andauerten.

Statt des schaafschen Dirigierens bevorzugt Dutt es, bei Unterbrechungen kurze, knackige Ansagen zu geben, spricht dabei eher mit allen Spielern der Gruppe, als mit einem einzigen. Es dürfte interessant sein, ob Dutt mit der Zeit aktiver wird oder ob er Buric weiterhin den aktiven Part im Trainerstab überlässt.

Bereits vor dem Start des Trainingslagers ist von offizieller Seite bekannt gegeben worden, dass Sebastian Mielitz die Nummer eins im Tor der Grün-Weißen bleiben würde. In den vier Tagen auf der Nordseeinsel hat er einen guten Eindruck hinterlassen. Allerdings hat auch die aktuelle Nummer zwei, Richard Strebinger, durchaus überzeugt, wirkt zumindest in den Trainingseinheiten kaum schlechter als Mielitz. Interessant dürfte es werden, wenn Raphael Wolf, der auf Norderney noch keine Trainingseinheit auf dem Platz absolvierte, zurückkehrt. Strebinger braucht dringend Spielpraxis, selbst wenn es nur in der U23 ist. So gesehen dürfte Wolf den Platz auf der Bank bei den Profis bald wieder einnehmen, dabei aber nicht zwingend auch in der Hierarchie vor Strebinger stehen.

Zur Innenverteidigung lässt sich wenig sagen. Assani Lukimya und Mateo Pavlovic zeigten im Trainingslager ihre bekannten Stärken und Schwächen. Für Pavlovic wird es darauf ankommen, möglichst schnell eine Grundsouveränität zu erlangen. Lukimya dürfte es, sofern alle anderen Innenverteidiger fit sind, schwer haben, sich dauerhaft in die Startelf zu spielen. Zu groß sind meiner Meinung nach die Schwächen im taktischen Bereich sowie am Ball. Im Zillertal stoßen die Konkurrenten Sebastian Prödl und Neuzugang Luca Caldirola dazu.

Auf wohl keiner Position ist Werder quantitativ so gut aufgestellt wie auf der des Linksverteidigers. Mit Aleksander Ignjovski, Lukas Schmitz, Florian Hartherz und Cimo Röcker können gleich vier Spieler aus dem Profikader diese Position bekleiden. Während Röcker bei der U23 Spielpraxis sammeln dürfte, könnte es für Hartherz eng werden, auch wenn er im Trainingslager ansprechende Ansätze zeigen konnte. Für eine Leihe müsste sein 2014 auslaufender Vertrag jedoch zuvor verlängert werden.

Nach meinen Eindrücken aus dem Trainingslager auf Norderney scheint Clemens Fritz in dieser Saison wieder als Rechtsverteidiger eingeplant zu werden. Er wirkte souverän, sowohl offensiv als auch defensiv. Mit Theodor Gebre Selassie hat man zudem noch eine offensivere Variante im Kader, die auf Norderney noch fehlte. Aleksander Ignjovski und Aleksandar Stevanovic haben auf der Position des Rechtsverteidigers auch schon gespielt, besonders Letzterer scheint von Dutt aber primär als Mittelfeldspieler gesehen zu werden.

Im rein defensiven Mittelfeld waren im Trainingslager mit Felix Kroos und Tom Trybull nur zwei Spieler anwesend. Letzterer war erst kurz vor dem Saisonstart fit geworden, sodass man ihm den Rückstand noch ansehen konnte. Kroos hingegen scheint den Rückenwind der vergangenen Saison mit in die nächste Saison retten zu können. Er wirkte auf mich sehr souverän, mit klarem Aufbauspiel und griffig in den Zweikämpfen.

Von den zentralen, offensiveren Mittelfeldspielern waren Aaron Hunt, Mehmet Ekici, Levent Aycicek und besagter Stevanovic mitgereist. Hunt machte einen sehr guten Eindruck, zeigte, dass er auch unter Robin Dutt unumstrittener Platzhirsch im zentralen Mittelfeld sein dürfte. Ekici hinterließ dabei den gleichen Eindruck wie in den letzten Jahren: Ansehnliche Fernschüsse wechselten sich mit leichtfertigen Ballverlusten und langsamen Aufbauspiel ab. Aycicek wirkte nach seiner Rückkehr topfit, sorgte mit seiner Wuseligkeit und genauem Pässen und Flanken oft für Gefahr vor dem gegnerischen Tor. Stevanovic war für mich die positive Überraschung des ersten Trainingslagers, zeigte offensiv und defensiv ansprechende Leistungen.

Bei beiden Spielern darf man gespannt sein, ob sie bereits in der nächsten Saison den dauerhaften Sprung in den Profikader schaffen. Zumindest Stevanovic dürfte aber auch ein Leihkandidat sein, falls er gewillt ist, seinen 2014 auslaufenden Vertrag vorzeitig zu verlängern. Denn mit Zlatko Junuzovic und Aleksander Ignjovski werden zwei Spieler zum Team stoßen, die seine Position bekleiden können oder sogar gänzlich blockieren dürften.

Von den offensiven Außenspielern waren Eljero Elia und Özkan Yildirim mitgereist. Elia wirkte integriert und bemüht, wie über weite Phasen der letzten Hinrunde. Yildirim wusste bis zu seiner Verletzung ebenfalls zu gefallen, zeigte offensiv und defensiv ansprechende Leistungen im Training. Zudem wirkte sein Passspiel auf mich klarer als in der Endphase der vergangenen Saison.

Im Sturmzentrum läuft es augenscheinlich auf einen Zweikampf zwischen Nils Petersen, der vom FC Bayern fest verpflichtet wurde, und Nachwuchsstürmer Niclas Füllkrug hinaus. Petersen zeigte im Trainingslager die gewohnten Qualitäten. Füllkrug hat durch seine Reha deutlich an körperlicher Masse hinzugewonnen, dabei aber seine Spritzigkeit nicht eingebüßt. Falls er fit bleibt, dürfte er mittelfristig bei den Profis gesetzt sein, weil sein Spiel einfach facettenreicher als das von Petersen ist.

Aber auch Johannes Wurtz, der vor dem Start der Saisonvorbereitung einen Profivertrag bis 2016 unterschrieben hatte, zeigte auf Norderney gute Ansätze, dürfte aber entweder erneut in der U23 Spielpraxis bekommen oder ein Leihkandidat sein. Seine Vielseitigkeit im Angriff (kann sowohl im Sturmzentrum als auch auf den Außen spielen) könnte allerdings ein Vorteil sein, wenn beispielswiese Arnautovic noch verkauft werden sollte.

Joseph Akpala wird als Letzter, nach dem Trainingslager in Österreich, dazu stoßen. Es würde mich aber sehr überraschen, wenn er Petersens oder Füllkrugs Platz im Kader gefährden könnte. Sowohl Akpala als auch der Ende August aus der Reha zurückkehrende Denni Avdic dürften zu den Abgangskandidaten zählen.

 

Videos vom Training und Testspiel gegen Suurhusen







Im Verlauf des Trainingslagers berichtete ‘aceman’ regelmäßig aus dem Trainingslager im Forum sowie über seinen Twitter-Account ‘aceman_8‘.