Werders Talente, Teil 9: Yigit, Cook, Eggestein & Käuper

26.05.13 | von | Kategorie: Allgemeines | 2 Kommentare

Die Bremer U17 gewann am heutigen Mittag mit 4-0 gegen den Hamburger SV und sicherte sich einen Spieltag vor Schluss somit den zweiten Platz hinter Hertha BSC. Mit dieser Platzierung erreichen die Bremer die Endrunde um die deutsche B-Jugendmeisterschaft. In der Runde der letzten Vier stand eine U17 des SV Werder zuletzt 2011, als die damals wie heute von Viktor Skripnik trainierte Mannschaft Stuttgart im Halbfinale schlug, aber im Endspiel de 1.FC Köln unterlag. Vizemeister wurde man zudem 1983 und 1997, die Runde der letzten Vier erreichte Werder vor 2011 lediglich 1999 und 2000.

Am Mittwoch, dem 5. Juni kommt es zum Halbfinalhinspiel, am folgenden Sonntag findet das Rückspiel statt. Das Hinspiel findet in Bremen statt, der Gegner entscheidet sich erst am kommenden Wochenende zwischen Stuttgart, Freiburg und Nürnberg, die in der Südwest-Staffel alle noch Meister werden können. Im anderen Halbfinale stehen sich der FC Schalke 04 und Hertha BSC gegenüber.

Aufgrund der bereits jetzt erfolgreichen Saison werfen wir im Rahmen unserer Talentserie einen Blick auf vier Spieler dieser Mannschaft. Nicht ganz so detailliert, da die B-Jugend sich doch noch spürbar von der A-Jugend unterscheidet, bei den meisten Spielern (wie auch den hier folgenden) sich die Positionen erst im Laufe der nächsten beiden Spieljahre herauskristallisieren. Wie bei der Vizemeistermannschaft von 2011, in der Spieler wie Röcker, Busch, von Haacke, Fröde oder Hilßner agierten, ist auch die diesjährige U17-Truppe vor allem mannschaftlich stark. Es fällt daher so leicht nicht, Spieler herauszugreifen und soll auch die anderen Kadermitglieder nicht in den Hintergrund stellen. Leistungsträger sind sicher auch Kapitän Timo von Holt oder Bela Prieß, nicht uninteressante Spielertypen sind John Winkler oder auch Michael Lercher. Die Wahl fiel jedoch auf Burak Yigit und Christopher Cook, die beide diese Saison U17-Länderspiele absolvieren durften, sowie auf U16-Nationalspieler Ole Käuper und Maximilian Eggestein, die besten Torschützen des Teams.

BURAK YIGIT

Eckdaten: Verteidiger, geboren am 13. März 1996 in Bremen, 173cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2004
Nationalelf: aktueller U17-Nationalspieler (2 Spiele), insgesamt 2 U-Länderspiele
Bilanz: diese Saison 25 Spiele in der U17

Der 17-jährige Defensivspieler Burak Yigit gehört zu den echten Bremern im Werder-Nachwuchs. Geboren in Bremen-Osterholz, spielte er bis zum Sommer 2004 für den TSV Osterholz im Heimat-Stadtteil, bevor er zum SV Werder kam. Und für den geht er somit in der kommenden Saison in seine zehnte Spielzeit. Auflaufen wird er dann für die U19, wo in den zwei Jahren dann eine wichtige Entwicklungsfrage beantwortet werden dürfte: welche Position wird seine? Rechts in der Viererkette, links, innen oder gar in der Doppelsechs vor der Abwehr? Diese Saison lief er meist als Linksverteidiger auf, der aber immer wieder aufgrund von Verletzungen oder Umstellungen während des Spiels in die Innenverteidigung umgeordnet wurde. Das ist in der U17 für einen Spieler mit 1,73m Körpergröße noch machbar, in der U19 schon nicht mehr zu empfehlen, im Herrenbereich dann eine ganz schlechte Wahl. Die Position des Außenverteidigers erscheint passender für Yigit, der zudem diese Saison auf der linken Seite der Viererkette Neuzugang Michael Lercher ausstach, immerhin Kapitän der österreichischen U17-Nationalmannschaft.

Burak Yigit: auf dem Weg zum Perspektivtraining

Burak Yigit: auf dem Weg zum Perspektivtraining

Nationalmannschaftserfahrung hat diese Saison auch Yigit gesammelt. Ende August ging es mit der deutschen U17 auf Länderspielreise, zwei der drei Partien spielte er durch, die zweite übrigens gegen seinen damals neu hinzugekommenen Bremer Teamkollegen Lercher und seine Österreicher. Es blieb für Yigit aber bis dato bei diesen zwei Länderspielen, bei denen hauptsächlich Spieler aus der zweiten Reihe des 96er Jahrgangs eingesetzt wurden. Dass er dabei war, zeigt eine gewisse Honorierung seiner Entwicklung in den letzten Jahren, zuletzt war er während der Saison 2010/2011 zu Sichtungslehrgängen für die deutsche U15 eingeladen worden, ohne jedoch eine Berufung für einen Länderspieltermin zu ergattern. Ebenso zeigte der DFB-Termin zu Beginn der Saison und die folgenden Nichtnominierungen, dass Yigit leider nicht zu den allerbesten seines Jahrgangs gehört. Leider folgte auch bisher keine Einladung für einen weiteren Sichtungslehrgang ohne Länderspiel.

Bei Werder hingegen ist das ohne Frage der Fall, auch wenn der Defensivspieler in der Vorsaison nicht direkt in die U17 hochgezogen wurde, sondern eine Spielzeit in der U16 einlegte, wo er mit jetzigen U17-Stammspielerkollegen wie Schnirpa, Prieß oder von Holt den Meistertitel der Regionalliga Nord gewann. Eine Liga höher, in der B-Jugend-Bundesliga, würde er den Titel ebenso gerne holen, damit wäre dann auch endgültig vergessen, dass er mit seinem U15-Jahrgang nach neun Meistertiteln in Folge für Werder vor zwei Jahren nicht den Titel nach Bremen holen konnte.

Den Willen, immer zu gewinnen, kann man Yigit in jedem Spiel deutlich anmerken. Vom Typus her Richtung Giftzwerg gehend, fehlt ihm für die Bezeichnung allerdings fast schon das böse Treterverhalten. Er ist zweikampfstark, verfügt über eine gute Körperspannung in direkten Duellen, kämpft verbissen um den Ball, schießt selten bis nie über das Ziel hinaus. Sein Stellungsspiel sowie seine Antizipation sind zu erwähnen, vor allem, weil es in dem Bereich sichtbare Fortschritte gab. Sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass er bisher nicht nur eine Position bekleidete, somit mehr vom Spiel mitbekam und auf unterschiedlichere Situationen reagieren musste.

Sein Offensivspiel ist hingegen noch nicht sonderlich ausgeprägt, gerade für einen kommenden Außenverteidiger muss er sich dort unbedingt verbessern. Mit drei Toren aus vier Jahren und auch nicht sonderlich mehr Vorlagen hat er darin für den A-Jugendbereich ein Lernziel.

Wie weit es dann für Yigit nach oben geht, bleibt abzuwarten. Bisher konnte er sich in jeder Mannschaft aufs Neue beweisen und behaupten, er gilt als sehr zuverlässig sowie ehrgeizig und zielstrebig. Seine Trainer setzten auch daher durchgehend auf ihn, in den letzten Jahren hat er lediglich ein Spiel verpasst, stand ansonsten bei allen Partien in der Startelf. Auch diese Saison hat er zusammen mit Teamkollegen Eggestein als Einziger jedes Spiel begonnen, wurde nur zweimal ausgewechselt.

Eine vergleichbare Werderzeit und Situation im Nachwuchsbereich hatte Kevin Krisch, der bis letzten Sommer bei Werder, in der U23, kickte. Auch er spielte in der Jugend nicht selten in der Innenverteidigung, war relativ klein, versuchte sein Glück im Profibereich im defensiven Mittelfeld und als Außenverteidiger. Heute spielt er in der zweiten Liga in Österreich. Für den Bremer Yigit wünscht man sich eine bessere Zukunft.

CHRISTOPHER COOK

Eckdaten: Mittelfeld, geboren am 24. Januar 1996 in Ankum, 180cm groß
Werder: im Verein seit Januar 2008
Nationalelf: aktueller U17-Nationalspieler (3 Spiele), insgesamt 4 U-Länderspiele
Bilanz: diese Saison 20 Spiele (2 Tore) in der U17

Ebenso wie Burak Yigit war Mittelfeldspieler Cook ab Ende August des vergangenen Jahres mit der deutschen U17 auf Länderspielreise beim Toto-Cup in Österreich. Cook absolvierte alle drei Spiele, wurde zweimal ein- und einmal ausgewechselt. Ähnlich sieht es auf dem Papier für ihn bei Werder aus: schaut man auf seine Einsätze für das grünweiße Bremen hat er das letzte Mal vor über einem Jahr, im April 2012, ein Spiel durchgespielt.

Hatte man bei den Partien rund um die Länderspielreise noch den Eindruck, dass er von Trainer Skripnik geschont wird, ging es für den 17-jährigen Cook nach einer Phase als Startelfspieler fast durchgehend auf die Bank. Im Jahr 2013 kam er lediglich einmal von Beginn an zum Einsatz, ansonsten nur als Joker. Bei seinen Einsätzen zeigt er meist gute Ansätze, ohne vollends zu überzeugen. Fußballerisch nett anzuschauen, verfügt er über eine gute Technik, weiß sich auch in Zweikämpfen zu behaupten und Bälle zu erobern. Sein Kombinationsspiel ist in der Offensive ebenfalls sehenswert, gerade ergänzend zu Eggestein oder Käuper. Mit ihnen sowie meist dazu positionstechnisch besser passenden Spielern auf dem Feld ist die Aufstellung aber meist schon etwas zu offensiv.

Christopher Cook: beim Perspektivtraining

Christopher Cook: beim Perspektivtraining

Das alleine dürfte aber nicht der Grund sein, weswegen Cook keine so große – und kleiner gewordene – Rolle in der U17 spielt. Es seien seine Verletzungen erwähnt, in jedem Jahr seit seinem Werderwechsel im Sommer 2008 fiel er bisher aus, zuletzt den Großteil der Spielzeit 2010/2011. In der vergangen Saison verpasste er zwei längere Phasen, kam somit nur auf 16 Ligaspiele. Dann jeweils wieder in Form zu kommen, seinen Platz zu erarbeiten, sich zu behaupten, ist keine einfache Aufgabe in jungen Jahren. Der eigentlich durchaus torgefährliche Cook kam so in den letzten drei Jahren auf lediglich drei Treffer für Werder.

Und das, obwohl er eigentlich ein Spieler ist, der in einem dahintropfendem Spiel mit ein, zwei Aktionen den Unterschied ausmachen kann. Nur passiert das nicht mehr allzu häufig, was nicht nur mit den Verletzungen zusammenhängt, sondern auch damit, dass er in den letzten Jahren von seinem körperlichen Vorsprung profitierte und sehr gut diesen auszuspielen wusste. Es war nicht nur die Körpergröße, auch allgemein konnte er sich durch seine physische Frühreife sehr gut in Zweikämpfen behaupten, sein Durchsetzungsvermögen war stark. Dieser Vorteil verschwindet jetzt nach und nach, er trifft auf Gegner, die ebenso über eine starke Physis verfügen, die Entwicklung seiner spielerischen Mittel kam ins Stocken, auf diese neue Situation konnte er noch nicht entsprechend reagieren.

Die Stärken, die ihn auszeichneten und die auch heute noch bei seinen (Kurz-)Einsätzen sichtbar sind, drohen mehr und mehr zu verschwinden. Ab der kommenden Saison ist Cook A-Jugendspieler, seine Konkurrenten und Gegenspieler werden nicht kleiner, leichter oder fußballerisch schwächer.

Ob er diesen Sprung in den A-Jugendbereich bei Werder vollziehen wird? Es sieht nicht danach aus. Sein Fördervertrag in Bremen läuft aus, ein Angebot zur Verlängerung gab es wohl bisher noch nicht. Lange hielten sich am Rande der Bande Gerüchte, dass Cook zu Borussia Dortmund wechseln würde, wo schon sein Bruder Daniel-David in der Jugend spielte. Der aber schaffte es damals nicht zu einer Größe im Nachwuchsbereich des jetzigen Champions League-Zweiten zu werden, das gleiche Schicksal würde auch Christopher drohen, da die U19 für die kommende Saison auf seinem Positionsbereich durchaus gut bestückt ist.

Obwohl zu hören ist, dass Cook gerne weiter in Bremen bleiben würde, deutet sich eine Zwischenlösung an: es geht zum diesjährigen Vierten der A-Junioren Bundesliga Nord/Nordost, dem VfL Osnabrück, der zudem der Verein seiner Heimatregion ist. Ein Wechsel im Folgesommer nach Dortmund steht weiterhin zur Debatte.

Dass er doch noch in Bremen bleibt, kann nicht ausgeschlossen werden, erscheint aber nicht mehr realistisch. U17-Coach Viktor Skripnik und Cook wurden nie so richtig warm miteinander, der Mittelfeldspieler hat deshalb damit zu kämpfen, sein Selbstbewusstsein und –vertrauen hoch zu halten. Auch bei U19-Trainer Mirko Votava droht ihm das Schicksal, dass der Trainer nicht 100%-ig auf ihn setzt. Genau dies scheint aber in seiner Situation am notwendigsten zu sein: verletzungsfrei eine Saison durchzuspielen, dabei als wichtiger Spieler für die Mannschaft zu gelten. Nächste Saison. Dann aber wohl nicht mehr in Bremen.

MAXIMILIAN EGGESTEIN

Eckdaten: Offensives Mittelfeld / Sturm, geboren am 8. Dezember 1996 in Hannover, 179cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2011
Nationalelf: kein aktueller U-Nationalspieler
Bilanz: diese Saison 25 Spiele (14 Tore) in der U17

Im Sommer 2011 kam der gebürtige Hannoveraner vom TSV Havelse zum SV Werder, war letzte Saison neben Christopher Cook einziger Stammspieler der U17, der aus dem jüngeren Jahrgang stammte. In dieser Spielzeit ist er nicht nur in jedem Spiel in der Startelf zu finden gewesen, er wurde auch Leistungsträger und ein sehr wichtiger Bestandteil der Offensive.

Maximilian Eggestein: beim Perspektivtraining lauscht er den Erklärungen des Trainers

Maximilian Eggestein: beim Perspektivtraining lauscht er den Erklärungen des Trainers

Was den 16-Jährigen ausmacht, ist sein fußballerisches Können. Keine Frühreife oder eine überragende Physis, obwohl er mit 1,79cm eine durchaus gute Größe vorweisen kann, zudem langgezogener, größer wirkt. Er ist beweglich, sieht dabei durchaus elegant in den Abläufen aus, zeigt aber auch gerne sein Manko gleich mit auf: er braucht manchmal zu lange, ist zudem auch läuferisch nicht der Schnellste.

Nächste Saison geht es für den sehr spät im Jahrgang geborenen Eggestein Richtung A-Jugend, wo er allein aufgrund seiner technischen und spielerischen Fähigkeiten und seines sehr guten Spielverständnisses sicher der Mannschaft früh helfen kann. Inwieweit er sich schon festspielen kann, hängt an seiner Entwicklung, ein Schub würde ihm gut tun. Natürlich körperlich, da er sich gegen nun physisch stärkere Spieler behaupten muss, wenn er den Ball zu lange hält. In der Vergangenheit reagierte er gut auf solche Situationen, trennte sich entsprechend früher vom Ball, verbesserte sein Kombinationsspiel.

Verbessern muss er in jedem Fall auch sein Auftreten in der Gesamtheit während des Spiels, seine Mannschaft kann noch viel mehr von ihm profitieren. Jedoch taucht er aktuell zu oft während des Spiels ab, nimmt sich regelrechte Auszeiten vom Spielgeschehen und neigt auch dazu, das Spiel seinen Teamkollegen zu überlassen. Er benötigt mehr Dominanz, eine deutlich bessere Präsenz, weniger Phlegma. Mehr Ball fordern, mehr initiieren, nicht Käuper und Co das Gestalten überlassen und sich zu oft als Anspielstation zu verstecken.

Im Gegenzug darf dabei aber nicht eine Stärke verloren gehen, die im Zusammenspiel mit der Schwäche vorhanden ist. Eggestein hat eine starke Ruhe am Ball, lässt sich auch von anstürmenden Gegenspielern oder in engen Situationen vom Druck nicht beeinflussen. Dadurch schafft er Situationen für seine Mitspieler und profitiert von dieser Abgeklärtheit auch vor dem Tor, wo viele Talente nervös werden.

In der Theorie ist er damit ein torgefährlicher Spieler, der jedoch zu sehr “situationsergebend” agiert. Das zeigt auch seine Torquote: zu Beginn der Saison führte er die Torschützenliste der Liga an, dann kam eine Flaute, weil er seltener vorne in Szene gesetzt wurde, zu passiv agierte. Jedoch ergänzte sich auch hier das Negative mit dem Positiven: er setzte seine Teamkollegen dafür häufiger in Szene, kombinierte munter mit seinen Mittelfeldkollegen. Ein weiterer Grund für die sinkende Torquote war zudem, dass er in der Rückrunde seltener auf der Zehn spielte, sondern häufiger im rechten Mittelfeld agierte. Dort nahm er sich dann öfter aus dem Spiel, suchte weniger den Weg ganz nach vorne, war jedoch eine sehr gute Anspielstation für die zentralen Spieler wie Ole Käuper, die Eggestein oft suchten und den Ball über seine Seite nach vorne trugen.

In der Zukunft muss Eggestein sicher agiler werden, aktiver am Spiel teilnehmen und präsenter werden. Gerade er als mannschaftsdienlicher Offensivspieler, der seine Mitspieler in Szene setzen kann.Mit weniger Phlegma kann er einer Mannschaft noch mehr helfen, als er es diese Saison schon zeigte, sein fußballerisches Können und gerade sein Spielverständnis deuten Perspektive an. Und trotzdem fliegt er als Talent unter dem Radar, was sich wohl auch nächstes Jahr fortsetzen wird. Aufgrund seines Dezembergeburtstags wird er in der A-Jugend auf Spieler treffen, die bis zu knapp zwei Jähre alter und weiter sind als er, während Teamkollege Cook bspw. beim Aufrücken in die nächste Altersklasse nächste Saison maximal ein Jahr ältere Spieler als Gegenüber begrüßen wird.

Der späte Geburtstag dürfte auch ein Grund sein, warum Eggestein bisher keine Einladung zum Sichtungslehrgang seines Jahrgangs beim DFB bekam. Einhergehend sicherlich auch damit, dass er noch mehr am Spiel teilnehmen muss. Dann drängt er sich zwangsläufig auf. Für ihn selbst, der charakterlich wie auf dem Spielfeld eher zurückhaltend auftritt, dürfte es auch nicht leicht sein, dass sein jüngerer Bruder Johannes Eggestein viel umworben wurde, diese Saison in der U15 des DFB für Furore sorgte. Der Vertrag von Maximilian war übrigens bei seinem Wechsel bis zu diesem Sommer laufend, zu seiner Zukunft war leider bisher gar nichts herauszubekommen. Es wäre zu wünschen, dass sich nicht nur der jüngere Johannes endgültig für Werder und gegen Wolfsburg entschieden hat, sondern dass auch der ältere Maximilian weiterhin bei Werder bleibt. Und das nicht, weil es seinen Bruder gibt, sondern weil er selbst ein sehr interessanter Spieler ist.

OLE KÄUPER

Eckdaten: offensives Mittelfeld, geboren am 9. Januar 1997 in Bremen, 184cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2005
Nationalelf: aktueller U16-Nationalspieler (9 Spiele, 3 Tore), insgesamt 11 U-Länderspiele (3 Tore)
Bilanz: diese Saison 24 Spiele (14 Tore) in der U17

Vor fast genau einem Jahr ging es für den 16-jährigen Mittelfeldspieler erstmals zu einem Länderspiel des DFB, sein Debüt im Deutschlandtrikot gab er gegen die Niederlande. In nicht einmal mehr zwei Wochen würde dann eigentlich so etwas wie der Abschluss eines starken DFB-Jahres für Käuper folgen, im traditionellen Schülerländerspiel trifft die U16-Auswahl Deutschlands im Olympiastadion Berlin auf Frankreich. Im Raum steht aber, dass er aufgrund der Qualifikation für die B-Jugend-Meisterrunde noch absagt. Da das Halbfinale bereits einen Tag nach dem Länderspiel stattfinden wird, werden wohl auch weitere DFB-Spieler aus den Meisterrunden-Teams fehlen.

Selbst wenn er in Berlin fehlt, gilt: diese Saison war der gebürtige Bremer fester Bestandteil der U-Nationalmannschaft seines Jahrgangs, zählt zu den Spielern, die die meisten Einsatzminuten unter Trainer Christian Wück bekamen. In den bisher neun U16-Einsätzen stand er sechsmal in der Startformation, erzielte drei Treffer.

Ole Käuper: als Kapitän der letztjährigen U15

Ole Käuper: als Kapitän der letztjährigen U15

Auch ohne seine DFB-Auftritte sticht Ole Käuper aus einer sehr gut auftretenden B-Jugend des SV Werder heraus. Seine Ballbehandlung ist vorzüglich, die technischen Fähigkeiten auffallend gut, Übersicht und Spielverständnis sind ähnlich stark. Er agiert gut ausbalanciert ballverteilend, -fordernd und kombinierend, alles auf gleichstarkem Niveau.

Dass er das Vertrauen vom Trainerteam genießt, ist unübersehbar und hat Effekte in beide Richtungen. In dieser Saison fehlte er nur in einem Spiel, wurde ansonsten immer über die volle Spielzeit auf dem Platz belassen und zahlte das Vertrauen nach einer kurzen Einlebungsphase auf dem B-Jugendlevel schnell zurück. Je älter die Saison wird, umso mehr kommt er in Fahrt, dokumentiert auch durch seine elf Treffer in diesem Kalenderjahr, nachdem er in der Hinrunde dreimal traf. Auch seine Schussstärke kommt nach und nach auf der nächsten Stufe an. Die Präzision scheint gut justiert, besonders im Nationaltrikot lässt er dadurch aufhorchen.

Das Selbstvertrauen, was bspw. bei Teamkollege Cook absank, könnte bei Käuper mittlerweile kaum höher angesiedelt sein. Entsprechend sind seine fußballerischen Auftritte, wo er auch Positionswechsel innerhalb dieser Saison bzw. wie Yigit auch innerhalb der Spiele problemlos verkraftet. Eigentlich positionell ein typischer Zehner, der zentral hinter den Spitzen die Fäden zieht, begann er in der U17 auf der linken Seite im Mittelfeld. Während der Saison ging es auch in die offensive Zentrale, während der Spiele und dann aufgrund der Sperre von Bela Prieß, lief er aber auch als alleiniger Sechser vor der Abwehr auf.

Die spielerische Lösung auf der nur einfach besetzten Sechs, eine von Skripnik schon in den Vorjahren, u.a. im 94er Jahrgang mit von Haacke, gerne gewählte Option im B-Jugendbereich. Eine Kategorie höher oder spätestens im Herrenbereich sieht das anders aus, so aber profitieren die Mannschaften in ihrem Spiel nicht nur öfter in ihrem Aufbau- und Kombinationsspiel davon, sondern die dort auflaufenden Talente gelingt auch eine Weiterentwicklung, sie bekommen eine andere Spielperspektive, stärkere Zweikampfanforderungen mit auf dem Weg. Der Spielaufbau aus der Zentrale war in Skripniks alter Vizemeistermannschaft wunderbar anzuschauen und ist es jetzt auch dann, wenn der Trainer die Option mit Käuper in der defensiven Zentrale wählt. Auch, wenn er sicherlich weiter vorne besser aufgehoben ist und sich noch mehr entfalten kann.

Zugute kommt der Mannschaft an sich, dass sowohl Eggestein als auch Käuper mannschaftsdienliche Spieler sind, die oft ihre Teamkameraden einsetzen. Skripnik und Umfeld müssen sicher nun auch aufpassen, dass die Eigenwahrnehmung aufgrund Käupers Leistungen und entsprechendem Status bei ihm nicht das Selbstbewusstsein über das gesunde Maß hinausschießen lässt. Die ersten Ansätze dazu waren zwar zu vernehmen, andererseits ist alles im Rahmen, zudem ist er der jüngste der hier beschriebenen Nachwuchsspieler und für die Pubertät und die auf ihn einprasselnde größere Aufmerksamkeit kann niemand etwas. Leistungstechnisch kann zudem nicht im geringsten etwas gegen ihn gesagt werden, da zeigt der Pfeil weiter nach oben.

Dass der Pfeil grün-weiß gefärbt ist, mag da beinahe glücklich klingen, denn Käuper, der im Alter von acht Jahren vom ATSV Sebaldsbrück zu Werder wechselte, wäre zwei Jahre später beinahe aussortiert worden. Der Trainer der Folgemannschaft, der damaligen U11, wollte ihn aber für seine Mannschaft im Kader begrüßen können und so wurde der Abgang damals noch abgewendet.

Sorgen um ein Goodbye muss man sich glücklicherweise derzeit nicht machen. Der Fördervertrag läuft noch, nach Saisonende soll beschlossen werden, ob Käuper die nächste Saison in der U17 startet oder gleich zum U19-Kader gerechnet werden wird. Es wäre einerseits ein vorzeitiges Hochziehen, andererseits muss hier wie bei Eggestein auch ein Blick auf den Geburtstag geworfen werden. Wäre dieser nicht einmal zwei Wochen früher, Käuper wäre im 96er Jahrgang beheimatet und dann sowieso bereits kommende Saison altersbedingt ein A-Jugendlicher.

Es bleibt abzuwarten, in welcher Mannschaft bzw. wie oft man Käuper dort sehen wird. Zu wünschen ist auf jeden Fall, dass nicht allein aufgrund des Jugendwahns und vor allem des spielerisch/zentral derzeit schwach wirkenden U19-Mittelfelds der Bremer aus Bedarfsgründen vorzeitig hochgezogen wird. Wenn, dann aus Entwicklungsgründen.

 

RÜCKBLICK

Im letzten Jahr haben wir über Talente im Nachwuchsblog berichtet, deren aktuelle Situation in den bisherigen acht Teilen noch nicht wieder in einem einzelnen Profil beleuchtet wurde.

Aleksandar Stevanovic steht noch ein Jahr bei Werder unter Vertrag, wird aber vermutlich in diesem Sommer abgegeben (Leihe?). Sein Spiel hat sich trotz Bundesliga-Einsätzen noch nicht weit genug entwickelt, zudem behinderten ihn Verletzungen. Die Wendigkeit, seine Technik, die Bissigkeit geben auch jetzt noch Hoffnung auf mehr, aber physisch hat er wenig zulegen können, sein Spiel ist weiterhin zu hektisch und ertraglos.

Clemens Schoppenhauer: im modischen Turban

Clemens Schoppenhauer: im modischen Turban

Bernd Düker verlässt Werder diesen Sommer, er spielte zuletzt nur noch in der Bremen-Liga für die U21, verlor seinen Status an die aus Berlin gekommenen Richard Strebinger und Kevin Otremba sehr schnell.

Clemens Schoppenhauer hat noch ein Jahr Vertrag bei Werders U23 und ist dort Stammspieler. Er präsentierte sich in der abgelaufenen Saison aber weiterhin zu instabil, die Perspektive deutet eher in Ligen unterhalb der der Werder-Profis.

Christos Almpanis ist ein weiterer Spieler, der seine Schwächen behielt und sich zu wenig in wichtigen Bereichen entwickelte. Eine Zukunft bei Werder scheint nicht mehr lange vorhanden zu sein, bei ihm mischen sich starke Augenblicke wie ein auffälliger Antritt, enge Ballführung mit in der gleichen Aktion auftretenden technischen Problemen, insbesondere gepaart mit fehlender Abgeklärtheit und Spielintelligenz.

Herbert Bockhorn ist schwer zu bewerten. Aufgrund einer Schambeinentzündung fiel der Rechtsverteidiger sehr lange aus, konnte sich dann nicht mehr in die Startelf arbeiten und blieb so nur achtmaliger Joker in der abgelaufenen Saison. Aufgrund seiner Verletzungszeit fehlt auch die Entwicklung. Gerade physisch muss er für eine fußballerische Zukunft im Verein dringend zulegen.

Dimitrios Ferfelis blieb nicht bei Werder, tingelte dann von Probetraining zu Probetraining und landete schlussendlich beim Regionalligisten TuS Koblenz. Mit sieben Toren aus 26 Spielen wusste er nach Eingewöhnungszeit durchaus zu gefallen, kam zuletzt aber aufgrund schlechter Leistungen in die Kritik und zeigte, dass er zwar Stärken hat, aber weiterhin sehr unfertig und ungeschliffen auftritt.

Oliver Hüsing war in der Hinrunde Stammspieler – aber nur bei der U21. In der Rückrunde blieb er Stammspieler – allerdings nun bei der U23. Großgewachsen, physisch stark, Ruhe ausstrahlend und mit sehr guter Einstellung und Einsatz ausgestattet, überraschte er positiv in dieser Saison, hat seine Einsatzzeit in der U23 absolut verdient. Für mehr mangelt es aber derzeit am fußballerischen, im Stellungsspiel und im Aufbau ist noch viel Luft nach oben. Er soll bei Werder verlängern.

Florian Nagel verlässt Werders U23 im Sommer. Eine von beiden Seiten gewünschte Lösung. Bei seinen ersten Auftritten in der U23 vor zweieinhalb Jahren überraschte er, zeigte starke Ansätze, konnte physisch problemlos mithalten. Diese Saison jedoch war ein Rückschritt. Fußballerisch hat er nicht gerade wenig auf zu bieten, aber es fehlten die besonderen Momente. Zu sehr blieb er Mitläufer. Dazu passte, dass auf seinen Positionen oft Spieler mit Profiverträgen agierten, ihm eine größere Rolle von Wolter nicht zugeteilt wurde. Es blieb dann ein Zusammenspiel: nicht mehr gegeben, nicht mehr bekommen. Ihn könnte es laut Weser-Kurier in die Zweitvertretung von Eintracht Braunschweig ziehen.

 

WorumWiki-Profile der Talente:
Burak Yigit
Christopher Cook
Maximilian Eggestein
Ole Käuper

WorumWiki-Profile der Rückblick-Spieler:
Aleksandar Stevanovic
Bernd Düker
Clemens Schoppenhauer
Christos Almpanis
Herbert Bockhorn
Dimitrios Ferfelis
Oliver Hüsing
Florian Nagel

WorumBlog-Talentreihe 2013:
Nachwuchs Round-up 2013
Talente, Teil 1: Aycicek, Füllkrug, Röcker & Yildirim
Talente, Teil 2: Marnon Busch & Alexander Hahn
Talente, Teil 3: Lukas Fröde & Marcel Hilßner
Talente, Teil 4: Julian von Haacke & Tobias Schwede
Talente, Teil 5: Leon Lingerski & Luca Zander
Talente, Teil 6: Kevin Otremba & Richard Strebinger
Talente, Teil 7: Onel Hernandez & Johannes Wurtz
Talente, Teil 8: Martin Kobylanski & Davie Selke

 

Die Fotos wurden von Worum-Usern zur Verfügung gestellt.