Werders Talente, Teil 6: Kevin Otremba & Richard Strebinger

13.02.13 | von | Kategorie: Spieler | Ein Kommentar

Nach zwölf Spielern, die schon länger im Verein sind, geht es heute an die ersten Neuzugänge aus dem Sommer 2012. Richard Strebinger und Kevin Otremba kamen beide aus Berlin an die Weser, sind beide im Tor zuhause und derzeit die Nummer 3 und Nummer 4 des SVW.

KEVIN OTREMBA

Eckdaten: Torhüter, geboren am 18. Juni 1994 in Berlin, 195cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2012, Vertrag bis Sommer 2016
Nationalelf: kein aktueller U-Nationalspieler
Bilanz: diese Saison 11 Spiele in der U19, 2 Spiele in der U23

Letzte Saison nur 3 Spiele für Herthas U19, diese Saison Stammkeeper und U23-Einsätze. Für Torhüter Kevin Otremba hat sich der Wechsel gelohnt. Für Werder auch.

Letzte Saison nur 3 Spiele für Herthas U19, diese Saison Stammkeeper und U23-Einsätze. Für Torhüter Kevin Otremba hat sich der Wechsel gelohnt. Für Werder auch.

In der Sommerpause wurde auf der Torhüterposition der U19 aufgeräumt. Es kamen mit Kevin Otremba und Eric Oelschlägel zwei Torhüter mit mehr Körpergröße, die auch mehr Perspektive als ihre Vorgänger aufzuweisen hatten. Otremba floh, wie U23-Stammkeeper Richard Strebinger von der Berliner Hertha nach Bremen und hat bis zur U19, zuletzt nur sporadisch (drei Einsätze), das Tor des Hauptstadtklubs gehütet. Groß gewachsen, wie es sich für einen Torwart gehört, hat er sich zur Nummer eins, noch vor dem aus dem jüngeren Jahrgang stammenden Oelschlägel etabliert.

Das Pech des Einen ist im Sport das Glück des Anderen. Durch die Verletzung von Raphael Wolf und dem Aufrücken von Strebinger zur derzeitigen Nummer zwei der Profis, rutschte Otremba im letzten Vorrundendrittel zwischen die Pfosten der U23 und durfte die Wintervorbereitung der Profis in Belek mitmachen. Ein offensichtliches Zeichen, dass der gebürtige Berliner hoch im Kurs steht. Eine U19-Lehrgangsberufung zum DFB rundet einen erfolgreichen Wechsel ab.

Der Kerl ist ein echter Riese und mit 1,95m Körpergröße genau das, was Thomas Schaaf und Thomas Wolter an Torhütern lieben. Für seine Größe ist Otremba beweglich wie ein Gibbon und mutig genug, sich anstürmenden feindlichen Horden entgegenzuwerfen. Seine Leistungsbilanz in der A-Jugend ist herausragend, er hat einen nicht zu unterschätzenden Anteil an den bisher nur 14 Gegentoren des Teams, indem er viele Großchancen zu vereiteln wusste.

Ein wenig überraschend ist seine Entwicklung schon und augenscheinlich hat da jemand gut hingeschaut. Noch vor zwei Jahren war das Fußballspiel von Otremba so unterentwickelt, dass er damit keinesfalls für höhere Aufgaben anstand. In diesem Bereich hat er sehr viel gearbeitet und sich an ein adäquates A-Junioren-Niveau herangekämpft. Luft nach oben bleibt hier, wenn Druck auf ihn ausgeübt wird, zeigen sich die spielerischen Unsicherheiten manchmal doch, Otremba ist jedoch klug genug, keine Faxen zu machen und nötigenfalls den Ball ins Aus zu dreschen.

Verbessern muss er seine Strafraumbeherrschung, ein sehr wichtiger Bewertungsfaktor für Entscheidungen für und gegen einen Torwart im Herrenbereich. Trotz seiner Größe verlässt er die Linie gerade bei Standards ungern. Da wird er unbedingt ran müssen und sollte dies, soweit er in der U19 trainiert und eingesetzt wird, dort verbessern, denn das ist die Spielwiese, in der ein Danebengreifen entschuldigt wird und am Timing gearbeitet werden kann.

Bislang ein erfreulicher Transfer, der der Defensive der U19 zu großer Sicherheit verholfen hat und dessen weitere Entwicklung man mit Spannung betrachten wird. Erarbeitet er sich weiter solche Leistungssprünge wie aus der U17 heraus, so hat er durchaus eine Zukunft in Bremen – langfristig unter Vertrag steht er sowieso bereits. Die Notwendigkeit, an sich zu arbeiten, sollte er trotz der vorzeitigen U23-Einsätzen verinnerlicht haben, derzeit ist er mehr Jugend- als Seniorentorwart. Aber nah dran ist er.

RICHARD STREBINGER

Eckdaten: Torhüter, geboren am 14. Februar 1993 in Wiener Neustadt/Österreich, 194cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2012, Profivertrag bis Sommer 2014
Nationalelf: aktueller U21-Nationalspieler (2 Spiele) für Österreich, insgesamt 18 U-Länderspiele
Bilanz: diese Saison 15 Spiele in der U23

Richard Strebinger war letzte Saison in Berlin noch einem starken Konkurrenzkampf mit Philip Sprint aus dem gleichen Jahrgang ausgesetzt, den er gewann, sodass er sich mehr Spielanteile bei der Herthaner Regionalligamannschaft erarbeitete. Sprint bekam den Stammkeeperposten in der U19, wo beide Torhüter letzte Saison noch spielberechtigt waren.

Im Zuge der Herthaner Unklarheit für die Zukunft, was den Posten des Profitrainers sowie die Ligenzugehörigkeit anging, verliefen die Vertragsgespräche im Frühjahr sehr langsam, einige Talente sahen sich nach neuen Klubs um. Dazu gehörte auch Strebinger, an dem Werder im Wissen des auslaufenden Vertrages bereits seit Saisonbeginn baggerte. Es zahlte sich schlussendlich aus, der nächste Österreicher fand den Weg nach Bremen, Strebinger unterschrieb einen Profivertrag, gültig bis Sommer 2014. Für den morgen seinen 20. Geburtstag feiernden Torhüter war insbesondere wichtig, unbedingt den nächsten Schritt für die Entwicklung zu machen. Als notwendig sah man dabei an, dass er einen Profivertrag bei einem Erstligisten bekommt, damit er im dortigen, regelmäßigen Profitraining auf deutlich höherem Niveau gefordert und gefördert wird. Ein Faktor, dessen Wichtigkeit in der Fanmeinung meist unterschätzt wird. Während Strebingers ehemaliger Konkurrent Sprint mittlerweile aufgrund von Verletzungen und Sperren der Hertha-Torhüter auf zwei Einsätze in der 2. Bundesliga zurückblicken kann, ist der Werdegang des Österreichers in den ersten Werder-Monaten nicht weniger beachtenswert verlaufen.

Der gebürtige Wiener war aufgrund des „Übergangsjahres“ von Christian Vander (ab Sommer Torwarttrainer) von Anfang an der klare neue Stammtorhüter in der Bremer U23. Auch in der Nationalmannschaft schaffte er den Sprung aus der U19 direkt in die U21, wo er im November sein Debüt gegen Griechenland gab. Aufgrund der Verletzung von Hannovers Nummer drei, Samuel Radlinger, hat Strebinger gute Aussichten auf weitere Einsätze, musste allerdings in der letzten Länderspielpause angeschlagen zuschauen. Das machte er von der Bank aus in Stuttgart zum siebten Mal auch bei Werders Bundesligateam, wo er den verletzten Raphael Wolf vertrat. Dass der 24-Jährige, der vor der Saison aus Kapfenberg nach Bremen kam, mittelfristig sowieso Strebinger den Vortritt lassen muss, wenn es um die Nummer 1 bzw. Mielitz-Konkurrenz geht, ist eine nicht selten zu hörende Fanmeinung, auch beim Verein soll man zumindest von der Perspektive des Österreichers sehr angetan sein.

Einer von vier Österreichern im Profikader: Torwart Richard Strebinger, der morgen seinen 20. Geburtstag feiert.

Einer von vier Österreichern im Profikader: Torwart Richard Strebinger, der morgen seinen 20. Geburtstag feiert.

Und das auch, obwohl es nie leicht ist, Torhüter zu bewerten. Sowohl den Entwicklungsstand als auch die Luft nach oben. Gerade in der Regionalliga und auch gerade dann, wenn man dem Gegner überlegen ist (oder sein sollte) und der Torhüter kaum Arbeit hat. Es gibt aber trotz der fehlenden Möglichkeiten, sich auszuzeichnen, dennoch die schaafschen „Dinge“, die auffallen. Seine starken fußballerischen Fähigkeiten sind hier zu nennen, er versucht nicht, den Libero zu spielen, ist aber anspielbereit und verarbeitet dabei die Bälle gut und leitet sie weiter. Ohne Show, schnörkellos.

Auch seine Kommunikation mit Mitspielern ist lobenswert. In Bremen weiß man als Zuschauer von Spielen der Nachwuchsmannschaften seit Tom Neukam, dass es durchaus nervig sein kann, wenn da hinten einer versucht, den zweiten Trainer zu machen. Strebingers Ansagen kommen aber immer auf den Punkt, wie er dirigiert und neu zusammensetzt: nicht zu viel und nicht zu wenig. Und die Mannschaft setzt die Kommandos, die Strebinger mit allerfeinstem und deutlich hörbarem Wiener Akzent brüllt, um.

Herausstechend ist des Weiteren seine Strafraumbeherrschung. In dem Alter ist es oft nicht unüblich, das sie noch nicht ausgeprägt ist, starke Ansätze sich hier, mangelnde Erfahrung da bemerkbar macht. Meist ist es schlicht eine Sache der fehlenden Spielpraxis auf entsprechendem Niveau, aber Strebinger hat ein unglaublich gutes Gespür dafür, wann er den Ball auch wirklich bekommt und diesen auch schnell für Konter weiterverarbeiten kann. Eine weitere Stärke sind seine Reflexe, eine für größere Aufgaben notwendige, ausgeprägte Schnellkraft ist sichtbar. Es gab in den letzten Jahren trotz vieler Rettungstaten von Torhütern wie Mielitz oder Wiedwald selten Szenenapplaus für einen Torhüter auf Platz 11, Strebinger hat ihn diese Saison mehrfach erhalten. Unvergessen, wie er, bei einer Großchance des Gegners bereits auf dem Boden liegend, blitzschnell wieder auf den Beinen war und einen Ball doch noch über das Tor faustete. Auch im Eins-gegen-Eins zeigte er immer wieder sein Können und verhinderte Gegentore.

Bei allem Lob muss man allerdings festhalten, dass es von der Regionalliga zur Bundesliga ein Riesensprung ist. Ob Strebinger diesem Sprung bereits jetzt, bei einem eventuellen Ausfall von Mielitz, gewachsen wäre, sei dahingestellt. Zum Ende der Hinrunde wurde nicht nur die U23 schwächer, auch Strebinger wackelte hier und da, patzte auch. Einem Torwart hilft nicht nur dann vor allem immer eins, und das ist Spielpraxis, mehr und mehr Erfahrung sammeln.

Es bleibt abzuwarten, wie sich im Sommer die Torhüterposition bei Werder darstellen wird. Sebastian Mielitz spielt solide, ist aber auch nicht außerhalb der Kritik. Nicht unnormal allerdings für das erste Jahr als Stammtorhüter in der Bundesliga. Raphael Wolf konnte in der Sommervorbereitung nicht viel Werbung für sich machen, scheint zu weit von Mielitz entfernt zu sein. Bleiben beide? Wie weit ist Strebinger dann schon? Durchaus möglich, dass er ab dem nächsten Norderney-Aufenthalt Werders ernsthaft im Rennen um die Nummer eins ist. Sicher vorauszusagen ist das nicht. Aber es ist alles andere als schlecht, sagen zu können, dass der in seinen Fähigkeiten ziemlich komplette Österreicher das Zeug dazu hat, ein guter Vertreter zu werden und mittelfristig zwischen den Pfosten eines Bundesligatores zu landen.

 

WorumWiki-Profile der Spieler:
Kevin Otremba
Richard Strebinger

 

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