Werders Talente, Teil 3: Lukas Fröde & Marcel Hilßner

07.02.13 | von | Kategorie: Spieler | 5 Kommentare

Weiter geht es in der Nachwuchsreihe des WorumBlogs heute mit zwei Spielern des 95er Jahrgangs, Lukas Fröde und Marcel Hilßner. Beide feierten im Januar ihren 18. Geburtstag und sind wichtige Stützen im Mittelfeld in der diesjährigen U19-Mannschaft. Die beiden Talente haben aber noch mehr Gemeinsamkeiten, über Kleinigkeiten wie dem Fakt, dass beide im Sommer 2009 aus einem Ostklub (Leipzig & Jena) nach Bremen kamen, bis hin zu Rückschlägen: Fröde und Hilßner waren lange im DFB-Kader ihres Jahrgangs, wurden aber für die U17-Europameisterschaft nicht mehr berücksichtigt. Im Gleichschritt gingen sie, aber im Gleichschritt kamen sie dann auch wieder und erarbeiten sich in der neuen Saison wieder Einsätze in der U18-Nationalmannschaft. Hilßner stand diese Woche bei einem Länderspiel auf Zypern nicht nur in der Startelf, sondern erzielte auch den einzigen deutschen Treffer. Teamkollege Fröde war da nur auf Abruf nominiert und wird zudem wohl im ersten U19-Spiel dieses Jahres am Wochenende verletzungsbedingt passen müssen.

LUKAS FRÖDE

Eckdaten: Innenverteidiger / defensives Mittelfeld, geboren am 21. Januar 1995 in Fulda, 187cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2009, Vertrag bis Sommer 2013
Nationalelf: aktueller U18-Nationalspieler (2 Spiele), insgesamt 15 U-Länderspiele (1 Tor)
Bilanz: diese Saison 15 Spiele (2 Tore, 2 Vorlagen) in der U19

Eine mittelmäßige U17-Saison brachte der 18jährige Fröde hinter sich. Pendelnd zwischen Innenverteidigung und defensivem Mittelfeld, zeigte er zu keinem Zeitpunkt die Konzentration und Konstanz, die ihn im Vorjahr auszeichneten. Ärgerlich, dass er diese Mängel auch in seine Ersteinsätze in die U19 mitnahm und als B-Jugendspieler den einen oder anderen Bock schoss. Der Frust bei der Nichtberücksichtigung des DFB für die U17-Europameisterschaft mag eine Rolle gespielt haben, und er ließ in einigen Spielen eher Resignation denn Aufbäumen erkennen.

Perspektivtrainingsteilnehmer mit Profiperspektive: Lukas Fröde

Perspektivtrainingsteilnehmer mit Profiperspektive: Lukas Fröde

Anscheinend hat ihm die Pause, oder was auch immer da im Sommer passierte, gut getan. Denn seitdem er wieder in der Konstellation der 1994/95er Jahrgänge spielt, zeigt er sich von einer sehr guten Seite. Kämpferisch vorbildlich, gut abgestimmt gerade im Wechselspiel mit Julian von Haacke, torgefährlich und bereit, für andere zu arbeiten, bestimmt er wesentlich den Rhythmus des Spiels der U19 mit. Ebenso wie Marcel Hilßner wieder vom DFB berücksichtigt, wirkt er erheblich stabiler als in der Rückrunde der letzten Saison.

Der Defensivspieler gehört zum Kreis derer in der Mannschaft, die ihr Handeln gerne und sehr zielgerichtet an den mannschaftlichen Notwendigkeiten ausrichten, und er ist wesentlicher Garant dafür, dass das flexible System, in dem die U19 agiert, funktioniert. Positionell spielt Fröde einen sehr defensiven Libero vor der Abwehr. Er stößt zwar immer wieder vor, konzentriert sich jedoch vornehmlich auf die Defensivarbeit. Schade dabei ist, dass er nach wie vor Fehler im Spielaufbau hat und oft nicht schnell genug nach vorne umschaltet. Positiv: in der Luft und im Eins-gegen-Eins bleibt er eine Bank. Besonders in der Kopfballarbeit hat Fröde an Präzision und Zielstrebigkeit noch einmal ordentlich zugelegt. Im letztjährigen Blog gab es da Kritik an der Unkontrolliertheit seiner Lufthoheit, die deswegen zu wenig Effektivität besaß. Die Entwicklung bis heute ist sichtbar und daher erfreulich.

Auch für ihn gilt, dass er sich festigen und größere Sicherheit, besser: Selbstverständlichkeit, in sein Spiel bringen muss. Im reinen 4-3-3 würde sein Platz eher in der Innenverteidigung als im defensiven Mittelfeld zu sehen sein, solange das Umschaltspiel nicht verbessert wird. Dort allerdings kann er aufgrund seiner Größe und seiner guten Technik durchaus Potential entfalten. Im 4-1-4-1 wäre er auch als Sechser einzusetzen, wobei ihm hier eine größere Wendigkeit helfen könnte, seine körperliche Überlegenheit noch besser auszuspielen.

Er wäre als Mittelfeldspieler konkurrenzlos im Profikader, der kopfballstarke, groß gewachsene Defensivmann ist dort einfach nicht vorhanden. Was Chance, aber auch Risiko darstellt, wenn man diesen Spielertyp grundsätzlich, aufgrund neuer spielerischer Ausrichtung, eigentlich gar nicht (mehr) benötigt. Für die Zukunft auf der Innenverteidigerposition sprechen alleine schon seine Statur und sein Kopfballspiel.

Aber das ist Zukunftsmusik. Ist er doch noch Einiges von „oben“ entfernt, derzeit trennen ihn insbesondere Schnelligkeitsunterschiede klar vom Herrenbereich. Ihm wäre zu wünschen, dass sich der Verein intensiv mit seiner körperlichen Ausbildung beschäftigt und individuell mit ihm arbeitet. Von den mentalen Voraussetzungen bringt er weit mehr mit, als die Spieler, die lediglich ihre Aufgaben erfüllen, ohne das Spiel insgesamt zu durchdringen.

MARCEL HILßNER

Eckdaten: offensives  Mittelfeld, geboren am 30. Januar 1995 in Leipzig, 178cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2009, Vertrag bis Sommer 2014 / Profivertrag
Nationalelf: aktueller U18-Nationalspieler (2 Spiele, 1 Tor), insgesamt 21 U-Länderspiele (7 Tore)
Bilanz: diese Saison 15 Spiele (3 Tore, 10 Vorlagen) in der U19

Marcel Hilßner: zum 18. Geburtstag gab es angeblich einen Profivertrag bei Werder

Marcel Hilßner: zum 18. Geburtstag gab es angeblich einen Profivertrag bei Werder

Marcel Hilßner war der überragende Spieler in der vergangenen U17-Saison. 19 Tore sind für einen Mittelfeldspieler eine überragende Quote, etliche Torvorlagen kamen noch hinzu. Die Mannschaft verließ sich stark auf ihn, seine Schussgewalt und seine Dynamik machten in der spielerisch nicht so genialen Mannschaft häufig genug den Unterschied. Das Spiel war allerdings insgesamt auf diese Waffe eingespielt und abgestimmt, nach hinten wurde ihm, gleich ob er als Zehner oder auf den Halbpositionen spielte, viel Arbeit abgenommen. Sehr unglücklich, dass es für den Kader der U17-Nationalmannschaft für die Europameisterschaft, nicht gereicht hat, aber gerade die Jahrgänge 1994 und 95 haben eine extrem hohe Dichte an sehr guten Mittelfeldspielern, so dass sein Fehlen keinen Makel darstellen sollte. Obwohl der Bremer darüber natürlich unglücklich war.

Die U19-Saison begann für Hilßner, der bereits als B-Jugendlicher U19-Einsätze erhielt, durchwachsen. Er brauchte überraschend lange, um sich an das höhere Tempo zu gewöhnen und zeigte anfangs ungewöhnlich häufig technische Schwächen in der Ballan- und -mitnahme. Mit dem Saisonverlauf stabilisierte er sich spürbar und glänzte, über die linke Seite kommend, mit all den Qualitäten, die ihn bereits in der U17 auszeichneten. Insgesamt fand er seine Sicherheit in der Mannschaft und arbeitet zusehends zuverlässig auch im Defensivbereich. Dies blieb nicht verborgen, der DFB holte ihn zurück in den Kader der U18, alles läuft. Fast alles. Mit bisher nur zwei Ligatoren ist in dem Bereich viel Luft nach oben in der Rückrunde.

Hilßner habe, so ist zu hören, mittlerweile seine Unterschrift unter einen Profivertrag gesetzt. Auch so wäre er noch bis 2014 an Werder gebunden gewesen, der Profivertrag gelte ab Sommer, über die Laufzeit ist noch nichts bekannt, es darf aber mit einem Dreijahresvertrag gerechnet werden. Ob er bereits in die U23 hochgezogen wird, ist offen. Körperlich wirkt er fertig, extrem kräftig und ausreichend dynamisch, so dass ihn auch der Herrenfußball nicht schrecken dürfte. Auch ihm könnte eine weitere U19-Saison allerdings helfen, mental stabiler zu werden. Sieht man gerade bei Teamkollege Julian von Haacke, wie sehr die Fokussierung und gesteigerte Verantwortung das eigene Spiel reifen lässt, wäre genau dies ein Bereich, in dem sich Hilßner eher in der relativen Ruhe der U19 verbessern könnte als im Herrenbereich mit Tempo und Härte zu kämpfen.

Er kann im offensiveren Mittelfeld und auch, im derzeitigen System der Profis, auf der linken Sturmposition variabel eingesetzt werden. Die Spieler der ersten Elf der Profis sind ihm gewiss noch sehr weit voraus, doch wenn er sein Spiel etwas variabler und fintenreicher gestaltet, kann er im Offensivbereich auf Spieler wie Martin Kobylanski, Johannes Wurtz, Onel Hernandez oder Özkan Yildirim Druck machen, ohne diese vielleicht schon im nächsten Jahr in den Schatten zu stellen. Auch profitiert der 18-jährige gebürtige Leipziger vom überragenden Mittelfeld der U19, welches ihm eine prima Bühne bietet, sich zu zeigen. Unaufgeregt und zielstrebig, wie er sich im Spiel präsentiert, wird er es mit der U19 gewiss leicht haben, im Blickpunkt zu bleiben und sich dabei gleichzeitig Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.

 

WorumWiki-Profile der Spieler:
Lukas Fröde
Marcel Hilßner

 

WorumBlog-Talentreihe 2013:
Nachwuchs Round-up 2013
Talente, Teil 1: Aycicek, Füllkrug, Röcker & Yildirim
Talente, Teil 2: Marnon Busch & Alexander Hahn

 

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