Werders Talente, Teil 2: Marnon Busch & Alexander Hahn

05.02.13 | von | Kategorie: Spieler | 5 Kommentare

Nach einem Blick zu den Profispielern Aycicek, Füllkrug, Röcker und Yildirim geht es heute in der Reihe dahinter weiter. Marnon Busch und Alexander Hahn haben wir beide im letzten Jahr schon betrachtet, jetzt schauen wir auf die aktuelle Situation der beiden Defensivspieler aus der U23, deren Verträge im Sommer auslaufen.

MARNON BUSCH

Eckdaten: Rechter Verteidiger, geboren am 8. Dezember 1994 in Stade, 182cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2007, Vertrag bis Sommer 2013
Nationalelf: kein aktueller U-Nationalspieler, insgesamt 1 U-Länderspiel (kein Tor)
Bilanz: diese Saison 16 Spiele (1 Vorlage) in der U23, 4 Spiele (1 Tor, 1 Vorlage) in der U19

Marnon Busch während des Perspektivtrainings im Herbst 2012

Marnon Busch während des Perspektivtrainings im Herbst 2012

Der pfeilschnelle Busch war einer der wenigen Spieler, die eine durchaus ansehnliche Rückrunde in der U19 vorweisen konnten. Stets hoch gelobt für seinen Einsatz, seinen Willen und seine Dynamik, war Busch den Aufgaben der Rückrunde bestens gewachsen und stach als Einziger aus der unsortierten Defensivabteilung bisweilen heraus. Seine überragende Physis erlaubt es ihm, Fehler schnell und sauber zu beheben, nach vorne zittern die Mannschaften vor seinen atemberaubenden Antritten.

Hochgezogen in die U23, hält Busch das körperliche Level auch als Jugendspieler im Herrenbereich. Nach anfänglicher Verletzung nahm er sich der ihm zu Anfang der Spielzeit zugeteilten Aufgaben bei der U19 mit großem Engagement an und erarbeitete sich im Anschluss frühzeitig verdientermaßen einen Stammplatz auf der rechten Seite der U23-Abwehrkette. Busch zeigt auch hier, was ihn ausmacht: Powerläufe nach vorn und die hochgeschätzte „Never give up“-Einstellung, die von Herrentrainern immer als sichere Voraussetzung dafür angesehen wird, dass der Spieler das Herz auf dem rechten Fleck hat und es weit bringen wird.

Busch genießt als spätgeborener 1994er allerdings eine Art Welpenschutz, der offensichtlich über die nach wie vor auftretenden leichten Stock- und Stellungsfehler in der Defensive hinwegschauen lässt, die er auch nach einer halben Saison im Herrenbereich noch zu oft in sein Spiel einstreut. Rettet ihn häufig die schlichte Unterlegenheit der Regionalligagegner in der U23, agierte er beim Profitestspiel gegen Dynamo Kiew zeitweilig hilflos. Nachteilig für sein Spiel ist die neue Ausrichtung der Werdertaktik, die seinen Offensivlaufweg mit einem Außen häufig zustellt. Anstatt eines Zusammenspiels ist das bisher ein gegenseitiges Blockieren mit seinem Rechtsaußen. Die Abstimmung in der Zusammenarbeit muss verbessert werden, da sich sowohl Spieler als auch Mannschaft sonst einer gewaltigen Waffe berauben.

Für den Rechtsverteidiger ist es an der Zeit, an der Feinjustierung zu arbeiten. Sind seine physischen Werte überragend und geeignet, ihn zum Publikumsliebling zu machen, gibt es bei Spielintelligenz und fußballerischem Geschick Raum für Entwicklung. Ob gerade die U23 die geeignete Mannschaft ist, ihm diese überlebenswichtigen Grundlagen zu vermitteln, ist zweifelhaft. Zu sehr wird er für das Offensichtliche gelobt, zu wenig ist zu erkennen, dass die Schwächen erkannt sind und an ihnen gearbeitet wird. Auch er wird von einem eventuell mehr auf Spielintelligenz Wert legenden Anforderungsprofil in der neuen Saison profitieren, denn dass er seine im Jugendbereich gezeigten Qualitäten zumindest in der Regionalliga in die Wagschale zu werfen vermag, hat er bewiesen. Derzeit sicher noch ein gutes Stück entfernt von der Bundesliga und noch hinter Theo Gebre Selassie, Clemens Fritz, Aleks Ignjovski und auch Aleks Stevanovic anzusiedeln, ist er jedoch sehr jung und bringt Grundlagen mit, die ihm wahrlich alle Möglichkeiten nach oben eröffnen.

Marnon Busch wird und muss weiter lernen, bleibt jedoch nach wie vor ein sicherer Kandidat für die weitere Beschäftigung beim SV Werder, auch in absehbarer Zeit im Profikader. Dort muss er kontinuierlich mehr und mehr auftauchen, um sich auf seinem Lernweg auch mit stärkerer Konkurrenz und besseren Gegnern zu messen. Aber ebenso muss er in Ruhe und mit Geduld an Schwächen arbeiten. Zeit ist vorhanden, Busch feierte im Dezember gerade mal seinen 18. Geburtstag.

ALEXANDER HAHN

Eckdaten: Innenverteidiger / Defensives Mittelfeld, geboren am 20. Januar 1993 in Omsk/Russland, 187cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2007, Vertrag bis Sommer 2013
Nationalelf: kein aktueller U-Nationalspieler, insgesamt 6 U-Länderspiele (1 Tor)
Bilanz: diese Saison 9 Spiele (1 Tor, 1 Vorlage) in der U23

Alexander Hahn nach dem Training im Sommer 2012

Alexander Hahn nach dem Training im Sommer 2012

Schon im letztjährigen Blogeintrag zu Hahn hatte man erahnen können, dass seine Entscheidung, auf die Aufnahme in den U23-Kader zu drängen, ein wenig übermütig war. Er hat es nicht geschafft, in der Rückrunde viel Spielzeit zu erkämpfen. Die Gründe liegen sicher auch bei ihm und einigen unglücklichen Auftritten, aber genauso in der sehr unbefriedigenden Gesamtsituation der U23 in der letzten Saison. Die Folge war, dass Hahn öfter in der U19 eingesetzt wurde, dort allerdings ausnahmslos engagiert und ohne Maulen zu Werke ging.

In der Hinrunde der laufenden U23-Saison zunächst sporadisch, danach kaum noch im Einsatz – es mangelt an einer Idee, was mit ihm zu veranstalten ist, ebenso wie am Vertrauen der Übungsleiter in seine Fähigkeiten. Allerdings fand der hochgewachsene Linksfuß sich auch einer nicht unbeträchtlichen Konkurrenz gegenüber, die Einsätze schwer machte. Auf der Sechs und als linker Verteidiger sicher nicht erste Wahl, wenn Tom Trybull, Florian Hartherz und Cimo Röcker Spielzeiten beanspruchen, als Innenverteidiger einer von vielen guten, aber nicht herausragenden Spielern.

Neben der bestehenden Konkurrenz gesellte sich mit Felix Kroos ausgerechnet noch ein Spieler dazu, der zudem auch leistungsmäßig zum Platzhirsch wurde. Als dann auch noch Oliver Hüsing sich aufdrängte und Francois Affolter Spielpraxis sammeln sollte war Alexander Hahn komplett hinten dran. So hatte der 20-jährige Defensivspieler die meisten seiner Einsätze im defensiven Mittelfeld, auf das aber auch Kapitän Sandro Stallbaum oft ausweichen musste. Mit Aleksandar Stevanovic kommt wohl ein weiterer Konkurrent nach Genesung hinzu, da dessen Position auf der rechten Abwehrseite wohl bei Marnon Busch bleiben wird.

Hahns größtes Problem sind die Unkonzentriertheiten, die sein dynamisches, kampfbetontes Spiel nach wie vor begleiten. Es bleibt allerdings bei ihm häufig außer Acht, dass auch er altersmäßig erst im ersten Herrenjahr spielt und kein Anlass besteht, einen Spieler mit seinen Anlagen als gescheitert zu betrachten. Sein Vertrag läuft zum Saisonende aus. Ob er verlängert, wird stark davon abhängen, was ihm der neue Trainer Viktor Skripnik anbietet. Dass er etwas anbietet, ist durchaus denkbar, denn Hahn war in der U17 unter dem Trainer Skripnik durchaus in die Verantwortung eingebunden, wurde unter ihm zum Junioren-Nationalspieler. Eine weitere Chance in Form von mindestens einer weiteren Spielzeit hat Hahn sich sicher verdient, seine Entwicklung ist noch nicht am Ende. Zu wünschen wäre allerdings, dass in der kommenden Saison die Personalplanung für die U23 konsequenter aussieht, so dass Hahn davon profitiert, wenn er einen festen Platz zwischen all den Spielern mit Profiverträgen in der U23 hat.

 

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Marnon Busch
Alexander Hahn

 

WorumBlog-Talentreihe 2013:
Nachwuchs Round-up 2013
Talente, Teil 1: Aycicek, Füllkrug, Röcker & Yildirim

 

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