Nachwuchs round-up 2013

24.01.13 | von | Kategorie: Werderspiele | 15 Kommentare

Das Worum hat vor einem Jahr in einer losen Reihe den Blick auf den Stand des Nachwuchs’ des SV Werder und besonders dessen Talente gerichtet. Situationen und Entwicklungen wurden beschrieben, ebenso Prognosen und Hoffnungen geäußert. In der 2013er Ausgabe der Talentreihe blicken wir in mehreren Artikeln auf die Spieler, das gesamte Leistungszentrum. Ebenso bedürfen auch die einzelnen Mannschaften eines kritischen oder freundlichen Blickes, da die Nachwuchsmannschaften naturgegeben Jahr für Jahr sowohl ihr Personal als auch ihren Charakter verändern.

Der Nachwuchsbereich des SVW ist nicht sonderlich leicht überschaubar, da sich ein geordnetes Ziel oder ein Gesamtkonzept hinter den üblichen Lippenbekenntnissen nicht wirklich erkennen lässt und viel zu viele Personen eigene Wege bei der Entwicklung ihrer Mannschaften und einzelner Spieler gehen. Die Schaffung von Hierarchien und nachprüfbaren Verantwortungssträngen ist sicher ganz toll für Zertifizierungen, die die Verantwortlichen vom SV Werder penetrant in jegliche Auftritte platzieren, jedoch völlig irrelevant für die konkrete Arbeit an Spielern und Mannschaft. Auch scheint die Förderung von und Anerkennung für einzelne Spieler sprunghaft und mitunter von starken persönlichen Befindlichkeiten abzuhängen, statt von einem abgestimmten Leistungs- und Entwicklungsplan, an dem sich auch der einzelne Spieler entlangarbeiten kann. Hierbei auch in viel stärkerer Abstimmung mit den Profis, mit dem Blick nach oben. Dem Grund, warum man das ganze Gerüst überhaupt benutzt und nicht verrosten lässt.

Messen lassen muss sich die Jugendarbeit an ihrem eigenen, gebetsmühlenartig formulierten Ziel, stets die Entwicklung der Spieler vor die Entwicklung der Mannschaft zu stellen. Bemerkenswert häufig wird dieser Satz dann in diversen Ausprägungen herausgeholt, wenn eine Mannschaft fußballerisch und tabellarisch hinter den Erwartungen zurückbleibt. Der Ansatz kann nicht allein richtig sein, denn ein guter Fußballer entwickelt sich nur in einer funktionierenden Mannschaft optimal.

Zulange aber ruhte man sich auf mannschaftliche Leistungen aus, hatte diese zu oft durch frühreife Kämpfertypen und Schwerpunkt auf eine solche Ausbildung erreicht. Verpasste dann die Trendwende im deutschen Fußball, mehr auf fußballerisches Können, Spielintelligenz, läuferischen Einsatz und taktisches Verständnis zu setzen. So fällt es auch leicht, kreativ den schwarzen Peter zu verteilen, darüber zu philosophieren, was für eine hervorragende Nachwuchsarbeit man eigentlich habe, aber dass man in den letzten Jahren viel mehr Talente hätte nach oben in den Profikader bringen müssen. Das klingt alles schön, vernachlässigt aber aufgrund von blinder Oberflächlichkeit den Blick auf das Wie, das Warum und das Wieso.

Das gegenüber den Spielern und der Öffentlichkeit formulierte Ausbildungsziel, dass die U23-Spieler jederzeit in der Lage sein sollen, bei den Profis ohne großen Qualitätsverlust auszuhelfen, zeigt ein weiteres Manko, welches sich in der fehlenden Erfahrung bei der Heranführung und Einschätzung der Spieler manifestiert. Dass Werder ein Ausbildungsverein ist, wird kaum jemand ernsthaft behaupten wollen, der mit Ausbildung die Überführung eigener Talente in den Profibereich meint. Für den Profibereich lebte der Verein stets davon, überragende Spieler in jungen Jahren im richtigen Moment zu verpflichten, zu tragenden Säulen des Spiels zu machen und sodann gewinnbringend zu verkaufen. Die Anzahl der Spieler, die das Leistungszentrum durchlaufen haben und sich dann bei den Profis zeigen durften, ist dagegen recht überschaubar, ebenso wie die Liste derer, die sich nachhaltig andernorts im Profibereich durchgesetzt haben.

U19-Spieler Lukas Fröde (links) mit Spielern aus der U17 und Profitrainer Thomas Schaaf beim Perspektivtraining

U19-Spieler Lukas Fröde (links) mit Spielern aus der U17 und Profitrainer Thomas Schaaf beim Perspektivtraining

Und bitte, man möge doch die Öffentlichkeit nicht mit Namen wie Trybull oder Hartherz, gar Kruse oder Harnik (machte lediglich 1 A-Jugendspiel für Werder) zu blenden versuchen, die in der A-Jugend zu Werder stießen und gewiss nicht die Frucht einer gezielten Ausbildung beim SVW sind. Sicher, der eine oder andere war überragend und schaffte, vielleicht auch dank Verletzungspech anderer, den Sprung, insgesamt jedoch ist die Ausbeute rar.

Nun aber hat sich die Welt weitergedreht, andere kaufen auch pfiffig ein, die Strahlkraft der Profimannschaft des SV Werder nimmt ab, zwei, drei Einkäufe passten nicht wie erwünscht, und schon muss es die Jugend richten. Undzwar auf dem Wege, wie Willi Lemke am Sonntag auf Sport1 den Umbruch beschrieb. Wir wollten, ganz bewusst, unsere Entscheidung. Warum? Weil wir mussten, ging ja nicht anders. Aha.

Die Jugend trifft das Auf-Die-Jugend-Setzen unvorbereitet. Konnten die U19 und U23 früher sorgenfrei und auch unberührt von aktuellen Entwicklungen im Fußball vor sich hin spielen, fragen nun alle nach den Götzes, Goretzkas, Cans, Ginters, Alabas, Schürrles und was sich noch so tummelt, bei den anderen. Dabei ist diese Anspruchshaltung verfehlt, verfrüht und kurzsichtig. Auch heute sind Spieler wie Götze oder Özil Ausnahmen, die meisten benötigen Zeit, sich dauerhaft im Profibereich festzusetzen, andere haben neben ihren unbestrittenen Fähigkeiten das Glück, von einem Trainer gemocht zu werden und auf Positionen einsetzbar zu sein, wo gerade der Schuh drückt. In Bremen, hat man das Gefühl, wird nun der Scheinwerfer auf die Jugend gedreht und man sieht mit Zornesfalte auf der Stirn keinen Götze, keinen Özil und scheut sich, denen zu vertrauen, die man jahrelang ausgebildet hat. Bekommt dann ein VW Wolf mal in einem Testspiel von einem Bremer Talent die Beine verdreht, so brüllt eine nicht gerade kleine Fanschar, dass der genesene Yildirim nun spielen muss und träumt sich einen Reus zurecht.

Interessant wird bei dieser ganzen Talentsuche und -ausbildung zu beobachten sein, wie sich die Personalwechsel in der Führung in den U-Mannschaften auswirken. Sicher ist der Übergang von Wolter zum obersten Sportdirektor Leistungszentrum ein positionell dringend notwendiger Schritt, damit die sportliche Arbeit vereinheitlicht wird. Gespannt sein darf man, ob die Vorstellung, dass alle Mannschaften die gleiche Systematik wie die Profis zeigen, verwirklicht wird, und ob die Anforderungen an den zu entwickelnden Werderspieler vereinheitlicht werden können. Allerdings ist die alles entscheidende Frage diejenige, ob sich gerade ein im Herrenbereich neuer Trainer wie Skripnik in der U23 durch Vorgaben von oben an die Kette legen lassen muss oder ob tatsächlich die Meinungen der Profis Schaaf und Baumann, die der NLZ-Verantwortlichen Harttgen und Wolter sowie dem U23-Trainerteam auf eine Wellenlänge zu bekommen sind.

Die letzten Jahre der U23 waren wenig erbaulich, taktisch fragwürdig und, was die Entwicklung von Spielern angeht, unbefriedigend. Zu ideenlos, zu schematisch auf wildes Anpreschen gedrillt zeigten sich die U 23-Mannschaften der letzten Jahre und dies trotz durchaus fähiger und technisch guter Spieler, die allerdings sehr eindimensional, fast leblos agierten. Hinzu kam immer und immer wieder, klarer Vorwurf an Thomas Wolter, dass die Mannschaft in Teilen oder gar ganzen Spielen lustlos und öde über den Platz schlurfte und sich trotz spielerischer, theoretischer Überlegenheit die Niederlage regungslos abholte und das Gegurke über sich ergehen ließ. Ob sich ein dem intelligenten Fußball zugetaner Viktor Skripnik dem bislang gepflegten Powerfußballdiktat unterwerfen wird und soll, dürfte die große Nagelprobe bei der Weiterentwicklung des Ausbildungsstandortes Werder und der nächsten Jahrgänge sein. Auch, wie und ob es der seit 1996 für Werder im Dienst stehende Ukrainer schafft, den Teamspirit, den er dem Vizemeisterjahrgang oder auch der diesjährigen U17 eintrichterte, in die Köpfe der U23 zu bekommen. Eine schwere Sache, denn während die Nachwuchsspieler erst ab der A-Jugend Ansprüche stellen, Wirklichkeiten verdrängen und Profiträume verarbeiten müssen, ist das B-Jugendalter ein geschlossenes: Aufmerksamkeit, Hype, all das ist gering. Die 15jährigen C-Jugendmeister sind allein körperlich beim U17-Einstieg noch meilenweit von den Profis entfernt. Mit Begehrlichkeiten musste Skripnik nicht umgehen, ebenso nicht mit Frust-Situationen, wenn ein Noch-A-Jugendlicher wochenlang bei den Profis mittrainiert, sich selber dort sieht und dann ohne Elan am U23-Spieltag in der Skripnik-Truppe Spielpraxis bekommen soll – und dabei voll auf der Höhe sein muss.

U17

Die B-Jugend, noch bis zum Saisonende trainiert von Viktor Skripnik, ist die Babymannschaft im höheren Leistungsbereich, die Spieler vereinzelt noch in Körper und Geist mehr Kind als Kerl, werden dennoch an den komplexeren und härteren Fußball herangeführt, ein bisschen, oder ein bisschen mehr Kohle fließt, und erste Spreu trennt sich vom Weizen. Gucken wir auf den Tabellenplatz nach der Saison 2011/12, so gibt es nichts zu meckern. Die Mannschaft spielte lange oben mit und schloss die Liga mit einem ordentlichen vierten Platz ab. Mit Marcel Hilßner hatte man einen die Liga prägenden Spieler in den Reihen und spielte eine sehr sichere Saison, die allerdings auch vom Fehlen eines echten Topstürmers überschattet wurde, und so am Ende nicht ganz oben stand. Fußballerisch und spielerisch nicht so brillant wie der vorige Jahrgang, kämpfte und ackerte die Mannschaft vorbildlich und diszipliniert. Neun der Spieler schafften zumindest mit Einsätzen den Sprung in die U 19, so dass die Weiterbildung der Spieler und das Mannschaftsergebnis in einem angemessenen Verhältnis standen.

In der Hinrunde dieser Saison zeigte die Mannschaft ein neues Gesicht: Sie ist spielerisch stärker, eher verspielt, und so ist es durchaus spaßig, der Truppe zuzuschauen. Als Trainer dürfte Skripnik allerdings teilweise dem Wahnsinn nahe sein: Schlampige Genies und genialische Torchancenerarbeiter und -vergeber. Alles drin. Mit Ole Käuper einen Mittefeldchef, wie man ihn sich wünscht. Allerdings wirkt das Ganze bisweilen auch sehr naiv. Die nach deutlicher Führung und kompletter Spielbeherrschung nutzlos verschenkten Punkte im Heimspiel gegen Rot-Weiß Erfurt mögen als mahnendes Beispiel herhalten. Die Mischung stimmt zwischen jungem und altem Jahrgang. Der jüngere, in der U 15 gerade zu Beginn sehr schwächelnde 97er bildet ein gutes Korsett, in dem sich mit den offensivstarken Ole Käuper, Leander Wasmus und John Winkler drei Nationalmannschaftskandidaten ihres Jahrgangs tummeln. Der ältere 96er Jahrgang bestimmt besonders die Defensive, wo sich Burak Yigit, Kapitän Timo von Holt oder auch Mittelfeldspieler Christopher Cook tummeln. Letzterer bildete vergangene Saison zusammen mit dem aktuellen Toptorschützen Maximilian Eggestein den jüngeren Jahrgang im U17-Kader.

Die bessere Jahrgangsmischung bringt derzeit auch ein besseres Ergebnis mit sich. Der zweite Platz hinter den bärenstarken Berlinern ist ein schönes Halbzeitergebnis, wenn auch nur knapp vor den üblichen Verdächtigen als Verfolgern, zumal auch hier der zweite Platz für die DM-Endrunde reicht. Wenn sich die Mannschaft stabilisiert und etwas zielstrebiger zu Werke geht, wird sich Skripnik zum Abschied noch einmal ein wenig Titelkampf gönnen dürfen. Die Meisterschaftschancen bleiben trotzdem begrenzt. Es sei denn, die sehr ausgeglichen besetzte Hertha bricht ähnlich monumental ein, wie ihre öde Profitruppe vor einem Jahr. Allerdings sind auch die anderen, folgenden Mannschaften nicht zu unterschätzen, denn die Notwendigkeit der Eigenausbildung hat sich gerade bei den klammen Berlinern und Hamburgern herumgesprochen, ganz zu schweigen von den stets einkaufswilligen Wölfen. Sogar die jedes Jahr mit der gleichen “Wir befinden uns noch im Aufbau”-Ausrede daherkommenden Hannoveraner sind noch gut im Rennen.

U19

Die Rückrunde der vergangenen Spielzeit der Jahrgänge 1993/94 war schlecht. Wer es direkter mag: sie war scheiße. Genau genommen war die ganze Saison schlecht. Und scheiße. Die Mannschaft fand und verstand sich nicht, es gab keine Leader, kein strukturiertes Spiel, keinen Willen, kein Aufbäumen. Am Fließband produzierte man Abwehrpatzer. Punktverluste gegen schwache, sich tapfer wehrende aber doch extrem destruktive und eindimensional agierende Mannschaften wie Oldenburg, Osnabrück, Union, St. Pauli oder Hertha Zehlendorf zeigten die schwächste U 19, die der SV Werder je an den Start der Bundesliga Nord brachte. Die Negativmarke eines fünften Platzes konnte mit Platz acht getoppt werden, einen Platzierung die die Bremer A-Junioren nichtmal über viele Jahre in der Vorgängerliga “erreicht” hatten.

Nach einem zeitweiligen Balanceakt an den Abstiegsplätzen taumelte die Truppe auf besagtem, beinahe glücklichen achten Platz ins Ziel. Eine Rückrunde aus Pleiten, Pech und Pannen, bei denen das Verletzungspech (bspw. Oliver Hüsing, Julian von Haacke, Cimo Röcker) eine Rolle spielte, aber auch die schon vor zwei Jahren erkennbare Schwierigkeit, die Charaktere der Jahrgänge zusammenzubringen. Natürlich fehlten an vielen Ecken und Enden die vorher in den Jahrgängen als Leistungsträger agierenden Özkan Yildirim, Levent Aycicek, Niclas Füllkrug und Alexander Hahn aufgrund von U23-Einsätzen oder langen Verletzungen, gleichwohl gaben die bisweilen arg ideenlosen und irrlichternden Darbietungen Anlass zur Sorge, da ja eigentlich im Fehlen der einen die Chance der anderen steckt.

Verein sowie die dann im Blickpunkt stehenden Spieler sahen sich werder-typisch “gut aufgestellt”. Die Neuen zündeten nicht, die Mischung war falsch, hinter diese Saison kann nur schnell ein Haken gemacht werden. Bezeichnend, dass sich aus dem 93er-Stamm im U19-Jahrgang nur Hüsing und Hahn zu sporadischen Einsätzen in der U 23 hochzukämpfen vermochten. Weiterhin ein Problem ist das große Loch in den Stürmer-Jahrgängen, wo bis auf Niclas Füllkrug Ebbe an Bundesliga-Perspektivtalenten herrscht.

Ein Werderspieler humpelt vom Feld. Kein seltener Anblick in der Hinrunde. Hier mit Eis am Fuß: Marcel Hilßner

Ein Werderspieler humpelt vom Feld. Kein seltener Anblick in der Hinrunde. Hier mit Eis am Fuß: Marcel Hilßner

Dies wusste die neuformierte Mannschaft der 94/95er-Jahrgänge allerdings in der Hinrunde exzellent zu kompensieren. Mittverantwortlich war die neue, während der ersten Pflichtspiele den Profis angepasste, taktische Aufstellung, die der Mannschaft deutlich besser liegt als die im Vorjahr stupide wirkende, aber oft angewandte Zweistürmer-Rautenvariante. Geriet der Saisonstart in Rostock holprig, so war die unnötige Niederlage nach eigener Führung die letzte der Hinrunde. Anlässlich dieser Niederlage zeigten sich die Schwächen der Mannschaft in der kläglichen Besetzung im Sturm (beste Chancen wurden nach der Führung vergeben) und der mangelnden Ruhe gerade des jungen Abwehrverbundes, der nach dem Ausgleich zusammenbrach. Die Wende brachte das Heimspiel gegen Hannover 96. Nach zwanzig Minuten führten die 96er mit einem Treffer, reihten weiter Chance an Chance. Allerorten bestand Einigkeit, dass das wohl in einem Desaster enden würde, als die Mannschaft innerhalb kürzester Zeit ihr taktisches Gesicht mit der Umstellung auf ein 4-1-4-1 System spürbar veränderte und am Ende unerwartet, weil souverän, mit 5:1 gewann.

Fast greifbar ist die Entwicklung der Defensivspieler wie Luca Zander und Leon Lingerski, vor zwei Jahren noch nicht Bestandteil der Vizemeistermannschaft der U17 sondern damals in der “zweiten” B-Jugend, der U16, die zu notwendiger Ruhe gefunden haben, auch wenn die Spiele eng werden. Die Überraschung ist Otis Breustedt, der als Ein-Mann-Sturm alle Erwartungen übertrifft und sich trotz einiger fußballerischer Schwächen vor dem Tor, gerade für einen Werder-Nachwuchsstürmer, eiskalt zeigt. Mittlerweile ist der Verlust von Cimo Röcker und Marnon Busch (beide stehen primär im U23-Kader) hinreichend kompensiert, insbesondere Zander spielt einen sehr auffälligen Rechtsverteidiger, dessen Flanken bereits zu zwei wichtigen Toren führten. Eng dürfte es auf der Außenverteidigerposition auf der anderen Seite werden, da Lingerski zum Rückrundenstart länger ausfällt. Da auch Jacob Zwerschke und Herbert Bockhorn weiterhin ausfallen, dürfte Julian-Kolja Hyde vorerst den Platz sicher haben.

Noch sicherer hat Werder derzeit einen anderen Platz, nämlich einen Spitzenplatz. Mit Rang zwei, punktgleich mit den VW-Wölfen, aber fünf Punkte vor dem Dritten, hat sich die Mannschaft eine blendende Ausgangssituation für eine erfolgreiche Rückrunde erarbeitet, besonders, da auch hier der zweite Platz für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft reicht. Und Werder wie Wolfsburg noch ein Spiel weniger als der Drittplatzierte aus Rostock, gar zwei Spiele weniger als der Viertplatzierte Osnabrück hat. Im DFB-Pokal geht es im Viertelfinale Anfang März nach Kaiserslautern, als haushoher Favorit. Die U19 des 1.FCK spielt nur in der zweithöchsten Liga, stieg letztes Jahr aus der Bundesliga ab. Die hochgerückten Spieler aus der B-Jugend kommen aus einem starken Jahr – allerdings ebenfalls nur aus der Regionalliga.

Zurück zur Liga blickend fällt leider auf, wie schwach diese Liga im Vergleich zu den Vorjahren ist – außer Erfurt enttäuschen gerade die sonst sehr starken Ostteams. Überwiegend unsäglich ist die Schiedsrichterarbeit des DFB. Wird jeder Kommentar oder Ballwurf mit der obligaten Karte bestraft, ist keiner dieser Pfeifenschwinger und ihren Assistenten in der Lage zu erkennen, wenn die Spieler gezielt auf die Knochen gehen. Diese Attacken häufen sich, wobei natürlich die Werderteams (nicht selten zurecht) stets als Mannschaften gelten, denen man mit Härte den Schneid abkaufen kann. Der zum Glück vergebliche Übereinsatz des BVB im DFB-Pokal oder das trotzig-dumme und gezielte Nachgetrete der Kieler mögen hier als Negativbeispiele gelten. Alles nicht mehr unter dem Deckmantel des harten Einsatzes, sondern absichtliche, oft aus dem Frust geborene Tritte. Das ist im Vergleich der letzten Spielzeiten schlimmer geworden, leider, gerade im Jugendbereich bietet sich ein schwaches Bild. Doppelt schmerzhaft wird es, wenn Attacken vom Schiedsrichtergespann nicht geahndet werden. Und es stellt sich auch die Frage, wie teils erfahrene Profis als Trainer am Rand stehen und die Attacken offensichtlich gutheißen können.

U23

Die Bremer U23 ist in der Saison 2011/12 abgestiegen mit einer Bilanz, die Tasmania Berlin stolz gemacht hätte. Aufgegeben hatte man sich schon zur Winterpause. Zur Rückrunde wäre daher jedes Wort verschwendet.

Dann hatte es vielerorts geheißen, dass es ja auch viel besser sei, in der vierten Liga könne man sich angstfrei entfalten und finde leichter zum Spiel und in den Herrenbereich hinein. Außerdem seien die dauernden Misserfolgserlebnisse ja auch ganz frustrierend. Und man muss sagen, es ließ sich gut an. Die Flutlichtspiele im Sommer vor beachtlicher Kulisse, gute Ergebnisse und ansehnlicher, spielerisch starker Fußball, der von der zwanghaften Rennerei der letzten Jahre abwich. Unverkennbar zwar die Schwächen im Abwehrbereich, obgleich Felix Kroos einen mehr als guten Innenverteidiger spielt, und der etwas leichtfertige Umgang mit den Chancen, auch wenn die Wegners, Dennis und insbesondere Max, durchaus trafen. Florian Hartherz, Tom Trybull und Florian Trinks waren anfangs trotz des Frusts, nicht näher an den Profis zu sein, gut und trugen zum Erfolg bei. Die ersten Spiele wurden recht souverän gewonnen und machten Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison. Mit Onel Hernandez und Johannes Wurtz stießen zwei vielversprechende Offensivkräfte hinzu. Was ging denn dann schief?

Das Saisonziel, und wehe, das wagt jemand zu bestreiten, lautete Staffelsieg, nach Möglichkeit Aufstieg. Nach der Hinrunde und einem Rückrundenspiel sind es für den ehemaligen Tabellenführer zwölf (zwölf!!!) Punkte zum Ersten. Das wird schwer werden, berücksichtigt man die Konstanz der führenden Kieler. Ein herber Schlag war mit Sicherheit der Ausfall Trybulls, der den Spielaufbau beruhigte und dazu beitrug, dass die Bälle verteilt und nicht blindwütig nach vorne getrieben wurden. Nach seinem Ausfall mehrten sich die Spiele, in denen der gute alte Bolzerstil aus Drittligazeiten wieder Einzug hielt. Verständlich, die Statthalter auf der Sechs waren nicht mehr vom fußballerischen Format eines Trybull. Trinks fiel schlussendlich doch (wieder) in ein Frustloch und schaffte es nicht, sich zum Dirigenten des Spiels aufzuschwingen. Der Mannschaft fehlt es zudem an einem Spielführer, um den sie sich in Zeiten der Not scharen kann. Sandro Stallbaum ist der Aufgabe weder fußballerisch noch von der Persönlichkeit her gewachsen, zudem war er lange verletzt. Zu guter Letzt holt die Mannschaft der U23-Fluch ein, der dazu führt, dass die Fortentwicklung der Spieler nur schleichend und unmerklich erfolgt, wobei Fehler nicht abgestellt und Schwächen nicht abgearbeitet werden.

Der flinke Hernandez ist wahrlich ein beachtlicher Dribbler, aber weder in Vorbereitung noch im Abschluss vorangekommen. Wurtz zeigt für sein enormes Talent viel zu wenig Engagement, vielleicht spart er sich das für das Profitraining auf, er wurde ja schon mit Kaderplätzen und nun mit der Teilnahme am Wintertrainingslager belohnt, an seinem vorbildlichen Einsatz in der U23 kann es jedenfalls nicht liegen. Zu viele Spiele mit zu wenig Ertrag, es bleibt nach gutem Start bei ihm zu oft bei Ansätzen und einigen Szenen, viel zu selten kommen durchgehend starke Auftritte.

Hinzu kommen diverse Stoffeligkeiten in der Abwehr, die zu vielen peinlichen Gegentoren führten. Vermutlich ist das auch ein psychologisches Problem. Normalerweise muss der Anspruch von Spielern wie Röcker, Trinks, Hartherz, Wurtz, die sich ja eher dem Profikader zugehörig fühlen, sein, in jedem Spiel zu dokumentieren, warum man sich denn eigentlich diese drei Ligen höher einstuft. Ein wenig kann man da ins Grübeln kommen, ob diese Jungprofis wirklich alles dafür tun, dorthin zu gelangen, wo sie hin möchten.

Leider präsentierte sich die Mannschaft so zum Ende der Hinrunde spielerisch wie mental als Talentfalle. Die Frage, ob es an der Ausbildung oder an den Auszubildenden liegt, bleibt dahingestellt. In Anbetracht der eigenen, zu Recht hohen Ansprüche hoffen wir auf eine erfolgreiche Rückrunde, die auch bei einzelnen Spielern signifikante Lernschritte erkennen lässt. Vornehmlich steht jedoch zu hoffen, dass endlich eine vernünftige Balance zwischen körperlichem Engagement und einem den Profis entsprechenden, technisch anspruchsvollem Spiel gefunden wird. Denn, und damit sind wir wieder bei den selbstgesteckten Zielen, mit reinem Powerfußball wirst du oben niemandem helfen, die richtig Guten sind auch und vor allem schnell im Kopf.

Die restlichen U-Teams

Wie in jedem Jahr hat die U15 damit zu kämpfen, eine reine Jahrgangsmannschaft zu sein. Neun externe Zugänge, der Rest des Kaders kam aus der eigenen U14. Zu Saisonbeginn gab es eine 1-3 Heimniederlage gegen Holstein Kiel, einige Spieltage später gelang nur ein Unentschieden gegen Wolfsburg, gefolgt von einem 0-3 gegen den Hamburger SV. Die Hinrunde wurde mit dem gleichen Ergebnis gegen Hannover 96 abgeschlossen. Keine gute Bilanz gegen die vier Topteams der Liga – neben dem SVW. Zudem zieht der Hamburger SV ungeschlagen mit 61:5 Toren und neun Punkten Vorsprung auf Werder einsam an der Spitze seine Runden. Es wird schwer, den achten Titel in neun Jahren zu holen. Optimistisch stimmt, dass es gegen alle anderen Teams Siege gab, beim Heimspiel im November gegen den Tabellenletzten TSV Hattstedt mit einem geschmeidigen 21-0 ein neuer Ligarekord aufgestellt wurde und das erste Spiel der Rückrunde, noch im Dezember, beim Tabellenzweiten aus Kiel mit 2-1 gewonnen werden konnte. Gelingt es dem 98er Jahrgang um Kapitän Luca Horn noch, den HSV abzufangen? Die Mannschaft des Vorjahres blieb in der Rückrunde ungeschlagen – es wäre schön, wenn die aktuelle Truppe dies nachmachen könnte.

Aus einer deutlich besseren Ausgangsposition geht die U16, die “zweite” B-Jugend, in die Rückrunde der höchstmöglichen Spielklasse, der Regionalliga Nord. Überwintert wurde an der Tabellenspitze, allerdings mit der nicht geringen Einschränkung, dass man ein Spiel weniger als Wolfsburgs Zweite, Concordia Hamburg und Eintracht Braunschweig absolviert hat. All diese Teams könnten noch an Werder vorbeiziehen. Auffallend ist im bisherigen Saisonverlauf, dass sich die Mannschaft als Minimalisten präsentiert: nur beim FC St. Pauli fallen in den Spielen noch weniger Tore.

Ende Februar startet die Mannschaft ins neue Pflichtspieljahr, dabei mit dreifacher Motivation: ein erster Platz am Saisonende wäre der dritte Titel für eine Werder U16 in Folge. Ihr aktueller Trainer, Marco Grote, wird ab der kommenden Saison Viktor Skripnik als U17-Coach ablösen. Und die Spieler der aktuellen Mannschaft, die bis auf Nick Gutmann aus dem jüngeren B-Jugend-Jahrgang besteht, arbeiten allesamt auf einen Platz in der U17 im Folgejahr hin. Bestes Beispiel ist Burak Yigit, der den Zwischenschritt der U16 nahm, nun Stammspieler bei der ersten B-Jugend ist und den Sprung in den Kader der U17-Nationalmannschaft schaffte.

Den Blick aufs Folgejahr haben auch in der U18 so viele Spieler wie nie zuvor. Die zweite A-Jugend hat in dieser Spielzeit die höchste Anzahl an Spielern aus dem jüngeren Jahrgang und auch die meisten externen Zugänge der Geschichte der Mannschaft. So richtig angekommen scheint die Truppe von Coach Sasa Pinter aber noch nicht, gute Phasen wechseln sich mit schlechteren ab, in der Tabelle befindet man sich im gesicherten Mittelfeld, ein Upgrade zum letztjährigen Abstiegskampf. Positiv stimmt vor dem späten Start ins Jahr (erst Anfang März) auch, dass das erste Rückrundenspiel im Dezember gegen den VfL Oldenburg mit 3-1 an Werder ging. Dort spielte die Mannschaft, geschwächt von Verletzungen und U19-Abstellungen, so, wie sie es nach der Saisonauftaktniederlage gegen die gleichen Oldenburger tat: konzentriert und konsequent.

Konsequent ist auch die Bremer U21. Tabellenführer, viele Tore, wenig Gegentore. Dafür sind zwei Gründe zu nennen: mit dem letztjährigen Meister und Aufsteiger FC Oberneuland setzt sich nun die U23 auseinander, einzig verbliebene echte Konkurrenz in dieser Spielzeit bietet der Bremer SV, aktuell auf Platz zwei angesiedelt. Der zweite Grund für Platz eins der U21 mag kurios klingen, lautet er doch Verletzungsglück. Denn anders als in den Vorjahren hat die U23 wenig Verletzungssorgen, der Kader allerdings ist für eine weitere Saison mit vielen Verletzungen ausgelegt gewesen. So kamen viele Spieler zu wenig oder gar keinen Einsätzen, lange U23-Aufenthalte von Hartherz und Trinks machten das Gedränge noch größer.

Das hatte den Effekt, dass so viele U23-Kaderspieler wie nie zuvor in der U21 eingesetzt wurden. Und das regelmäßig, die letztjährigen Drittligastammspieler Malte Grashoff und Leon Henze bspw. bestritten über die Hälfte der Ligapartien. Die Verletzungssituation bei der U23 hat sich über den Winter nicht verschlechtert, so dass die U21 so sehr wie nie zuvor eine zweite U23 bleibt und gute Aussichten hat, den Ligatitel zu holen. Die einzigen beiden Saisonniederlagen gegen Sparta Bremerhaven und Vatan Sport gehörten sowieso in die Kategorie Ausrutscher.

Perspektivtraining

Die Trainer Kraft und Schaaf mit den Talenten beim Perspektivtraining.

Die Trainer Kraft und Schaaf mit den Talenten beim Perspektivtraining.

Nachdem in der vergangenen Spielzeit im Perspektivtraining ausgewählte Talente mit Profispielern gemischt trainierten, gab es Mitte September erstmals ein Training des Profitrainerteams mit ausgewählten Spielern aus diversen Nachwuchsteams, Profis waren nicht mit dabei. Thomas Schaaf & Co verschafften sich dieses Mal einen präziseren Eindruck der einzelnen Talente, nachdem sie vorher den Vergleich Talent-Profispieler hatten. Die Profis trainierten derweil unter Regie von Co-Trainer Rolff auf der anderen Seite des Trainingsplatzes.

Die teilnehmenden Talente waren:

U23: Marnon Busch, Onel Hernandez

U19: Kevin Otremba, Eric Oelschlägel, Lukas Fröde, Marcel Hilßner, Julian von Haacke, Tobias Schwede, Christos Almpanis

U17: Jesper Verlaat, Burak Yigit, Maximilian Eggestein, Michael Lercher, Christopher Cook

Nachwuchsnationalmannschaft

Diverse feste Größen ihrer Jahrgangsmannschaften in den vorhergegangen Spielzeiten kamen in dieser Saison noch gar nicht zum Einsatz, darunter u. a. Florian Trinks und Cimo Röcker. Sie fehlten im Gegensatz zu Levent Aycicek oder Özkan Yildirim nicht aus Verletzungsgründen in den DFB-Aufgeboten. Bis auf Ole Käuper zählte kein Werderaner zum festen Bestandteil eines U-Teams des DFB, der Mittelfeldspieler jedoch kam erfreulicherweise bei seinen Einsätzen gegen Österreich sogar als Kapitän aufs Feld.

Aufgeführt sind hier nur die Spieleinsätze, nicht jedoch reine Nominierungen bzw. Lehrgangsteilnahmen.

U20: Florian Hartherz 2 Spiele, Tom Trybull 1 Spiel, Niclas Füllkrug 2 Spiele, Johannes Wurtz 2 Spiele

U18: Lukas Fröde 2 Spiele, Marcel Hilßner 1 Spiel

U17: Burak Yigit 2 Spiele, Christopher Cook 3 Spiele

U16: Ole Käuper 3 Spiele (1 Tor)

Österreich U21: Richard Strebinger 2 Spiele

Österreich U17: Michael Lercher 7 Spiele

Polen U19: Martin Kobylanski 5 Spiele (4 Tore)

Hinrundenbilanz

U23: Platz 5, 9 Siege, 2 Unentschieden, 6 Niederlagen, 41:26 Tore, 29 Punkte. Bester Torschütze: Johannes Wurtz (9 Tore)

U21: Platz 1, 11 Siege, 2 Niederlagen, 50:14 Tore, 33 Punkte. Beste Torschützen: Yannik Jaeschke & Christoph Pospich (je 8 Tore)

U19: Platz 2, 9 Siege, 3 Unentschieden, 1 Niederlage, 38:14 Tore, 30 Punkte. Bester Torschütze: Otis Breustedt (8 Tore)

U18: Platz 7, 7 Siege, 2 Unentschieden, 5 Niederlagen, 22:20 Tore, 23 Punkte. Beste Torschützen: Max. Schulwitz & Rafael Brand (je 6 Tore)

U17: Platz 2, 9 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen, 28:15 Tore, 29 Punkte. Bester Torschütze: Maximilian Eggestein (10 Tore)

U16: Platz 1, 9 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen, 25:14 Tore, 30 Punkte. Bester Torschütze: Deniz Kolodziey (7 Tore)

U15: Platz 3, 8 Siege, 1 Unentschieden, 3 Niederlagen, 44:17 Tore, 25 Punkte. Bester Torschütze: Toni Fahrner (10 Tore)

Rückrundenstart

U23: Sonntag, 3. Februar, 15.00 Uhr, bei BSV Schwarz-Weiß Rehden

U21: Samstag, 9. Februar, 14.00 Uhr, gegen den Blumenthaler SV

U19: Samstag, 9. Februar, 13.00 Uhr, gegen den FC St. Pauli

U18: Samstag, 2. März, 11.00 Uhr, bei Eintracht Norderstedt

U17: Samstag, 16. Februar, 12.00 Uhr, bei Hannover 96

U16: Sonntag, 24. Februar, 11.00 Uhr, beim VfB Lübeck

U15: Samstag, 9. März, 14.00 Uhr, gegen JFV Bremerhaven

Szene aus den Übungen beim Perspektivtraining: Christopher Cook vs Thomas Schaaf

Szene aus den Übungen beim Perspektivtraining: Christopher Cook vs Thomas Schaaf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es folgt in unserer Nachwuchs/Talentreihe in den nächsten Tagen ein Blick auf die einzelnen Spieler.

 

Die Fotos wurden von Worum-User “kiki” zur Verfügung gestellt.