Iggy: “Ich hätte auch bis zur letzten Woche gewartet”

08.08.12 | von | Kategorie: Interviews | 20 Kommentare

Der Serbe Aleksandar Ignjovski (21) gehört zu den bei den Fans beliebtesten Spielern, seine Fannähe und sympathische Art kommen an. Werders Twitterkönig, der von Fan- und Trainerseite bei seinem Wechsel “Iggy” getauft wurde, schaut hin und wieder persönlich im Worum vorbei, hat den Umzug des Forums erfolgreich mitgemacht.

Seit dem Wechsel nach Bremen hat der Defensivspieler bei den Werderfans und insbesondere den Worum-Usern einen Stein im Brett, umso erfreulicher war es daher, was Werder Bremen am vergangenen Freitag möglich machte: das worum’sche Interview-Team im Gespräch mit Iggy.

Worum.org: Moin Iggy, erstmal danke, dass Du Dir die Zeit für uns genommen hast. Zuletzt gab es eine Niederlage im Testspiel gegen Paderborn, wie zufrieden seid ihr mit der Vorbereitung?
Aleksandar Ignjovski: Wir hatten ja schon viele Spiele jetzt, und in der Vorbereitung geht die Form mal rauf und mal runter, wegen des harten Trainings. Teilweise trainieren wir ja dreimal am Tag. Bis zum DFB Pokal und dem ersten Spieltag haben wir noch genug Zeit und werden dann topfit sein.

Thomas Schaaf sagte, du seist noch nicht soweit, als du gegen Aberdeen nicht im Kader standest. Was meinte er damit?
Das musst du ihn fragen. (lacht)

Also er hat darüber mit Dir auch gar nicht gesprochen?
Doch, aber so etwas bleibt unter uns. Ich gebe immer mein Maximum im Training, aber ich weiß auch, dass ich immer noch mehr geben und mich verbessern kann. Und daran werde ich arbeiten.

Iggy während seines ersten Trainingstages bei Werder

Iggy während seines ersten Trainingstages bei Werder

Wie empfindest Du persönlich die taktische Umstellung auf ein 4-3-3?
Die Taktik entscheidet ja der Trainer und ich akzeptiere jede taktische Entscheidung, die getroffen wird. Jeder Spieler muss in jedem System seine Leistung abrufen können.

Kommt Dir die neue Taktik entgegen?
Mir ist das System egal, in dem ich spiele. Hauptsache ist, dass ich spiele. (lacht)

Thomas Wolter nannte die Raute das anspruchsvollste System. War sie zu anspruchsvoll für euch?
Ich weiß nicht, wie es für die anderen Spieler war. Ich habe, bevor ich hierher kam, nie in der Raute gespielt und wurde dann auch als linker und rechter Verteidiger eingesetzt. Da ist es in der Viererkette ja immer gleich. Ich finde das System, das wir jetzt spielen, etwas einfacher.

Wo spielst Du persönlich lieber? Abwehr oder im defensiven Mittelfeld?
Am liebsten spiele ich auf der 6er Position. Dort spiele ich ja auch in der Nationalmannschaft. Ich glaube, dort kann ich am besten meine Stärken ausspielen.

Siehst Du Dich selbst in der ersten Elf?
(überlegt lange) Ich will immer spielen. Und wenn der Trainer mich aufstellt, gebe ich auch immer das Beste.

Werden wir diese Saison Dein erstes Pflichtspieltor in Deutschland sehen?
Ich hoffe es doch sehr. (lacht) Die Hauptsache ist aber, dass die Mannschaft gut spielt, und da ist es egal, wer die Tore schießt.

Werder spielte im letzten Jahr die schlechteste Rückrunde aller Zeiten. Was ist im Nachhinein betrachtet falsch gelaufen?
Da gab es einiges. Wir hatten immer so viele Verletzte und außerdem viele, bei denen der Vertrag auslief. Für die war das auch nicht leicht. Wir sind aber letztendlich alle selber schuld, und manchmal fehlte uns wohl auch die nötige Konzentration. Nachdem das alles zusammen kam, lief es dann nicht mehr so bei uns, aber das werden wir diese Saison besser machen.

Was macht Dich da sicher, dass es diese Saison besser laufen wird?
Wir trainieren sehr hart, und die Trainer tun alles dafür, dass wir die neue Taktik verinnerlichen. Ich glaube, wir haben eine sehr gute Mannschaft und werden zusammen auch besseren Fußball spielen.

Was hat sich seit der letzten Saison verändert im Team?
Wir haben neue Spieler und eine neue Taktik. Die Stadt und das Stadion sind immer noch da. (lacht)

Auch euer Fitnesscoach ist ein anderer. Macht er vieles anders als Benjamin Kugel?
Er arbeitet etwas anders als Benjamin Kugel, es läuft sehr gut mit ihm.

Müsst ihr mehr laufen?
Ich war im letzten Sommer ja erst später hier, deswegen kann ich das nicht vergleichen. Aber er lässt uns schon viel laufen. (lacht)

Viele Leistungsträger sind gegangen. Wie schätzt Du die mannschaftliche Stärke ein?
Wir haben uns nicht verschlechtert, würde ich sagen. Wir haben sehr gute neue Spieler bekommen und einen sehr starken Konkurrenzkampf, was uns alle voranbringt. Ich glaube, wir können als Mannschaft sehr viel erreichen.

Mit Clemens Fritz und Christian Vander sind nur noch zwei Spieler im Kader, die über 26 Jahre alt sind. Fehlt es nicht an Erfahrung?
Ich finde das okay, so wie es ist. Wir haben auch viele Spieler zwischen 20 und 25, die schon einiges an Erfahrung haben und sehr viele Spiele in der Bundesliga gemacht haben. Ich denke nicht, dass das ein Problem wird.

Mit Naldo und Claudio Pizarro ging auch die gute Stimmung im Team. Wer sorgt jetzt dafür?
Das sind immer mal wieder andere, aber Eljero Elia macht schon sehr viel gute Stimmung. (lacht)

Du selbst auch?
Ich glaube ja. (lacht)

Du bist sehr jung ins Ausland gegangen, zu 1860 München. Warum nach Deutschland und nicht nach Italien?
Ich mochte schon immer die deutsche Mentalität. Disziplin, Ordnung. Das gefiel mir schon immer hier. Als ich noch ein kleiner Junge war, sagte mein Vater immer zu mir: Du wirst mal in der Bundesliga spielen. (lacht) Das war ein großer Traum.

Auch im Training hängt er sich in Zweikämpfen voll rein.

Auch im Training hängt er sich in Zweikämpfen voll rein.

Hast Du früher schon die Bundesliga verfolgt?
Ehrlich gesagt: Meistens die Bayern. (lacht)

Deswegen bist Du dann zu 1860 gegangen.
Genau. (lacht) In Serbien kam nicht so viel im Fernsehen aus der Bundesliga. Meistens nur die Champions League oder die Europa League. Heutzutage hat sich das aber zum Glück geändert, und auch die Bundesliga wird dort übertragen.

Werder hatte 2009 schon Interesse an Dir. Wieso ging es damals nicht schon nach Bremen?
Weil es nur ein Interesse war. (lacht) Herr Allofs war damals bei einem U19-Spiel der Nationalmannschaft und hatte kurz mit meinem Berater gesprochen. Da wurde dann aber nichts konkret, weder mein Berater noch der Verein hatten nochmal etwas gehört, weswegen ich dann zu 1860 ging.

Hat Werder die zwei Jahre lang den Kontakt zu Dir gehalten?
Zu mir persönlich nicht, aber zu meinem Berater.

Wie war es denn, mit 18 in ein fremdes Land zu gehen und ganz auf sich allein gestellt zu sein?
Sehr schwierig. Gerade die ersten paar Monate. Vor allem, weil es da auch noch Probleme mit meinem Pass gab, da Serbien ja nicht in der EU ist. Ich musste immer mal wieder zum Konsulat, damit mein Visum verlängert wird, und es war auch nicht so einfach, dass mich meine Eltern oder Freunde besuchen. Da wurde mir aber viel geholfen, unter anderem von Antonio Rukavina, der damals ja auch bei 1860 spielte.

Hattest Du Heimweh? Was hast Du vermisst in der Anfangszeit?
Meine Eltern natürlich. Und auch meine Freunde. Die erste Zeit war schon hart.

Nach 1860 ging es erstmal zurück nach Serbien, und es folgte eine lange Hängepartie zwischen Dir und Werder. Über Twitter gab es einige Tweets von Worum-Usern. Hat Dich das ermutigt, die Zeit zu überstehen?
Es war schwierig. Ich hatte zwei sehr gute Jahre in der zweiten Liga und dann wusste ich nicht, was wird und dachte, ich müsste wieder in Belgrad spielen. Das wäre ja schon ein Abstieg gewesen. Ich hatte keine Ahnung, ob das nun mit Werder klappt, da war es für mich sehr hilfreich, dass auch die Fans mich aufgebaut haben.

Weißt Du, wieso es solange dauerte mit Dir und Werder?
Ich habe vom Berater nur gehört, dass von Werders Seite irgendetwas nicht geklappt hat. Ich weiß aber nicht, was genau das war.

Warum hast Du solange gewartet, viele hätten in solch einer Situation sicher die Nerven verloren?
Habe ich auch! (lacht)

Wolltest Du so unbedingt zu Werder?
Ja, natürlich. Das war die ganze Zeit meine erste Option, ich wollte nur hierher kommen. Es ist ein sehr guter Verein, mit großer Tradition. Als ich warten musste, habe ich auch viel mit Marko Marin gesprochen, der mir nur Gutes erzählte. Ich hätte auch bis zur letzten Woche der Transferperiode gewartet und mir dann erst etwas anderes gesucht.

Du hast Dich daraufhin sogar selbst im Worum angemeldet und bist dadurch schon vor der Verpflichtung „Kult“ geworden. War Dir das so überhaupt bewusst?
Mich interessiert das sehr, was die anderen Leute sagen. Ich gucke auch in die Zeitung, aber noch mehr interessiert es mich, was die Fans über mich denken. So hab ich dann das Worum gefunden.

Du hast dann ja auch extra ein Foto geschickt…
Ja, ich wusste nicht, wie ich es beweisen soll, dass ich das wirklich bin, weil mir ja keiner glaubte. (lacht)

Liest Du auch nach den Spielen, was die Fans über Dich schreiben?
Nicht immer. Direkt nach den Spielen bin ich sowieso immer sehr kaputt, gehe dann noch etwas essen und dann direkt schlafen. Ich gucke aber immer zwischendurch mal rein, wenn ich es zeitlich schaffe.

Ist das nicht schwierig, wenn man die Kritik liest?
Das ist doch normal, und der Kritik muss man sich stellen und sich verbessern. Ich komme damit klar. Ich muss aber sagen, dass ich manchmal Schwierigkeiten habe, im Worum alles zu finden, da gibt es ja so viele Themen… (lacht)

Es gibt Spieler, die hatten schon Probleme aufgrund ihrer Tweets. Überlegst Du zweimal, bevor Du etwas rausschickst?
Ja, da denkt man schon nach. Es kommt ja auch immer darauf an, was man schreibt, ist es über das Privatleben oder Fußball. Ich weiß, was ich schreiben kann und was man lieber lassen sollte. Da muss man schon aufpassen. (lacht)

Gibt es da Vorgaben vom Verein?
Hinweise gibt es schon, aber man sollte ja schon von alleine wissen, dass man dort nichts Dummes schreiben sollte.

Wurdest Du von der Mannschaft oder von Werder angesprochen, weil Du im Worum angemeldet bist?
Es gibt einige, die es wissen, aber längst nicht jeder hier. Angesprochen hat mich darauf so direkt keiner aus der Mannschaft.

Welche Mannschaftskollegen von Dir sind auch angemeldet oder lesen mit?
Ich weiß auf jeden Fall von einem Ex-Spieler, Marko Marin. (lacht)

Du hast selbst ja schon entdeckt, dass es auch Iggy-Shirts gibt…
Ich habe gestern sogar jemanden damit gesehen!

Wie findest Du, dass es die gibt?
Ich finde das einfach nur geil! (lacht) Das war eine Überraschung für mich, weil ich ja kein Starspieler bin oder so, deswegen war das ganz toll für mich, das zu sehen.

Hast Du Dir selbst auch schon eins bestellt?
Nee. (lacht)

Kommt aber noch?
Nein, ehrlich gesagt nicht. Ich mag das nicht, damit dann anzugeben.

Hat Marko Marin sich schon eins bestellt?
Ich muss ihm das mal sagen, der weiß das bestimmt noch gar nicht. (lacht)

Die Kämpfer verstehen sich: Iggy und Sokratis

Die Kämpfer verstehen sich: Iggy und Sokratis

Habt ihr noch viel Kontakt?
Ja, wir sprechen fast jeden Tag. Er ist ja gerade wieder nach London zurück und ist dort auch sehr glücklich bisher.

Mit wem hast Du innerhalb der Mannschaft am meisten Kontakt, jetzt, wo Marko Marin weg ist?
Mit den beiden Stevanovic-Brüdern habe ich sehr viel zu tun. Auch mit Marko Arnautovic. Aber am meisten mit Sokratis.

Du hast auch schon oft bei der U23 zugeguckt. Was interessiert Dich da, dass Du dorthin gehst?
Zum einen natürlich wegen der Brüder Stevanovic, die dort ja auch oft spielen. Ansonsten mache ich das aber gern in meiner Freizeit, wenn ich nicht weiß, was ich machen soll, und sehe, die U23 spielt, dann gehe ich da natürlich hin.

Fühlst Du Dich wohl in Bremen?
Ja. Es gibt nichts, worüber ich hier meckern kann, das ist alles perfekt.

Du bist auch sehr kunstinteressiert. Was sind dabei so deine Lieblingsorte in Bremen?
Ich war früher mehr kunstinteressiert. Jetzt, gerade in der Vorbereitung, habe ich für so etwas keine Zeit. Natürlich mag ich Kunst und alles, was damit zu tun hat, aber das bleibt im Moment auf der Strecke, weil ich mich ganz aufs Fußballspielen konzentriere.

Du hast auch eine Lehre zum Goldschmied…
Meine Tante ist Professorin an der Kunstakademie in Belgrad. Sie restauriert dort auch die Kirche mit Mosaiksteinchen, was wirklich sehr viel Arbeit ist. Und sie hat mich darauf gebracht, dass ich die Lehre machen sollte, weil ich früher selbst auch viel gemalt habe. Und das habe ich auch durchgezogen.

Wenn Du in der Stadt unterwegs bist, wirst Du da oft von den Fans angesprochen?
Ja, das passiert. Die wünschen mir aber meistens nur viel Glück, und das war es dann auch schon.

Stört Dich das?
Nein, überhaupt nicht, ich spreche gerne mit den Fans.

Wenn man das alles so hört, dann scheinst Du ja sehr gerne hier zu spielen. Willst Du hier überhaupt noch einmal weg?
Mein Wunsch ist, dass ich noch sehr lange hier spielen kann. Hier habe ich alles, was ich brauche, und es geht mir sehr gut. Im Fußball weiß man ja aber nie, auch Werder muss mich ja weiterhin haben wollen.

Bei welchem Verein würdest Du schwach werden, wenn ein Angebot kommt?
Ich weiß nicht. Wenn Real Madrid mal anfragt, sollte man sich dann aber schon mal zusammensetzen. (lacht)

Was ist diese Saison drin mit der Mannschaft, was ist vielleicht auch Dein persönliches Saisonziel?
Ich sage immer, dass Werder in Europa spielen muss. Da gehört der Verein einfach hin. Am besten wäre natürlich die Champions League. Aber wir müssen erst mal sehen, dass wir wieder an die Europa League Plätze heran kommen.

Und Deine zukünftigen Ziele mit der Nationalmannschaft?
Mein Ziel ist es, so schnell wie möglich Stammspieler zu werden. In den letzten 3 Spielen hatte ich ja schon 2 Einsätze. Das war ganz gut, ich habe auch sehr guten Kontakt zum Trainer, der sich immer bei mir meldet. Unser Ziel ist dort auf jeden Fall, dass wir uns für die WM qualifizieren.

Wir hoffen, dass die Ziele erreicht werden und danken Dir für das Interview!

Daumen hoch für den Fotobeweis! Iggy grüßt.

Daumen hoch für den Fotobeweis! Iggy grüßt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Interview führten kalli, kiki und maZe.

Die Fotos wurden von den Worum-Usern br und Werdermulle71 zur Verfügung gestellt, das letzte Foto von Aleksandar Ignjovski.