Wird Huawei Werders neuer Trikotsponsor?

18.04.12 | von | Kategorie: Fans | 3 Kommentare

Seit Anfang März geht das Gerücht um, dass der chinesische Telekommunikationsriese Huawei ab der kommenden Saison den scheidenden Haupt- und Trikotsponsor Targobank bei Werder ablösen könnte. Laufende und sehr aussichtsreiche Gespräche zwischen Werder Bremen, dem Sportmarketing-Unternehmen Infront sowie Huawei-Vertretern wurden Worum.org nun bestätigt.

Die Gespräche, die seit Ende des vergangenen Jahres laufen, sind weit fortgeschritten. Der Festbetrag pro Spielzeit soll dabei bei knapp zehn Millionen Euro liegen und wäre damit erstmals in der Geschichte von Werder Bremen im zweistelligen Millionenbereich. Targobank zahlt Berichten zufolge in dieser Saison einen Festbetrag zwischen 6,4 und acht Millionen Euro, der durch diverse Boni auf zehn Millionen steigen kann.

Die Privatkundenbank wird ab der kommenden Saison von der ersten auf die zweithöchste Stufe der Sponsoren, bei den sogenannten Topsponsoren (mit VW, InBev und EWE), wandern. Eine Stufe darunter, bei den Co-Sponsoren, befindet sich seit Sommer 2011 mit Sun Earth Solar Power bereits ein chinesische Firma, die im Januar dieses Jahres als möglicher Kandidat für das Trikotsponsoring genannt wurde. Handelt es sich bei der Co-Sponsor-Partnerschaft noch um eine Zusammenarbeit des Photovoltaik-Herstellers Sun Earth Solar Power mit dem in Brinkum/Stuhr ansässigen Vertreiber SiG Solar, so wäre der der Platz auf der Brust von Werders Spielern nicht nur hauptsächlich in der finanziellen Verantwortung von Sun Earth Solar Power, sondern auch mit einem vielfach größeren finanziellen Aufwand verbunden.

Targobank

Noch ziert Targobank Werders Brust, ab Sommer 2012 Huawei?

Hinzu kommt, dass ein Großteil der Unternehmen durch einen Einstieg ins Trikotsponsoring einen gewissen Effekt erzeugen will, der über das ‘normale Bekanntbleiben’ hinausgeht. So verlängerte im Winter 2009/2010 die Targobank um zwei weitere Spielzeiten mit Werder Bremen, da sie nach Abkehr vom Citibank-Namen den neuen Firmennamen bekannt machen wollte.

Ein ähnlicher Fall wäre dies bei Huawei, die über eine Tochterfirma mittlerweile mehrere Büros in Deutschland betreiben und die Europazentrale im Jahre 2008 von London nach Düsseldorf verlegten. Seit einigen Monaten drängt der Telekommunikationskonzern mit aller Macht nach oben, bot u.a. über der Supermarktkette Lidl ein Smartphone an, will sich mit großem Aufwand einen Namen auf dem deutschen sowie europäischen Markt machen.

Ein Sportsponsoring bietet sich dabei nicht nur an, sondern wurde bereits umgesetzt. Am 11. April lief beim Stadtderby in der Primera Division Atletico Madrid mit Huawei-Logo auf der Brust gegen Real Madrid auf. Es war das erste Sportsponsoring in Europa in der Huawei-Geschichte. Und auch wenn dies laut Pressemitteilung vor allem den Grund des zehnjährigen Jubiläums der Firmengeschäfte in Spanien hatte so ist vor allem der zweite Teil der Begründung interessant, will man doch global auf sich aufmerksam machen.

Der Weg ins Sport-Sponsoring ist durch das vorerst einmalige Engagement beim Derby nicht nur geebnet, sondern geht auch noch in die passende Sportart gegangen: Fußball. Einen glatten Übergang bietet Atleticos Nummer 22, der mit dem rot-weißen Huawei-Logo auf der Brust vor  einer Woche auflief, der Brasilianer Diego. Sein Ex-Klub könnte der nächste Klub sein, der das Logo auf dem Trikot spazieren trägt. Die Vorzeichen verdichteten sich durch das Derby-Engagement.

Anfang Januar äußerte sich Werders Geschäftsführer Marketing und Management, Klaus Filbry, bereits mit Blick auf China: “Wir wären nicht abgeneigt, ein Unternehmen aus China zu bekommen. Es sind schon Gespräche geführt worden.” Dabei galt schon damals Huawei als aussichtsreichster Kandidat und auch aus finanzieller Sicht als beste Lösung. Mit 19,2 Milliarden Euro Umsatz im Jahre 2010 und stark ansteigender Tendenz setzt Huawei damit fast das Zehnfache von dem um, was die letzten vier Trikotsponsoren des SV Werder zusammen an Umsatz im selben Jahr aufzubieten hatten.

Werder, das zudem in dem kommenden Jahren den asiatischen Markt mehr erschließen will, könnte genauso wie Huawei einen guten Fang machen. Fraglich, weil fragwürdig, bliebe lediglich, dass der neue Sponsor schon öfter in der Kritik stand. Vor allem aufgrund von schlechten Arbeitsbedingungen in China sowie dem Vorwurf von Kontakten zum chinesischen Geheimdienst und möglichen Abhörungen bei internationalem Handel.

Allerdings muss man hier einschränkend darauf hinweisen, dass auch Konzerne mit sehr positivem Image wie bspw. der hippe iPhone-Riese Apple, eine ganze Reihe an solchen Kritikpunkten aufweisen, ebenso ehemalige Trikotbefüller von Werder wie KiK schon mehrfach starke Kritik aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen abbekamen. Zu bwin-Zeiten war der Name auf der Brust teils überklebt, teils in we.win umgeändert, mehr aus gerichtlichen als sportlichen Gründen in der Zeitung. Targobank hat nicht nur das ‘Glück’, in der heutigen Zeit eine Bank zu sein, womit automatisch kein allzustarker Ruf verbunden ist, sondern stand ebenfalls mehrfach in der Kritik, u.a. zog im letzten Jahr die Verbraucherzentrale NRW gegen die Targobank vor Gericht, bei der Lehman-Bankenpleite war die damals noch als Citibank aktive Targobank der in Deutschland primär aktive Zertifikatverkäufer.

Damit über die Kritikpunkte weniger zu lesen ist hat Huawei im Sommer letzten Jahres die Werbeagentur Ogilvy & Mather mit ins Boot geholt, die ebenfalls in Deutschland Firmensitze (Berlin, Düsseldorf und Frankfurt) unterhält. Ob von dort aus zu Werder Bremen als Einstieg ins Sportsponsoring genannt wurde ist nicht bekannt, jedoch ist eine Partnerschaft mit Werder Bremen trotz sportlicher Problematik sicherlich nicht schlecht für das eigene Image. Allerdings könnte die sportliche Seite, insbesondere eine Nicht-Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb, finanziell oder vielleicht auch generell noch bei den Gesprächen telekommunikations-passend dazwischenfunken. Wird Huawei Werders neuer Trikotsponsor?

 

Das Foto wurde von Worum-User “Werdermulle71″ zur Verfügung gestellt, ist in der Galerie zu finden.