Vom Hamburger Jung zur Bremer Legende: Mr. Europacup im Interview

03.04.12 | von | Kategorie: Worum | 7 Kommentare
Frank Neubarth im August 2010 bei einem Spiel von Werders U15.

Frank Neubarth im August 2010 bei einem Spiel von Werders U15

Die Bezeichnung “Mister Europacup” ist wohl jedem Werder-Fan, dessen Alter bereits zweistellig ist, ein Begriff. Viele werden ihn auch noch spielen sehen haben, den mittlerweile 49-jährigen Frank Neubarth, der bis zum Sommer 1996 seine Schuhe für die Profis des SV Werder schnürte. Und auch da wird der Großteil die Europacupspiele eher in Erinnerung haben, obwohl für Neubarth eigentlich der Name “Mister DFB-Pokal” besser passen würde, hat er doch mit 25 Treffern aus 39 Spielen die mit Abstand meisten Tore für Werder in diesem Wettbewerb erzielt. Bei zwei Finalsiegen in diesem Wettbewerb war Neubarth mittendrin statt nur dabei.

14 Jahre spielte der gebürtige Hamburger bei Werder, hatte damit nur einen Profiverein während seiner gesamten Karriere. Es wäre wohl tiefer in den Köpfen der Werderfans verankert, wenn Neubarth nicht in einer Zeit bei Werder gespielt hätte, in der es beinahe als chic galt, lange und nur für Werder zu kicken, so wie bspw. auch Dieter Eilts oder Marco Bode. Hinter Letzterem ist er auch in der Tabelle der Rekordtorjäger bei Werder zu finden. Mit 97 Treffern für grün-weiß teilt er sich zusammen mit Rudi Völler Platz zwei hinter Bode, der auf 101 Tore in seiner Werder-Karriere kam.

Anders als Bode wählte Neubarth nach seiner Karriere den sofortigen Einstieg ins Trainergeschäft. Zuerst bei den B-Junioren des SVW, später für zweieinhalb Jahre bei der Amateurmannschaft. Im Sommer 2002 folgte der als etwas überraschend bezeichnete Aufstieg zum Cheftrainer von Schalke 04, wo Neubarth allerdings Ende März 2003 entlassen wurde. Es folgten über zwei Jahre bei Holstein Kiel, danach ein Zwischenstopp bei Carl-Zeiss Jena, bevor ein richtiger Stopp kam. Erst 2010 half Mister Europacup noch einmal kurzzeitig beim unterklassigen SC Borgfeld als Trainer aus. Seine Trainerzeit ist vorbei, er widmet sich seit Jahren anderen Projekten, wie zum Beispiel seit Dezember 2011 dem VfB Oldenburg. Mit dem Niedersachsenligisten hofft er, den Sprung nach oben zu schaffen.

Trotz dieser Aufgabe begegnet man den ehemaligen Stürmer und Otto-Libero oft in Bremen. Er schaut sich Spiele im Nachwuchsbereich bis hoch zur U23 an. Hier treffen wir ihn auch, und Mario Basler wäre positiv angetan, hatte er doch bei einem Benefizspiel vor Jahren Andi Herzog erklärt, dass dieser nach seinem Karriere-Ende mit einer “Mozartkugel” vor dem Bauch herumliefe. Frank Neubarth hingegen wirkt noch ziemlich fit, ist mit seinen 1,93m von jeher eine imposante Erscheinung. Seine Frisur wortwörtlich haargenau wie vor knapp 13 Jahren, als er erstmals die Bremer Amateure trainierte. Kurz macht sich der Eindruck breit, die Zeit sei stehengeblieben. Es wird Zeit, das Gespräch zu beginnen..

Worum.org: Moin Frank, vor knapp einem Jahr hast Du Deinen Rückzug vom Profisport bekannt gegeben. Im November hast Du dann ein Angebot vom VfB Oldenburg angenommen. Was sind Deine genauen Aufgaben dort?
Frank Neubarth: Der VfB Oldenburg ist ja derzeit in der fünften Liga aktiv und damit nicht im Profibereich. Ich bin dort auch nicht richtig angestellt. Ich habe keinen Vertrag, sondern versuche, dem Verein meine Erfahrung zur Verfügung zu stellen, damit der Aufstieg jetzt im Sommer realisiert werden kann, denn die Chance aufzusteigen ist ja durch die Regionalliga-Reform ziemlich groß. Es war mir ein persönliches Anliegen, da ich auch einen sehr guten Kontakt zum Vorsitzenden habe und gerne helfen wollte, was mir auch sehr großen Spaß bereitet. Wir werden jetzt gemeinsam versuchen, den Aufstieg zu realisieren, denn leichter wird es sicher nicht mehr.

Was ist Euer Ziel für die nächsten Jahre, wenn das jetzt klappt mit der Regionalliga?
Das ist noch ein bisschen zu früh, darüber zu sprechen. Erstmal müssen wir den Aufstieg schaffen, und dann kann es natürlich nur heißen, dass man sich in der Liga etabliert. Alles Weitere brauchen wir jetzt noch nicht zu diskutieren.

Aber wenn man nächstes Jahr in der Regionalliga spielt, ist es doch nur noch eine Liga, bis Du wieder im Profi-Fußball bist …
Ob ich dann noch weitermache, steht ja auch in den Sternen, da ist ja noch nichts Weiteres abgesprochen. Das wird man sehen, das ist derzeit noch zuviel Spekulation, um da konkret was zu zu sagen.

Ist denn eine Rückkehr auf die Trainerbank doch noch einmal möglich?
Nein, definitiv nicht.

Ein ehemaliger Trainer von Dir ist jetzt noch einmal zurückgekehrt. Bist Du überrascht, dass Otto es nochmal wissen will?
Überrascht schon. Das hatte ich so, ehrlich gesagt, nicht erwartet …

Hat er sich damit einen Gefallen getan?
Die Sprüche von ihm von damals kennen wir ja alle noch, und ich weiß nicht, ob er sich damit einen Gefallen getan hat. Heute ist das natürlich eine ganz ganz andere Generation mit ganz anderen, unterschiedlichen Spielern. Heute sitzen da die Südamerikaner, die haben mit Heinrich Heine oder Goethe nichts mehr am Hut. Die Fragen sich dann doch, was will der denn da … (lacht)

Besteht noch Kontakt zwischen euch beiden?
Derzeit nicht. Ab und zu hat man sich noch beim Essen mit den Ehemaligen getroffen, aber das letzte Mal ist jetzt auch schon einige Zeit her.

Werders Platz 11. Hier trifft man Frank Neubarth häufig an.

Werders Platz 11. Hier trifft man Frank Neubarth häufig an.

Wie groß war der Anteil von Otto an eurem damaligen Erfolg, kann man das überhaupt irgendwie beziffern?
Prozentual kann ich das jetzt nicht einschätzen, aber der war natürlich riesig, denn er hat ja die Mannschaft zusammengestellt, die Spieler sich so zusammengeholt, wie er es wollte und für richtig hielt. Und er hat die Spieler auch als Menschen einfach unheimlich gut angesprochen. Das war mit das Entscheidende, was er unheimlich gut drauf hatte und vielleicht auch noch hat. Aber das ist, wie gesagt, einfach eine andere Generation. Wir sind ihm damals wirklich blind gefolgt, aber das ist ja jetzt auch 20 Jahre her. Es ist absolut sein Verdienst, dass Werder heute da steht, wo es steht.

Wie fühlte es sich für Dich damals als etablierter Stürmer an, als Du von der Verpflichtung des “Fossils” Burgsmüller erfuhrst?
Mir wurde da ja keiner vorgesetzt. Dass neue Spieler dazukommen, ist ja immer so, aber ich habe trotzdem meine Spiele und auch meine Tore gemacht. Das war überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil. So ein Spieler wie Manni Burgsmüller half der Mannschaft ja enorm. Dass Otto auf ältere Spieler stand, ist ja bekannt, und er hat damit ja auch Erfolg gehabt. Als ich hier anfing, war Klaus Fichtel da, dagegen war Manni ja ein Jungspund. Das war ein Riesenkicker, und da haben wir alle von profitiert.

Wie kam es dann dazu, dass Du nach Deiner aktiven Karriere Trainer der Amateure wurdest?
Ich hatte ja schon zur aktiven Zeit in den Trainer- und Nachwuchsbereich reingeschnuppert. Ich habe die U17 drei Jahre trainiert und habe dabei gemerkt, dass mir das Spaß macht. Da war es dann der nächste Schritt, als Thomas Schaaf hochging in die Bundesliga, dass ich die Amateure übernehme.

Gab es Vorgaben oder Richtlinien vom Verein zum Training oder zur Spielformation?
Es gab kleinere Vorgaben zum Spielsystem. Dass wir da nicht mehr mit Libero spielen wollten, war klar. Nach vorne hin hatte man dann aber freie Hand. Es ging natürlich hauptsächlich darum, die Spieler so zu entwickeln, dass sie den Durchbruch nach oben schaffen, das war damals wie heute der Sinn und Zweck der zweiten Mannschaft.

Über Deinen Abschied und Wechsel zu Schalke wurde wenig bekannt, wie kam es damals zur Trennung?
Das Thema wollen wir nicht weiter aufwärmen jetzt. Es ist früher genug dazu gesagt worden, es passte halt nicht mehr, ich habe bei Werder aufgehört, und es kam dann ziemlich zeitnah das Angebot von Schalke.

Wieso fiel die Wahl von Schalke und Assauer gerade auf Dich?
Das weiß ich nicht, das müsste man ihn fragen. Er wollte mich als Spieler schon haben, als ich noch bei Concordia gekickt habe, von daher geh’ ich mal davon aus, dass er meine Spielweise gut fand. (lacht) Wir kannten uns ja auch persönlich, so hing das wohl alles zusammen.

Wie geht man so eine Aufgabe an, erleichtert wegen des Aufstiegs oder gab es auch nachdenkliche Minuten?
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich beim Skilaufen war und dann den Anruf von Assauer bekam. Da musste ich in der Tat erstmal meine Skier abschnallen, damit ich das sacken lassen konnte. Klar überlegt man: Kannst du das wuppen? Aber was hat man auf der anderen Seite schon zu verlieren? Auf Schalke sind ja schon ganz andere gescheitert. (lacht)

Ich bin da natürlich nicht so rangegangen, dass mir klar war, dass ich scheitere, aber in der Regel ist es als Trainer ja so, dass du entlassen wirst. Bei neun von zehn Fällen ist das eben so. Das war aber nicht das, worüber ich mir Gedanken gemacht habe, ich hab da schon geguckt, wie kannst du dich da am besten behaupten und letztendlich war das für mich einfach eine Riesengeschichte, so eine Chance bekommt man wohl nur einmal.

Warst Du etwas „erschlagen“ aufgrund der enormen medialen Aufmerksamkeit?
Nein, das hatte ich schon so erwartet. Das hat mich nicht überrascht oder mir Probleme bereitet.

Hast Du rückblickend dort überhaupt eine Chance gehabt?
(längere Denkpause) … wenn wir noch ein paar mehr Spiele gewonnen hätten, dann wäre es wohl anders gelaufen, weil man sich weniger angreifbar macht. Wir hatten ja aber auch nicht gegen den Abstieg gespielt, sondern waren Sechster in der Tabelle. Es war es einfach so, dass wir eine sehr alte Mannschaft mit Spielern waren, die ihren Zenit schon weit überschritten hatten. Auch körperlich gingen da einige schon fast wortwörtlich am Stock. Wenn ich an Sven Kmetsch denke, der konnte die Woche ja nur zweimal mittrainieren, und den Rest der Woche war er beim Arzt, das war irre. Der hat ja immernoch seine Leistung gebracht, aber da war klar, dass am Saisonende Feierabend ist. Ich hatte ziemlich schnell zu meinem Cotrainer gesagt, dass wir die Saison irgendwie überstehen müssen, um dann eine ganz neue Mannschaft aufbauen zu können. Die Chance haben wir aber nicht mehr bekommen, leider, weil sich auch einige ältere Spieler bei Assauer beklagt haben, dass sie nicht mehr spielen. Wenn sich Marc Wilmots und Andreas Möller beschweren und Assauer dem Gehör schenkt, dann hast du als junger Trainer verloren.

War Assauer loyal Dir gegenüber oder ist da ganz tief im Inneren ein kleiner Groll?
Ich bin ja jetzt in einer ähnlichen Funktion wie Assauer zu der damaligen Zeit tätig. Natürlich ein paar Ligen tiefer. Ich weiß aber, dass ich so wie er nie handeln würde. Dass ich Spielern Gehör schenke, wenn der Trainer nicht dabei ist. Natürlich hör ich mir das an, was die Spieler sagen, aber dass sie sich über den Trainer beschweren, ohne dass der dabei ist, würde ich nie zulassen. Da holt man den Trainer dazu, um das unter sechs Augen zu besprechen. Assauer hat das halt anders gehandhabt, das war wohl sein Arbeitsstil. Fertig, aus.

Wie verläuft so eine Trennung? Wird man da ins Büro bestellt und man weiß schon, was kommt?
Das war eigentlich eine ganz lustige Geschichte. (lacht) Ich bin morgens zum Training gekommen, das war ganz normal um zehn Uhr angesetzt, und ich hatte mich um acht Uhr mit meinem Cotrainer getroffen. Wir haben das Training besprochen und sind den Ablauf durchgegangen. Dann klingelte um kurz nach neun das Telefon und Assauer sagte, wir beide sollen mal ins Büro rüberkommen. Ich hab das auch so zu meinem Co gesagt: „Du Norbert, wir sollen mal eben rüberkommen … “ Ganz ehrlich, ich war tatsächlich so naiv und hab mir nichts dabei gedacht. (lacht) Er meinte noch: „Du, die schmeißen uns raus!“ Aber ich dachte, Mensch, wir sind doch auf dem sechsten Platz, wieso sollten die uns rausschmeißen? Nach fünf Minuten dämmerte es mir dann aber: was soll ich denn sonst eine halbe Stunde vorm Training im Büro? (lacht)

Es kam wirklich sehr überraschend, von daher war es auch relativ schmerzfrei. Ich habe mich dann noch von der Mannschaft verabschiedet, habe noch zwei Bier mit dem Doc getrunken und bin dann relativ fix nach Hause gefahren.

Danach kamen Kiel und Jena. Sieht man das selber als Abstieg? Wie geht man damit um?
Im Prinzip ist das doch überall das Gleiche. In der zweiten oder dritten Liga hat man eben nur weniger Medienauflauf und weniger Zuschauer. Ansonsten versucht man ja aber überall, mit der Mannschaft möglichst gut zusammenzuarbeiten, und in Kiel hat das auch Riesenspaß gemacht. Selbst in Jena, muss ich sagen. Die sechs Spiele am Ende der Saison, wo wir eigentlich aussichtslos abgestiegen waren, und dann haben wir noch drei mal gewonnen und drei mal unentschieden gespielt. In Freiburg gewonnen, was einfach total geil war, und dann das letzte Spiel in Augsburg, da war die Hölle los. Das war sensationell, 2:1 gewonnen, und wir sind dringeblieben. Das sind Erinnerungen, die ich auf keinen Fall missen möchte. Die Dinge, die danach kamen, waren dann weniger schön, und man fragt sich im Nachhinein, ob man wirklich so naiv war. Der Präsident erzählte was von irgendwelchen Russen, die da Millionen reinhauen wollen, und du glaubst es als Trainer. Du willst es natürlich auch glauben, aber das war ja zum Scheitern verurteilt. Und als Trainer bade ich das halt aus.

Eigentlich bist Du ein „Hamburger Jung“. Wieso fiel die Wahl auf Werder?
Ich war ja damals in der dritten Liga Spieler des Jahres. Heutzutage, als Drittligaspieler des Jahres, und dann auch noch mit 19 Jahren, bekommt man ja von überall Millionenofferten und braucht nie wieder einen Ball geradeaus spielen. (lacht) Ich habe aber damals dann Probetrainings gemacht. Beim HSV, in Stuttgart, in Kaiserslautern, in Hannover und eben auch bei Werder. Es haben aber alle immer ein bißchen rumgeeiert und Werder kam direkt mit einem konkreten Angebot. Da war die Wahl dann ganz einfach.

Zwei mal Meister, zwei mal Pokalsieger, dazu Europapokalsieger. Liest sich nett, aber gibt es ein besonderes Spiel, das Dir immer in Erinnerung bleiben wird?
Klar, da gibt es so einige. Ein Spiel ist natürlich hier zu Hause das 6:2 gegen Spartak Moskau. Überhaupt sind viele Spiele im Europapokal hängen geblieben. Auch das Spiel gegen Mailand ist mir leider auch noch im Gedächtnis, wo ich über den Ball kloppte…

…wo Du Libero spielen musstest…
Ja, genau. Ich konnte Fehler immer ziemlich gut verdrängen, aber bei dem Spiel war es leider nicht so.

Es gab oft Gerüchte, Du würdest zu Bayern wechseln – wie viel war da wirklich dran?
Es gab in der Tat Kontakt zu den Bayern. Ich hatte mich mit Uli Hoeneß hier im Hotel getroffen, und er hat mir ein sehr gutes Angebot gemacht. Natürlich überlegt man sich dann, ob man zu den Bayern geht, aber irgendwie habe ich damals schon geahnt, dass ich da nicht wirklich hinpassen würde und habe mich für Bremen entschieden.

319 Ligaspiele, 97 Tore. Fast alle drei Spiele ein Tor. Letztendlich aber nur eine Berufung zur Nationalmannschaft. Wieso?
Die Bayern hatten damals ja noch ihren „Block“ in der Nationalmannschaft. Beckenbauer war zu meiner Zeit Trainer und Dieter Hoeneß halt vor meiner Nase. Ich muss aber auch sagen, dass ich ziemlich oft verletzt war und immer, wenn dann mal eine Einladung kam, war ich dann auch wieder verletzt. Daran lag das wohl auch so ein bisschen.

Nach Marco Bode bist Du der erfolgreichste Werder-Torschütze. Noch. Wie groß ist die Angst, von Claudio Pizarro verdrängt zu werden?
Das ist Jacke wie Hose…

Achtet man da gar nicht drauf?
Nein, was solls. Ob ich da nun Zweiter, Dritter oder Vierter bin… Da kann ich mir auch nichts von kaufen.

Ist der Typ „groß und kopfballstark“, wie Du es ja auch warst, im modernen Fußball nicht mehr gefragt?
Wenn ich mit den Trainern aus der ersten oder zweiten Liga spreche, dann werde ich öfter gefragt, ob ich denn nicht noch spielen könnte, da man genau so einen Spieler wie mich sucht. (lacht) Ich will mich hier nicht groß rauskehren, aber das kommt schon oft.

Du kannst Dich ja wie Ailton als neuer Spieler anbieten…
Nein, mein Comeback werde ich ganz sicher nicht geben. (lacht)

Gute Fußballer werden immer gebraucht, auch jemand mit einem Riecher im Zentrum, der es auch mit dem Kopf kann. Wenn ich Bayern sehe mit nur einer Spitze, das finde ich häufig nicht so glücklich für den Stürmer, der da im Zentrum alleine auf sich gestellt ist. Gomez ist ja aber auch nicht klein und nicht gerade kopfballschwach, also auch die Typen werden schon gesucht. In erster Linie sucht aber jeder Verein Stürmer, die Tore schießen. (lacht)

Werders Marnon Busch, hier im U17-Halbfinale der letzten Saison.

Werders Marnon Busch, hier im U17-Halbfinale der letzten Saison.

Du bist der Berater von Marnon Busch, Rechtsverteidiger von Werders U19. Wie kam da der Kontakt zustande?
Ich habe seine Eltern über die Fußballschule am Millerntor kennengelernt, und so kam da der Kontakt zustande und man hat miteinander gesprochen.

Wie siehst Du seine Profiambitionen?
Er ist ja erstmal noch in der U19 und hat sehr gute Anlagen. Alles Weitere wird man sehen. Er hat eine gute Entwicklung gemacht und hat sicherlich eine Chance – wie viele andere auch. Aber das ist noch ein weiter Weg.

Wo muss er sich noch verbessern?
Das sag ich ihm dann persönlich. (lacht)

Willst Du noch mehr Jugendspieler unter Vertrag nehmen?
Ich betreue ja ein paar Spieler, und in erster Linie geht es darum, dass ich denen die Erfahrung mitgebe, die ich habe. Ansonsten habe ich aber auch mit Oldenburg genügend zu tun und will das erstmal nicht weiter ausbauen.

Du guckst Dir viele Spiele an, auch wegen Deiner Tätigkeit für die Oldenburger. Gibt es da auch mal den ein oder anderen Tipp für die Bremer?
Ich glaube nicht, dass Werder einen Tipp von mir braucht. Die haben ja eine Scouting-Abteilung, die groß genug ist, um mehr zu sehen als ich es tue.

Lennart Thy hatte in der Hinrunde gegen Leverkusen eine große Chance, die er vergab und kam danach nicht mehr richtig auf die Beine und bei den Profis zum Zug. Wie stark knabbert sowas an einem?
Das hängt immer vom einzelnen Charakter ab. Als Stürmer wird man immer mal Hunderprozentige versieben, aber das muss man möglichst schnell wieder wegpacken und möglichst schnell wieder ein Tor machen, und das fehlt ihm so ein bißchen, die Chance hat er dann halt nicht gehabt. Dann bleibt sowas halt auch mal länger hängen.

Machen sich gerade die jungen Spieler da vielleicht auch zuviel Druck?
Das ist ja auch bei jedem individuell verschieden. Natürlich ist immer Druck da, auch von außen wird der erzeugt. Früher hat man den Druck ja auch gehabt, wenn du den Ball nicht reinschießt, kommt halt der nächste und man ist auch raus.

Hattest Du in deiner aktiven Zeit ähnliche Phasen wie Lennart Thy jetzt?
Das hat jeder Stürmer. Mir ist niemand bekannt, der so eine Phase nicht hatte. Da muss man durch und eben schnell wieder ein Tor machen, dann läuft das alles wieder.

Mit Florian Hartherz, Tom Trybull und Niclas Füllkrug haben in der Rückrunde drei U23-Spieler ihr Debüt bei den Profis feiern können. Davor war jahrelang gar nichts, Trybull und Hartherz sind sogar nur „zugekauft“. Wie würdest Du Werders Jugendarbeit der letzten Jahre beurteilen?
Die Jugendarbeit ist sehr professionell und gut. Da sind ja auch immer Kicker dabei gewesen die jetzt teilweise ihr Ziel woanders erreicht haben. Martin Harnik, Dennis Diekmeier, es gibt ja schon ein paar Beispiele, die den Sprung geschafft haben, wenn auch woanders.

Hat man aber, auch aufgrund der jahrelangen Champions League-Millionen den Spagat zwischen U23 und Profis etwas vernachlässigt?
Sicher, wenn man ganz oben dabei ist, dann muss man Spieler holen, die sofort Champions League-tauglich sind. Das sind natürlich Spieler, die aus der U23 kommen, in der Regel nicht.

Du bist aber auch noch in einem anderen Bereich als Berater tätig. Du hilfst Jugendlichen, sich im körperlichen Bereich zu verbessern. Wie kann man sich das genau vorstellen?
Das ist ein Schulprojekt, wo wir mit einem Laufparcours in Schulen gehen und eben auch Kinder zur Bewegung motivieren, gerade auch welche, die nicht so sportlich sind und den Zugang zum Sport nicht gefunden haben. Manche hatten da auch negative Erlebnisse mit dem Sport, und die sprechen wir damit sehr gut an. Das macht eine Menge Spaß, wenn man die Jungs und Mädels da sieht, wie die mit einer riesigen Begeisterung dabei sind. Ist eine tolle Geschichte.

Werders Saisonziel ist Europa League, reichen die Leistungen dafür aus?
Der siebte Platz ist ja jetzt ausreichend, und deswegen sollte das zu schaffen sein.

Vielen Dank für das Interview und viel Glück für den Aufstiegskampf!

 

Die Fotos wurden von Worum-Usern zur Verfügung gestellt, besonderer Dank gilt ‘kantersieg’.