Werders Talente Teil 7: Almpanis, Bockhorn, Ferfelis, Hüsing, Lingerski, Nagel & Zander

13.02.12 | von | Kategorie: Spieler | 5 Kommentare

In den ersten sechs Teilen um Werders aktuelle Talente haben wir uns den Spielern gewidmet, die unserer Ansicht nach am Ehesten bei den Profis erwartet werden können. Doch Vorrauszusehen ist die Entwicklung bei den beschriebenen Talenten, teils erst 16, sehr schwer. Niclas Füllkrug feierte seine Profidebüt dieses Jahr noch vor seinem 19. Geburtstag, Dominik Schmidt betrat erst mit 23 erstmals den Platz während eines Bundesligaspiels. Im letzten Teil unserer Serie geht es daher um die, die noch etwas hinten dran stehen, wohl den Weg über die U23 nehmen müssten und sich enstprechend noch zu entwickeln haben.

LEON LINGERSKI

Eckdaten: Linker Verteidiger/Innenverteidiger, geboren am 3. Mai 1995 in Bremerhaven, 185cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2007
Nationalelf: aktueller U17-Nationalspieler (5 Spiele / kein Tor), insgesamt 8 U-Länderspiele (1 Tor)
Bilanz: diese Saison 15  Spiele / 2 Tore / 2 Vorlagen in der U17

Lingerski ist ein sehr großgewachsener Defensivspieler. Er ist bei nahezu jedem DFB-Lehrgang und seit letztem Sommer regelmäßig im Kader des 95er Jahrgangs dabei. Auf Strecke schnell, verliert er mit dem Ball am Fuß leider viel an Dynamik. Er ist als Linksfuß natürlich ein gesuchter Exot, zumal er als Linksverteidiger agiert, im Verein zuletzt aber auch häufig in der Innenverteidigung auflief. Seine Technik ist solide, er ist körperlich sehr weit. Wohin seine Entwicklung den B-Jugendlichen führen wird, ist nur schwer zu prognostizieren. Leons Spiel wirkt ein wenig träge, sein Offensivspiel sehr eindimensional. Defensiv ist er hingegen schwer auszuspielen, wobei er in dieser Spielzeit sein Stellungsspiel verbessert hat.

Nutzt er die ihm angebotenen Hilfestellungen zur Verbesserung von Beweglichkeit und Spielverständnis, kann er, der bereits im Fokus von Schaaf steht, auch seinen Weg beim SV Werder machen. Hier scheint der Weg in und über die U23 für die mittelfristige Zukunft vorgezeichnet, wobei der 16-jährige Bremerhavener vor allem von der internationalen Erfahrung mit den U-Teams des DFB profitieren könnte. Allerdings muss man ebenfalls anmerken, dass dort wie in jedem Jahrgang die Konkurrenz auf der Linksverteidiger-Position gering ist und Lingerski dadurch in der Rückrunde der letzten Saison sogar aus Werders zweiter B-Jugendmannschaft zum Nationalspieler wurde.

 

LUCA ZANDER

Eckdaten: Innenverteidiger/defensives Mittelfeld, geboren am 9. August 1995 in Weyhe, 177cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2006
Nationalelf: aktueller U17-Nationalspieler (1 Spiel / kein Tor), insgesamt 2 U-Länderspiele (kein Tor)
Bilanz: diese Saison 13  Spiele / 1 Tor / 1 Vorlage in der U17

Ähnlich wie Teamkollege Lingerski ist auch Luca Zander mit häufigen Gastauftritten beim DFB in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Sein Status in der Nationalmannschaft seines Jahrgangs ist allerdings geringer, bei Länderspielen kommt er meist nicht zum Zuge.

Der 16-jährige Defensivspieler ist noch ziemlich schmal, agiert quirlig. Für einen Defensivspieler hat er, wie der in der U23 kickende Alex Hahn, eine beachtliche Torgefahr bei Standards. Mit elf Saisontreffern war er in der vergangenen Spielzeit als Abwehrspieler zweitbester Torschütze seines Teams.

Hat er noch als Innenverteidiger begonnen, wird der nicht besonders hochgewachsene Zander zur Zeit vor allem im defensiven Mittelfeld eingesetzt, wo er seine Stärken mehr im defensiven Verhalten als im Spielaufbau hat. Kämpferisch stark und unermüdlich ist Zander eine Stütze seiner Mannschaft. Sein Spiel ist bisweilen überhastet, aber auch für ihn gilt, dass die nächsten Monate in der U17 sowie die ersten Schritte in der U19 entscheiden werden, welche Entwicklung er nimmt. Größere Ruhe am Ball und eine bessere Spielübersicht würden ihm helfen, die nächsten Schritte in Richtung Herrenbereich zu meistern.

 

CHRISTOS ALMPANIS

Eckdaten: Stürmer, geboren am 5. November 1994 in Kalabaka/Griechenland, 183cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2010
Nationalelf: aktueller U18-Nationalspieler Griechenlands (2 Spiele / kein Tor), insgesamt 2 U-Länderspiele (kein Tor)
Bilanz: diese Saison 14  Spiele / 4 Tore / 5 Vorlagen in der U19

Christos Almpanis, kam 2010 von AO Dimitra Apollon

Christos Almpanis, kam 2010 von AO Dimitra Apollon

Der griechische Stürmer mit dem Atze Schröder-Minipli hatte nach Problemen mit der Spielberechtigung in der Hinrunde der vergangenen Saison über ein halbes Jahr nur trainiert, bevor er in der Rückrunde dann endlich das Okay bekam und in der U17 debütierte. Beim 17-jährigen stehen eine enge Ballführung, ein extrem guter Antritt sowie Trickreichtum einem eigenwilligen Spielstil gegenüber, der das Zusammenspiel mit Almpanis zu einem Glücksspiel macht.

Ist er angeblich des Deutschen ausreichend mächtig, wirkt dies auf dem Feld nicht so, da die Abstimmung selten funktioniert. Häufig wirkt es, als spiele er ein eigenes Spiel, da seine Abspiele, wenn sie kommen, nicht oder nicht mehr zu erwarten sind. Er lässt Bälle abklatschen, mit denen niemand rechnet, und erfüllt taktische Aufgaben nicht, oder nicht erkennbar.

Im November kam der körperlich robuste Grieche zwölf Minuten beim Testspiel der Profis in Braunschweig zum Einsatz, was überraschend kam und eventuell einfach dem Umstand geschuldet war, dass Testspieler Galitsios in Abwesenheit von Sokratis einen Begleiter bzw. Übersetzer benötigte. Positiver Nebeneffekt: Da man offenbar dadurch in Griechenland nachhaltig auf ihn aufmerksam geworden war, wurde Almpanis zwei Wochen später erstmals zu einem Lehrgang der griechischen U18-Nationalmannschaft berufen, dieses Jahr dann für Länderspiele nominiert. Vor wenigen Tagen feierte er sein Debüt, spielte in beiden Länderspielen gegen Frankreich von Beginn an. Und noch mehr Grund zur Freude: Bruder Stavros ist mittlerweile ebenfalls nach Bremen gezogen, spielt ab sofort für Werders zweite A-Jugend in der Regionalliga.

Zurück zu Christos: entweder er lernt es ganz schnell, sein durchaus technisch gutes und interessantes Spiel mit dem seiner Mannschaftskameraden zu harmonisieren, oder er wird den Ruf des Unbelehrbaren mit sich herumtragen, was ihm die Wege zumindest in den Bundesligafußball verbauen wird. Zu sehr werden sein erwähnter Antritt und der starke Zug zum Tor von einer häufig sichtbaren Kopflosigkeit in den Aktionen in Tateinheit mit mangelnder Bindung zum Spiel behindert.

 

HERBERT BOCKHORN

Eckdaten: Rechter Verteidiger, geboren am 31. Januar 1995 in Kiel, 174cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2006
Nationalelf: aktueller U17-Nationalspieler (noch ohne Einsatz)
Bilanz: diese Saison 16 Spiele / 2 Tore / 1 Vorlage in der U17

Bockhorn ist ein kleingewachsener Rechtsverteidiger, der durchaus ansehnliche technische Momente zu produzieren vermag. In diesen sowie im spielerischen Bereich ist er gut geschult, dazu ausreichend schnell für die Außenposition. Fair und geschickt im Zweikampf, spielt er den ihm übertragenen Part ordentlich und vor allem zuverlässig. Klingt gut, ist es auch.

Der mit elf Jahren aus Kiel nach Bremen gekommene Bockhorn hat allerdings noch nicht erkennen lassen, wo seine besonderen Fähigkeiten liegen. Er kann alles gut, aber nichts wirklich herausragend, was am Ende des Tages für die ganz große Attacke zu wenig sein wird. Aber, und da liegt seine große Chance, er ist erkennbar in jeder Hinsicht entwicklungsfähig. Dies zumindest lässt für ihn bei fleißiger Arbeit alle Optionen offen.

Der im Januar 17 Jahre alte gewordene Bockhorn wurde im letzten Jahr erstmals und in gewisser Regelmäßigkeit zu Lehrgängen und in der Hinrunde dieser Spielzeit auch für ein Länderspiel der U17 nominiert, kam bisher jedoch noch zu keinem Einsatz.

 

DIMITRIOS FERFELIS

Eckdaten: Stürmer, geboren am 5. April 1993 in Delmenhorst, 191cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2007, Vertrag bis Sommer 2012
Nationalelf: kein aktueller Nationalspieler
Bilanz: diese Saison 9 Spiele / 7 Tore / 0 Vorlagen in der U19

Der Delmenhorster Ferfelis bildet an manchen Tagen mit Almpanis den Gyrossturm der Bremer U19, auch er besitzt die griechische Staatsbürgerschaft. Der schlaksige Mittelstürmer ist ein technisch starker, beidfüßiger Spieler, der auch im Kopfballspiel zu überzeugen weiß. Vor dem Tor kaltschnäuzig, hat sich Ferfelis mit einer beachtlichen Quote an Toren den Platz als erster Stammstürmer bei den A-Junioren erarbeitet. Der hochaufgeschossene Spieler wirkt etwas langsam, was allerdings seiner großen Übersetzung geschuldet ist. Sein Spiel erscheint sehr eigenwillig, er scheut manchmal den dynamischen Weg zum Tor. Die Dribblings, häufig mit einem Übersteiger eingeleitet, verpuffen häufig bei dem Versuch ein Kabinettstückchen einzubauen, wo der direkte Weg der bessere wäre.

Teilweise vermittelt er den Eindruck, als wolle er andere Spieler kopieren, wovon er die Füße lassen und sich auf seine eigenen Fähigkeiten fokussieren sollte. Solche Eskapaden wirken, als geschehen sie nicht mit der Billigung der Coaches, so dass er manchmal den Anschein einer gewissen Starrköpfigkeit vermittelt. Ferfelis muss an seiner Effektivität und der Durchsetzungsfähigkeit arbeiten, technisch und körperlich ist er sehr gut. Helfen wird ihm sicher, wenn er es lernt, auf die Ratschläge seiner Trainer zu hören und sein beachtliches Spielvermögen in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Auch aufgrund der knappen bis unbefriedigenden Stürmersituation wird er in die U23 aufrücken, wohin ihn der weitere Weg führt, beobachten wir gespannt.

 

OLIVER HÜSING

Eckdaten: Innenverteidiger, geboren am 17. Februar 1993 in Bühren, 193cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2004
Nationalelf: kein aktueller Nationalspieler
Bilanz: diese Saison 7 Spiele / 1 Tor / 0 Vorlagen in der U19

Oliver Hüsing spielt bereits seit der U13 beim SV Werder. Der diesjährige Kapitän der U19 ist ein echter Bär. Ein extrem freundlicher und klug wirkender Mensch außerhalb des Platzes, auf dem Spielfeld ein Innenverteidiger, der – in seinem Fall sehr positiv gemeint – alten Schule. Stark im Stellungsspiel, mit sicherer Technik und der für einen Innenverteidiger äußerst hilfreichen Ruhe, ist er eine respekteinflößende Säule im Defensivverbund. Trotz seiner Größe mutet er beileibe nicht so lahm und unbeweglich an wie vergleichbare Spieler. Im Defensivzweikampf am Boden und in der Luft gefühlt unschlagbar, ist Hüsing nie auf unfaire Mittel angewiesen. Seine Spieleröffnung basiert auf dem löblichen Versuch, keine Fehler zu machen, was ihm gut gelingt. Allerdings wirkt dies ein wenig hemmend, wenn es gilt, das Spiel schnell zu machen. Hier greift er bisweilen zu langen Schlägen, die im Spielrepertoire des Leitungszentrums eigentlich nicht mehr auftauchen und leider häufig genug lediglich der Luftverschaffung dienen.

In der Offensive ist Hüsing in dieser Spielzeit noch ohne Fortune, allerdings durchaus begabt, denn im letzten Jahr war er nach den Standards gefährlich und traf auch sechs Mal in die Maschen, wobei natürlich sein gutes Stellungsspiel, die Antizipation und seine körperliche Robustheit hilfreich sind. Oliver Hüsing, zu Saisonbeginn noch verletzt, saß bereits auf der Bank bei der U23, wohin sein Weg nach Saisonabschluss sicher führen wird. Für die höheren Aufgaben fehlt ihm ein wenig der Pep, vielleicht auch einmal ein kleines bisschen Bösartigkeit. Von seiner Wesensart könnte er allerdings geeignet sein, mittelfristig die spielführende Konstante in der U23 zu werden – ein Posten, der seit Schierenbecks Abgang nicht besetzt wurde.

 

FLORIAN NAGEL

Eckdaten: offensives Mittelfeld, geboren am 13. März 1992 in Stade, 180cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2008, Vertrag bis Sommer 2013
Nationalelf: kein aktueller Nationalspieler
Bilanz: diese Saison 19 Spiele / 2 Tore / 2 Vorlagen in der U23

Florian Nagel war mit 14 nach Bremen gekommen, um ein Jahr später schon wieder Goodbye zu sagen. Aufgrund einer Fußverletzung trat er den Weg zurück in die Heimat zum SV Drochtersen/Assel an, um nach der Wiederherstellung alter Leistungsfähigkeit nach einer Spielzeit erneut zum SV Werder zu stoßen. Es folgten zwei erfolgreiche U19-Jahre, wo er vornehmlich auf der Zehn agierte, aufgrund kleinerer Verletzungen aber auch nochmals knapp ein Drittel der Partien verpasste. In der letzten U19-Saison kamen einige durchaus bemerkenswerte Einsätze im Mittelfeld der U23 hinzu. In der Winterpause der Spielzeit schloss er erfolgreich seine bei Werder absolvierte Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann ab.

Florian Nagel, kam 2008 vom SV Drochtersen/Assel

Florian Nagel, kam 2008 vom SV Drochtersen/Assel

Der 19-Jährige ist ein Mittelfeldspieler, wie man es sich wünscht. Er ist positionstreu, taktisch klug, d.h., wenn er es dürfte, verstünde er es auch, das Spieltempo zu variieren. Nagel schlägt gute Pässe und Standards. Aufgrund seiner Schusstechnik ist er auch in der Lage, aus der zweiten Reihe gefährlich zu sein, nicht umsonst traf er in seiner letzten B-Jugend-Spielzeit zwölfmal. Körperlich ist er ein durchaus beachtlicher Herrenspieler, der keine Auseinandersetzung zu scheuen braucht und den physischen Sprung vom Nachwuchs- zum Profibereich längst geschafft hat.

Eine Portion Gemeinheit täte Nagel gut. Er ist ein guter, aber etwas brav wirkender Mittelfeldspieler, der sehr mannschaftsdienlich und klug agiert. Grund zur Sorge gibt seine Entwicklung in dieser Saison. Sah man gerade als A-Jugendspieler von ihm Unerwartetes, teilweise Brillantes (wie tödliche Pässe) als Höhepunkte in seinen stets soliden Auftritten, droht er, wie so viele andere, mehr und mehr zu einem weiteren Sicherheitspasspieler zu werden, wie sie über Jahre das Gesicht der U23 prägten und sowohl für den sportlichen Misserfolg der Mannschaft als auch für die Stagnation der Talente auf dem Weg nach oben stehen. Auch ihm fehlen inzwischen die Geniestreiche, die die wirklich Guten von den gut Ausgebildeten trennen und die es für den Zuschauer interessant machen, einem solch begabten Spieler beim Spielen zuzusehen.

Ein Problem scheint auch für ihn das Überangebot an ähnlichen Spielern in der U23 zu sein, im Talentbereich ist Werder im offensiven Mittelfeld quantitativ sehr gut besetzt. Acht geben muss er allerdings, sich in dieser Konkurrenz nicht unnötig klein zu machen, denn noch mehr angepasste solide Mitläufer werden auf Dauer stagnieren. Dies wäre in seinem Fall und bei seinen Anlagen bedauerlich. Hatte er in seinen ersten Einsätzen in Werders Drittligateam noch für Fantasie gesorgt, dass er es vielleicht mit etwas mehr Anlaufzeit in den Profikader schaffen könnte, so gehen die Prognosen nun eher in Richtung eines Tobias Kempe, der nach zwei U23-Jahren in die zweite Liga nach Aue wechselte.

 

WorumWiki-Profile von Leon Lingerski (klick), Luca Zander (klick), Christos Almpanis (klick), Herbert Bockhorn (klick), Dimitrios Ferfelis (klick), Oliver Hüsing (klick) & Florian Nagel (klick)

Fotos von Worum-Usern zur Verfügung gestellt:

Teil 1: Niclas Füllkrug & Alexander Hahn
Teil 2: Cimo Röcker & Marnon Busch
Teil 3: Levent Aycicek & Julian von Haacke
Teil 4: Marcel Hilßner & Lukas Fröde
Teil 5: Aleks Stevanovic & Özkan Yildirim
Teil 6: Clemens Schoppenhauer & Bernd Düker