Werders Talente Teil 6: Clemens Schoppenhauer & Bernd Düker

08.02.12 | von | Kategorie: Spieler | 3 Kommentare

Clemens Schoppenhauer und Bernd Düker kämpfen derzeit mit Werders U23 um den Klassenerhalt in der dritten Liga. Wir werfen einen Blick auf die beiden Bremer aus dem Jahrgang 1992, die regelmäßig im Profitraining auftauchen und mittlerweile schon in mehrere Profitrainingslager mitreisten. Verteidiger Schoppenhauer bestritt im Sommer gar zehn Testspiele für die Profis, hat aber mittlerweile nicht gerade wenig Konkurrenz vor ihm. Für Bernd Düker sieht es da etwas besser aus, zumal auf der Torwartposition anders als in der Defensive auch kein weiteres Talent mit genug Perspektive im Bremer Nachwuchs in Sicht ist.

CLEMENS SCHOPPENHAUER

Eckdaten: Innenverteidiger, geboren am 23. Februar 1992 in Bremerhaven, 185cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2005, Vertrag bis Sommer 2012
Nationalelf: aktueller U20-Nationalspieler (1 Spiel / kein Tor), insgesamt 1 U-Länderspiel (kein Tor)
Bilanz: 19 Spiele / 0 Tore / 0 Vorlagen in der U23

Der gebürtige Bremerhavener Clemens Schoppenhauer fiel den Scouts von Werder schon früh auf. Mit elf Jahren konnte er erstmals auf sich aufmerksam machen, Werder hätte ihn gerne zu diesem Zeitpunkt schon in den Jugendteams gehabt, allerdings war es seiner Familie noch zu früh für die Fahrgemeinschaft und das Internat, so dass noch einige Zeit verging, bis der dann 13-Jährige von von Bremerhaven nach Bremen in Stadionnähe zog.

Clemens Schoppenhauer, kam 2005 von SG Stotel-Nesse

Clemens Schoppenhauer, kam 2005 von SG Stotel-Nesse

Durch seinen Fleiß und fast schon übertriebenen Ehrgeiz, den er auch in jedem Training an den Tag legt, wurde er schnell zum Stammspieler in der Innenverteidigung. Ein Status, den der langgezogene 19-Jährige seit Anbeginn innehat. Ganz nach seinem Vorbild Per Mertesacker lebt er bei seinem Spiel in erster Linie von seiner hervorragenden Antizipation und dem sehr guten Stellungsspiel, wodurch er in der letzten U19-Saison als älterer Jahrgang in punkto Gegenspieler nicht selten unterfordert war und sich in der U23 festspielte, bei der er sich sowieso seit Saisonbeginn immer wieder in den Kader spielte.

Ganz anders als sein Vorbild ist er auch im Spielaufbau sehr gut und versteht es, die Bälle zu verteilen. Das führte dahin, dass er in der A-Jugend in engen Spielen regelmäßig in den letzten Minuten hinter die Spitzen geschickt wurde, um dort als Ballverteiler zu agieren und natürlich ebenso mit seiner Kopfballstärke zu glänzen. Aufgegangen ist der Plan dabei unter anderem in einem Spiel gegen Hertha BSC Berlin, als man aus einem Rückstand in den letzten zehn Minuten noch einen Sieg biegen konnte. Dass er dabei aber nicht als Torschütze auftauchte, zieht sich durch Schoppenhauers letzte Jahre. In viereinhalb Spielzeiten seit seinem ersten B-Juniorenjahr gelangen ihm lediglich vier Treffer, was für einen langgewachsenen Abwehrspieler, gerade im Vergleich zu seinen Werder-Kollegen, relativ wenig ist. Und das trotz Kopfballstärke, die ihm bei U19-Spielen, in denen er im defensiven Mittelfeld agierte, eine enorme Lufthoheit einhergehend mit enormer Präsenz auf dem Platz verschaffte.

Den Stärken gegenüber stehen seine nicht gerade sonderlich hohe Grundschnelligkeit und immer wiederkehrende kleine Unkonzentriertheiten, die zu Fehlern führen. Man hat manchmal den Eindruck, dass er in Bedrängnis mit dem Kopf schon einen Schritt weiter ist, aber die Beine das Ganze so noch gar nicht verarbeitet haben. Zu langsam in der Bein/Auge-Koordination? In Zweikämpfen wirkt er drahtig, verbissen bei der Sache. Jedoch fehlt ihm noch etwas Masse, um sich besser behaupten zu können.

Im Sommer war Schoppenhauer mit den Profis im Trainingslager, war aufgrund der enormen Innenverteidiger-Probleme bei Werder plötzlich im Rampenlicht. Auch wenn er wegen Verletzungssorgen schon in der Vorsaison mit nach Tottenham zum Champions League-Spiel reiste, die Situation sah nun anders aus: er hätte zum Saisonauftakt der Bundesliga gefordert sein können. Dass Thomas Schaaf kommentierte, “man müsse dann aber die Erwartungen runterschauben”, war nicht etwa ein Kleinreden seines Spielers, sondern eine gesunde Einschätzung. Der Bremerhavener war einfach noch nicht so weit in einer Entwicklung, zeigte sich in den Testspielen gegen brauchbare Gegner mit Lichtblicken, aber auch teilweise großen Problemen.

Zugute halten muss man ihm aber, dass er in seinem schwächsten Auftritt überhaupt keine Spielzeit bekommen sollte und am gleichen Tag hartes Konditionstraining absolvierte. Aufgrund einer Verletzung im Kader und mangelnder Alternativen musste er ran. Und das schlechte Spiel könnte damals Spuren hinterlassen haben. Wenn man weiß, wie sehr sich dieser Verteidiger schon über ein Unentschieden aufregen kann, dann kann man erahnen, wie sehr ihn das Spiel gewurmt haben muss. Die folgenden Monate verliefen ebenfalls nicht nach Wunsch, er musste ab und an gar unpassend als rechter Verteidiger agieren. Aber auch insgesamt ist seine Entwicklung nicht nur ins Stocken geraten, es ist auch wenig Fortschritt gegenüber dem Sommer-Status zu erkennen.

Defensivspieler wie auch die Nationalspieler Hummels, Höwedes & Badstuber benötigen aber so oder so mehr Entwicklungszeit und Spielpraxis, bevor sie durchstarten können. Wo diese Zeit ab Sommer verbracht wird, scheint fraglich. Im letzten Sommer konnte man sich nicht über einen neuen Vertrag einigen, trotz Wertschätzung bei Thomas Schaaf wollte man Schoppenhauer bei Werder (noch) keinen Profivertrag geben. Nach unseren Informationen läuft der Amateurvertrag diesen Sommer aus, eine Verlängerung mit der Aussicht, die nächste Saison in der Regionalliga zu verbringen, wird von ihm, wie von vielen, nicht automatisch abgenickt. Mit im Sommer gerade 20 Jahren, 1,5 Spielzeiten im Herrenbereich und ausstehender Entwicklung in einigen Bereichen ist eine weitere Saison bei der Werder U23 keineswegs ausgeschlossen. Da sich bei den Profis aber eine qualitativ und quantitativ gute Innenverteidiger-Situation andeutet, sich damit die Perspektivfrage stellt, könnte auch ein Abgang, direkt oder als Leihe, möglich sein. Ein Weggang aus Bremen würde dem ausgewiesenen Werderfan, der noch heute bei Möglichkeit in der Ostkurve steht, sicher schwerfallen.

 

BERND DÜKER

Eckdaten: Torhüter, geboren am 1. April 1992 in Gronau, 191cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2010, Vertrag bis Sommer 2014
Nationalelf: aktueller U20-Nationalspieler (1 Spiel), insgesamt 1 U-Länderspiel
Bilanz: 6 Spiele in der U23, 1 Spiel in der U21

Bernd Düker ist schon seit seiner Ankunft in Bremen im Sommer 2010 fester Bestandteil in den Profitrainingslagern des SV Werder. Vom VfL aus Osnabrück für die U19 geholt, sollte er sich nach dem Abgang von Ron Wochnik einem Zweikampf im Tor gegen Tom Neukam stellen. Schon nach den ersten Trainingseinheiten und Testspielen wurde allerdings klar, dass der vergleichsweise ruhige Düker gegen den manchmal hibbelig wirkenden Neukam die Nase vorn hat. Als sachlich und ruhig wurde Düker bei seinem Wechsel beschrieben, passend dazu begann er beim Sponsor Targobank eine Ausbildung zum Bankkaufmann.

Im Sommer ging es altersbedingt in den Profifußball, wo er in der U23 als Stammtorhüter vorgesehen war. Christian Vanders Abgang war angedacht, es wurden ihm auch durch öffentliche Aussagen der Verantwortlichen keine Steine in den Weg gelegt. Da sich nichts Passendes fand, blieb Vander, und Düker sorgte selbst dafür, dass er schon nach dem ersten Spieltag zwischen die Pfosten der U23-Mannschaft zurückkehrte. Verletzungsbedingt musste Düker nach seinem Debüt gegen den SV Wehen Wiesbaden seinen Platz räumen, konnte es sich in der Reha gemütlicher machen als gehofft, da sich die Verletzung als hartnäckig erwies.

Bernd Düker, kam 2010 vom VfL Osnabrück ©Flickr 2e14

Bernd Düker, kam 2010 vom VfL Osnabrück ©Flickr 2e14

Ebenso hartnäckig blieb Werder das Verletzungspech treu, so dass aufgrund der Verletzungen der Verteidiger Sandro Stallbaum und Leon Balogun die gesamte Werder-Defensive nur noch aus 18- und 19-Jährigen bestand. So blieb der erfahrene Christian Vander nach Dükers Genesung im Werder-Gehäuse, wo er zunächst aufgrund seiner Erfahrung, mittlerweile aber auch wegen der schon vorhandenen Qualität gegenüber Dükers Potenzial im Abstiegskampf viel Spielzeit erhält. Aktuell steht Düker wieder zwischen den Pfosten, da Vander den verletzten Mielitz bei den Profis ersetzte und danach aufgrund einer Krankheit ausfiel. Spätestens wenn der Kampf um den Klassenerhalt abgehakt ist, könnte man für die Zukunftsplanung aber nur noch Düker als Stammkeeper zwischen den Pfosten sehen.

Trotz seines Platzes hinter Vander rutschte er nicht aus dem Fokus des DFB, wo er seit seinem Wechsel zu Lehrgängen der U19- sowie (in dieser Saison) U20-Nationalmannschaft eingeladen wurde. Am 12. November des letzten Jahres kam er sogar zu seinem Länderspieldebüt, als er zur Halbzeit eingewechselt wurde, leider aber den 0-1 Siegtreffer der Polen kassierte. Zugute kam ihm allerdings in dem 92er Jahrgang auch, dass Leno und ter Stegen aufgrund ihrer Bundesliga-Stammplätze bereits höher als U20 spielen und die Konkurrenz dahinter mit Freiburgs Scholow schon sehr überschaubar ist.

Wie inzwischen eigentlich alle jungen Torhüter gehört Bernd Düker, der seit er fünf ist immer zwischen den Pfosten stand, der modernen, als ‘mitspielend’ bezeichneten Generation an. Mit guten technischen Fähigkeiten ausgestattet, bietet er sich auch während des Spiels an, um als Anspielstation zu dienen und den Spielfluss auf die andere Seite zu verlagern. Auch bei langen Bällen hinter die Abwehr ist er stets als letzter Mann mit guter Übersicht zur Stelle. Dabei selten unüberlegt oder ungestüm, sondern fast immer mit dem richtigen Gespür für die Situation, gut im Timing, ob er den Ball erreicht oder nicht. In der letztjährigen A-Jugendsaison schien er teilweise auch gar unüberwindbar, wenn es ins Eins-gegen-Eins ging oder er bei Chancen im Strafraum konsequent auf der Linie blieb, sich nicht locken ließ. Anders verhielt es sich hingegen, wenn er bei Standardsituationen seinen geliebten Fünfmeterraum mal verließ. Allerdings ist es nicht untypisch, dass man sich gerade in dem Alter bei solchen Situationen noch verschätzt, denn gerade dort kommt Erfahrung besonders zu tragen. Werders Nummer zwei, Sebastian Mielitz, ist ein gutes Beispiel, da er sich gegenüber seiner Jugendzeit enorm in diesem Bereich verbessern konnte.

Ziemlich weit ist Düker bereits im körperlichen Bereich: 90 Kilo sind eine Hausnummer, wo er sowieso schon mit 1,91m Körpergröße über Gardemaß verfügt. Sein Auftritt zwischen den Pfosten wirkt in vielen Aktionen wie selbstverständlich, er lässt mit einer gewissen Eleganz Flugeinlagen wie ein Leichtes aussehen. Sein von Beobachtern dem Pferdesport zugeschriebener unnachahmlicher Voltigierschritt verlangt nach guten Richternoten. Nach seinem ersten Länderspiel war zu hören, dass seine Aktionen mehr Dynamik vertragen könnten, wo er aber dank regelmäßigem Mitwirken beim Profitraining von den Kollegen Wiese und Mielitz einiges abgucken kann.

Was er nicht kopieren, sondern nur selbst erledigen kann, ist aber das Erfahrungsammeln auf dem Platz während Pflichtspielen. Vanders Vertrag läuft aus, der derzeit verletzte Jerome Reisacher ist als Vertretung eingeplant, und aus dem Nachwuchs kommt niemand mit entsprechender Perspektive nach. Gerade bei einem Abstieg in die Regionalliga ist schwer davon auszugehen, dass Bernd Düker nächstes Jahr die Nummer eins der U23 sein wird, nicht ohne Grund bekam er bei seinem Wechsel einen Vertrag bis 2014. Es wird ein entscheidendes Jahr für den am lustigsten Apriltag seinen 20. Geburtstag feiernden Düker. Er wird zeigen müssen, dass er nach Felix Wiedwald und Sebastian Mielitz der nächste junge Werdertorhüter mit Bundesliga-Perspektive ist und den Verantwortlichen damit klar machen, dass er nach seiner Banklehre einen Profivertrag bei Werder verdient hat. Ihm ist es zu wünschen, dass er sich in seinen besten Jahren um unser Gegentorkonto kümmert und nicht etwa nur noch um die Konten der ehemaligen Mitspieler.

 

WorumWiki-Profile von Clemens Schoppenhauer (klick) und Bernd Düker (klick). Fotos von Worum-Usern (Album & flickr) zur Verfügung gestellt:

Teil 1: Niclas Füllkrug & Alexander Hahn
Teil 2: Cimo Röcker & Marnon Busch
Teil 3: Levent Aycicek & Julian von Haacke
Teil 4: Marcel Hilßner & Lukas Fröde
Teil 5: Aleks Stevanovic & Özkan Yildirim