Werders Talente Teil 4: Marcel Hilßner & Lukas Fröde

02.02.12 | von | Kategorie: Spieler | 5 Kommentare

Im heutigen Teil der Serie um die Talente des SV Werder geht es um zwei noch sehr junge Spieler, die beide erst vor Kurzem ihren 17. Geburtstag gefeiert haben. Dabei handelt es sich um den Kapitän und seinen Stellvertreter bei der Bremer B-Jugend: Lukas Fröde und Marcel Hilßner. Im Gleichschritt geht es nicht nur regelmäßig zur U17-Nationalmannschaft, sondern wohl auch in der Rückrunde zu Einsatzminuten in der U19.

MARCEL HILßNER

Eckdaten: offensives  Mittelfeld, geboren am 30. Januar 1995 in Leipzig, 178cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2009, Vertrag bis Sommer 2014
Nationalelf: aktueller U17-Nationalspieler (7 Spiele / 1 Tor), insgesamt 15 U-Länderspiele (7 Tore)
Bilanz: diese Saison 16 Spiele / 16 Tore / 5 Vorlagen* in der U17, 1 Spiel / 0 Tore / 0 Vorlagen in der U19

Marcel Hilßner wurde aus Sachsen zur U15 ins Bremer Wilhelm-Scharnow-Internat geholt. Er ist körperlich für einen U17-Spieler extrem weit, er ist robust, schnell und hat den besten linken Huf im Leistungszentrum. Sein Spiel lebt in der U17 vor allem von der Dynamik, mit der er den Weg nach vorne sucht und seinen starken Distanzabschlüssen. In seinem Debüt für die U19 gegen Hannover 96 zeigte er sehr gute spielerische Ansätze, insbesondere gelangen ihm aus der spielbedingten Kontersituation einige beachtliche Pässe in die Spitze. Selbstverständlich sind seine Distanzfreistöße eine Waffe.

Marcel Hilßner, kam 2009 vom FC Sachsen Leipzig

Marcel Hilßner, kam 2009 vom FC Sachsen Leipzig

Er hat eine Mannschaft um sich, die extrem auf ihn angewiesen ist, ihn allerdings spielerisch nicht wirklich fordert. Der Erfolg der U17 liegt sehr auf seinen Schultern. Vergleicht man die Mannschaft mit der letztjährigen, sehr spielstarken U 17, fällt auf, dass dieses Jahr das Mittelfeld schnell überspielt wird und die Mannschaft gern aus der Kontersituation kommt. Marcels Dynamik und sein Zug zum Tor kommen daher bestens zur Geltung.

Wie bei allen spielbestimmenden offensiven Mittelfeldspielern gerade in dieser Alterstufe hält ihm der Rest der Truppe ihm den Rücken frei, so dass er sich auf sein Offensivspiel konzentrieren kann. Hier wird interessant sein, wie er im nächsten Jahr auf Anforderungen an seine Mitarbeit reagiert. Er hat auf der linken Seite einschließlich als linker Verteidiger schon alles gespielt, was für sein Geschick spricht, sich auch dann durchzusetzen, wenn es ihm nicht so einfach gemacht wird.

Sein rechter Fuß verhindert lediglich das Umfallen, und sein Kopfballspiel übernimmt Teamkollege Lukas Fröde. Und das Schießen von Elfmetern sollte er lieber sein lassen, die Quote ist schlecht.

Der gerade 17 Jahre alt Gewordene ist im Prinzip in der B-Jugend unterfordert. Andererseits hält er die Chance aufrecht, dass sich die Mannschaft doch für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft qualifiziert. Sein Ausfall wegen des Platzverweises in Osnabrück (nach einem gewonnenen Spiel!) spricht für sein Temperament, aber gegen seine Beherrschung. Möglicherweise werden die drei Spiele, in denen er fehlt, die Weichen für den weiteren Saisonverlauf stellen. Vergrößert sich der Abstand zu den Führenden signifikant, wird allerdings zu erwarten sein, dass er die U19 unterstützt, was tatsächlich eine Hilfe in der auch aufgrund von Verletzungen spielerisch schwachen Truppe sein könnte.

Hilßner hat in den letzten zwei Jahren einen gewaltigen Sprung gemacht, in der U15 galt er als teilweise etwas mutlos und phlegmatisch, in der U17 hat er sich im ersten Jahr spielerisch weitergebildet und trägt im zweiten Jahr, wie sich allein aus der Statistik ersehen lässt, die Mannschaft. Sicherlich ist er technisch nicht mit von Haacke oder Aycicek zu vergleichen, aber er wird sicher im nächsten Jahr eine wichtige Rolle in der U19 spielen, soweit ihn die Nationalmannschaftsspiele nicht zurückwerfen. Bedenken muss man sicherlich auch die Tatsache, dass sein Entwicklungspotential im schwieriger zu erlernenden technischen und taktischen Vermögen liegt, da er körperlich bereits sehr erwachsen daherkommt.

Marcel Hilßner ist dennoch ein sicherer Kandidat für den Profibereich, der aufgrund seines Körpers, seiner schon jetzt profihaften Schusskraft und seiner Dynamik nur allzuschön ins Raster der Profiverantwortlichen passt. Ob dies – und das gilt für alle hier beschriebenen Spieler – beim SV Werder oder anderswo sein wird, wird man sehen. Nicht jeder muss zudem mit 19 in der ersten Liga spielen. Letztlich kann man für ihn Chancen im Profibereich der ersten Liga prognostizieren. Das muss auch der Maßstab sein. Richtigerweise hört man erste Wehen eines Profivertrages.

 

LUKAS FRÖDE

Eckdaten: Innenverteidiger / defensives Mittelfeld, geboren am 21. Januar 1995 in Fulda, 187cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2009, Vertrag bis Sommer 2013
Nationalelf: aktueller U17-Nationalspieler (6 Spiele / kein Tor), insgesamt 12 U-Länderspiele (1 Tor)
Bilanz: diese Saison 12 Spiele / 4 Tore / 0 Vorlagen in der U17

Lukas Fröde kam im Sommer 2009 aus Jena an die Weser. Erschien er zunächst aufgrund seiner für die U15 bereits beachtlichen Größe wie ein typischer Bremer Körpereinkauf, zeigte er sich in den U17-Jahren als positionstreuer und durchaus spielintelligenter Fußballer. Regelmäßig bei den DFB-Auswahlteams eingeladen, profitiert er einerseits von den erlernten Fähigkeiten, sich auf mehreren Positionen sicher zu bewegen, hat andererseits auf allen von ihm vorrangig besetzten Positionen in der Nationalmannschaft starke Konkurrenz. Spielte er im ersten U17-Jahr meist auf der Halbposition im rechten Mittelfeld, wobei er den offensiv-agierenden Sechser absicherte, wurde er im zweiten Jahr zunächst auf der Sechs, gegen Hinrundenende als Innenverteidiger eingesetzt.

Fröde ist allein wegen seiner Größe ein beeindruckend physischer Spieler, der gerade in der U17 vom dadurch vorhandenen Größenvorteil profitiert. Ihm wäre jedoch Unrecht getan, ihn auf diese Rolle zu reduzieren. Zum einen ist er durchaus in der Lage, sich in vielen Situationen schnell zurechtzufinden, was für seine Spielintelligenz spricht, zum anderen ist er ein sehr ehrgeiziger Typ, der in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen. Technisch sicher, körperlich nicht nur groß, sondern durchaus robust, die Voraussetzungen für einen erwachsenen Fußballer sind also da. Erfreulich verbessert hat sich Fröde in der Beweglichkeit. Wirkte er zuvor etwas steif, manchmal auch träge, hat er an Wendigkeit und Dynamik sehr zugelegt. Konkurrenzlos gut ist sein Zweikampfverhalten, bei dem er Mut, Kraft und Aggressivität zu einer Ein-Mann-Mauer vereint. Allerdings profitiert er momentan auch in diesem Punkt von seiner für einen B-Jugendlichen extrem guten Konstitution.

Lukas Fröde, kam 2009 vom FC Carl-Zeiss Jena

Lukas Fröde, kam 2009 vom FC Carl-Zeiss Jena

Frödes Defizite sind gleichwohl im technisch-spielerischen Bereich zu suchen, denn er braucht zu lange, um sich vom Ball zu trennen und lässt die Handlungsschnelligkeit gerade im Umschalten und dem schnellen situativen Handeln vermissen. Auch ihn umgibt, wie viele andere Leistungszentrumskicker auch, der zarte Hauch der Selbstüberschätzung, was im Spiel zeitweilig dazu führt, dass Fröde sich an Spielstilen versucht, die nicht seine sind, oder den Gegner nicht wirklich ernst nimmt.

Eine weitere bemerkenswerte und durchaus prägende Eigenschaft ist sein Kopfballspiel. Auf den ersten Blick ist er in der Luft unverwundbar. Genauer betrachtet ist es jedoch mangelhaft. In der Defensive hat unser junger Riese gewaltigen Gefallen daran, seine Stirn in jeden entgegenkommenden Ball zu rammen und diesen möglichst weit in die Richtung zurückzudreschen, aus der er kam. Sein Offensivkopfball ist ähnlich unkoordiniert. Auch hier wirft er sich todesverachtend in alle Bälle, aber das Ganze sieht eher nach roher Kraftentfaltung als nach gezielten Torabschlüssen aus. Es würde helfen, wenn er sich die Ruhe nehmen nähme, seinen Kopfbällen ein Ziel zu geben, dann könnte das Spiel in der zweiten Etage tatsächlich zu seiner Domäne werden und nicht, wie jetzt, ein beeindruckender, aber unkontrollierter Luftzirkus.

Innenverteidiger, defensives Mittelfeld, auf beiden Positionen ist Fröde in seiner Altersstufe herausragend. Die Halbposition mag zwar dann verlockend sein, wenn Schaaf aus Angst vor den ständigen Defensiveinbrüchen auf einen Sicherheitsspieler vertrauen möchte, perspektivisch ist er wohl spielerisch nicht gewandt genug, um dieser Position auf höchstem Niveau gerecht zu werden. Er ist aber als B-Jugendspieler noch sehr jung, und wohin seine Entwicklung führen wird, ist schwer zu prophezeien. Reizvoll wäre sein Einsatz in einem modernen System mit zwei Sechsern im Zusammenspiel mit einem offensiveren, spielstarken Partner. Dank seiner für seine Größe beachtlichen Wendigkeit ist er für das Werdersystem ein heißer Kandidat für die defensive Mittelfeldposition. Als Innenverteidiger würde er in seiner Altersklasse ebenfalls auf höchstem Niveau mithalten, sich möglicherweise jedoch unterfordert fühlen, bevor es in den Herrenbereich geht.

Lukas hat zwar in der Nationalmannschaft das erwähnte Problem, gerade im defensiven Mittelfeld und der Innenverteidigung auf extrem starke Konkurrenz zu treffen, sollte sich davon jedoch nicht nachhaltig beeindrucken lassen. Der DFB produziert fußballerischen Einheitsbrei, zwar auf hohem Niveau, aber immer etwas fad. Die beiden dort spielenden Sechser sind in der Spielanlage sehr ähnlich, da passt er nicht recht. Fröde wird beim SV Werder mit Sicherheit bereits in der Rückrunde in der U19 erste Spielminuten bekommen und im nächsten Jahr als weitere Stütze diese Mannschaft in jeder Hinsicht verstärken. Als Spieler ein Typ wie für das Werderscouting erfunden, deutet alles darauf hin, dass ihm auf dem Weg in die Profimannschaft nur er selbst im selbigen stehen kann. Zu Wolter und Votava passt er einfach zu gut, und auch Schaaf ist den langen Kerls bekanntlich nicht abgeneigt. Es steht zu erwarten, dass der Verein sich auch bei Fröde schnell mühen wird, ihn mit einem Profivertrag zu versehen. Und das macht sicher Sinn.

 

WorumWiki-Profile von Marcel Hilßner (klick) und Lukas Fröde (klick). Fotos von einem Worum-User zur Verfügung gestellt.

Teil 1: Niclas Füllkrug & Alexander Hahn
Teil 2: Cimo Röcker & Marnon Busch
Teil 3: Levent Aycicek & Julian von Haacke
Teil 5: Aleks Stevanovic & Özkan Yildirim

*Leider fehlen uns bei 15 U17-Toren die Vorlagengeber, so dass dieser Wert nicht komplett ist.