Werders Talente Teil 2: Cimo Röcker & Marnon Busch

29.01.12 | von | Kategorie: Spieler | 12 Kommentare

Teil 1 der Profile von Werders Talenten beeinhaltete neben Verteidiger Alexander ‘Ali’ Hahn mit Stürmer Niclas Füllkrug einen Spieler, der dieser Tage gegen Bayer Leverkusen sein Bundesliga-Debüt feierte. Die beiden heutigen Spieler sind davon noch etwas entfernt, auch wenn einer der beiden bereits in zwei Testspielen für die Profis auflaufen durfte. Dabei handelt es sich um Cimo Röcker, der zusammen mit dem zweiten Talent in diesem Artikel, Marnon Busch, die Außenposition der Viererkette in der Bremer U19 bildet. Beide sind aus dem starken 94er Werder-Jahrgang, beide bringen Potenzial für den Profibereich mit und beide verfügen über über Doppelnamen: Cimo-Patric und Marnon-Thomas. Aber zum Sportlichen:

CIMO RÖCKER

Eckdaten: Linker Verteidiger, geboren am 21. Januar 1994 in Schneverdingen, 186cm groß
Werder: im Verein seit Januar 2008, Profivertrag bis Sommer 2014
Nationalelf: aktueller U18-Nationalspieler (noch ohne Einsatz), insgesamt 30 U-Länderspiele (2 Tore)
Bilanz: diese Saison 10 Spiele / 2 Tore / 1 Vorlage in der U19

Röcker ist dem SV Werder im wahrsten Sinne des Wortes zugelaufen. Im C-Jugendtrainingslager der Jahrgänge 1993/94 in seinem Geburtsort Schneverdingen sprach er, bewaffnet mit seinen Fussballschuhen, um ein Probetraining vor. Genehmigt, gewogen und für gut befunden, übersprang Röcker den U14-Bereich und wurde als jüngerer Jahrgang in die U15 integriert und ins Internat geholt. Röcker ist ein hochgewachsener Spieler, der seit der U15 zum Stamm der starken 94er DFB-Auswahl gehört. Nach der aufreibenden Weltmeisterschaft in Mexiko ist er, ein wiederkehrendes Ärgernis bei den Auswahlspielern, zunächst verletzt gewesen, um im letzten Hinrundendrittel an sein eigentliches Leistungsvermögen anzuknüpfen.

Cimo Röcker, kam 2008 vom TV Jahn Schneverdingen

Cimo Röcker, kam 2008 vom TV Jahn Schneverdingen

Röcker ist Linksfuß und wird daher sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft vorwiegend auf dieser Seite, meist als Verteidiger, eingesetzt. Wie die meisten guten Fußballer im Heimatverein als Zehner gestartet, hat er sich seinen Offensivdrang bewahrt. Seine Vorstöße sind dynamisch. Wenn er zum Abschluss kommt ist sein Abspiel, ob als Flanke oder flache Hereingabe, sicher und überlegt. Seine starken Standards mit seinem guten linken Fuß fielen in der letzten Zeit weniger auf, allerdings auch durch sein häufiges Fehlen und den Umstand bedingt, dass er als Abnehmer in der Mitte gebraucht wird. Dort allerdings ist er einer der besten Offensivkopfballspieler und einer der wenigen von vielen über 1,85m großen Spielern, die tatsächlich wissen, wie man zum Ball geht und wohin dieser geköpft werden sollte. Herausragend ist sein Fleiß, mit Aufgaben versehen ist Röcker einer der Spieler, die auch außerhalb der Trainingszeiten in der Pauliner Marsch beim Abspulen eigener Trainingsprogramme anzutreffen sind. Im Spiel ist er engagiert und aufgrund seiner hervorragenden Kondition unermüdlich.

Das Spiel von Röcker wirkt trotz seines Engagements manchmal etwas leidenschaftslos. Teilweise ist seine Spielauffassung sehr ichbezogen. Er gibt die Laufwege vor, macht seine Angebote auf der Außenbahn, hat jedoch Schwierigkeiten, andere Mitspieler einzusetzen, da er zunächst seinen Weg vor Augen hat. Leider enden seine Läufe mit dem Ball am Fuß zu häufig in den Beinen der Gegner, die sich mittlerweile auf diese Dribblings eingestellt haben. Trotz seiner Schnelligkeit fehlt es, wie häufig bei den großen Spielern, an der Wendigkeit.

Seine Technik ist ordentlich, aber er ist ein Spieler, der kraftvoll mit dem Ball marschiert, statt dass dieser eng am Fuß klebt. Im Spielaufbau ist Röcker sicher, allerdings statisch. Seit es in der Nationalelf bei strengster Strafe verboten zu sein scheint, lange Bälle zu spielen, vermisst man mittlerweile die früher guten und spielöffnenden Diagonalbälle, die Cimos Spiel lange prägten. Überhaupt, die Nationalelf: Verfolgt man seine Einsätze und die im zeitlichen Zusammenhang gezeigten Leistungen im Verein, drängt sich bisweilen der Gedanke auf, dass Röcker die marktwertbeeinflussenden Länderspiele prioritär vor die Arbeit im Verein setzt.

Sein Defensivspiel Mann-gegen-Mann ist stark, er ist sich auch für ein robustes Einschreiten nicht zu schade, allerdings hat er Probleme gegen sehr wuselige Spieler und verliert von Zeit zu Zeit die Position, sobald schnell verschoben werden muss. Die Versuche, ihn ins Mittelfeld zu integrieren scheiterten auf den Halbpositionen und der Sechserposition bislang an seiner fehlenden spielerischen Flexibilität, da er im Zusammenspiel über den Flankenweg hinaus, den er vorgeben kann, nicht handlungsschnell genug ist. Interessant wäre es, Cimo einmal als Innenverteidiger zu sehen, da es auf dieser Position insbesondere in der Spieleröffnung Bedarf gibt.

Seine Verbesserungspotentiale sind gering. Körperlich ausgewachsen, technisch solide und konditionell sehr gut ist die Arbeit auf Taktik und Spielverständnis zu fokussieren. Auch wäre sein Spiel besser und weniger ausrechenbar, wenn er auf die Spielideen anderer eingehen würde, statt nur seine Spielwege durchzusetzen.

Röcker ist der Werdernachwuchsspieler par excellence. Er spielt ordentlich auf einer Dauerkrisenposition, ist körperlich stark, arbeitet fleißig und zeigt wenig Ecken und Kanten. Dies mag etwas langweilig anmuten, aber solche Spieler sind für das Funktionieren von Mannschaften wichtige Bausteine. Ob man ihm einen Gefallen getan hat, Hartherz zu verpflichten, ist eine wichtige Frage, eigentlich bedarf es bei Röcker nicht einer konkurrenzbedingten Motivation, um seinen Ehrgeiz anzustacheln, so dass diese Entscheidung vielleicht auch kontraproduktiv wirkt. Eventuell hilft aber auch genau dieser direkte Konkurrenzkampf Röcker weiter, lässt den Fokus wieder vermehrt auf den Verein kommen. In den Jugendteams bei Werder, aber auch in den Jahren in der Nationalmannschaft hatte der 18-jährige nie einen Konkurrenten, geschweige denn einen vom Kaliber Hartherz.

Nach Jahren der Armut finden sich nun die Linksverteidiger der U17 (Leon Lingerski), U18 (Röcker) und der U19 (Hartherz) des DFB in den Werderkadern. Auch hier regiert das neu eingeführte Darwinsprinzip der Bremer Nachwuchsabteilung, die feststellen lässt, welcher sich um die Plätze balgende Welpe am Ende an den Napf der Großen darf. Ausgestattet mit der Wertschätzung eines Profivertrages (bis 2014) hat Röcker gute Chancen sich dort einzureihen. Der Napf mit Essen steht nicht weit entfernt von ihm.

 

MARNON BUSCH

Eckdaten: Rechter Verteidiger, geboren am 8. Dezember 1994 in Stade, 182cm groß
Werder: im Verein seit Sommer 2007, Vertrag bis Sommer 2013
Nationalelf: kein aktueller Nationalspieler, insgesamt 1 U-Länderspiel (kein Tor)
Bilanz: diese Saison 12 Spiele / 0 Tore / 2 Vorlagen in der U19

Busch ist als Perspektivspieler bereits seit der U13 im Leistungszentrum. Das lästige Pendeln aus seiner Heimatstadt Stade hat sich erledigt, seit er zu Beginn der laufenden Saison ins Internat einzog. Ursprünglich Stürmer, hat er seine Position als rechter Verteidiger seit der zweiten U17-Saison gefunden. Marnon ist ein sehr später 94er, das heißt er hat ein wenig später Geburtstag und er könnte diese Saison noch B-Jugend spielen. Eine oftmals unterschätze Kategorisierung, wenn man bedenkt, dass Niclas Füllkrug nur wenige Tage älter sein müsste, um nicht mehr bei der U19 spielen zu dürfen, Busch nur wenige Tage jünger, um noch U17 kicken zu können. Bei der Gesamtbetrachtung sieht man erst beide Spieler als A-Jugendliche, beim genaueren Betrachten als jüngerer und älterer Jahrgang, aber eigentlich sind sie zwei Jahre auseinander.

Marno Busch, kam 2007 von TuS Güldenstern/Stade

Marno Busch, kam 2007 von TuS Güldenstern/Stade

Der 17-jährige Busch ist, vielleicht mit Ausnahme des Kölner B-Jugendmeisters Mitchell Weiser, der schnellste Spieler dieses Jahrgangs. Bundesweit. Und nicht nur das: Es handelt sich bei ihm wohl auch um den schnellsten Spieler bei Werder, inklusive der Profis. Besonders, wenn er nach zehn Metern in Schwung gekommen ist, ist er nicht aufzuhalten. Diese Läufe sind eine atemberaubende und gefährliche Waffe, sehen darüber hinaus aufgrund der Dynamik wirklich klasse und beeindruckend aus. Wenn es mit dem Fussball nichts werden würde, wäre er im Sprintbereich “the great white hope”. Hatte er früher von Zeit zu Zeit einige Forrest Gump-Aktionen, in denen er mit dem Ball blindwütig ins Aus rannte, so kann er dies mittlerweile gut kontrollieren. Der Abschluss, meist als Flanke, ist stark verbessert, seine Quote kann sich auch im Vergleich zu dem, was ansonsten gerade in den höheren Mannschaften auf dieser Seite geboten wird, durchaus sehen lassen. Busch ist bissig im Zweikampf und gibt nicht auf. Auf der jetzigen Position hat er den Job seines (Fußball-)Lebens gefunden, seine Zweikampfstärke und seine Schnelligkeit kommen auf der rechten Defensivseite hervorragend zur Geltung. Als Gegenspieler Mann gegen Mann ist er in seinem Jahrgang ein echter Albtraum für seine Gegner.

Dringenden Verbesserungsbedarf hat er in seinem Stellungsspiel und in der Spieleröffnung. Häufig wirken seine Abspiele unkonzentriert und immer wieder erwecken einfache Stockfehler in der Ballannahme den Eindruck, dass er im Geiste bereits die Linie entlangprescht, während der Ball noch gar nicht am Fuß ruht. Unschädlich ist es im Moment, dass er häufig überspielt wird, da er aufgrund seiner Schnelligkeit stets in der Lage ist, die sich hinter ihm entfernenden Spieler wieder ein- und abzufangen. Allerdings wird dies in den höheren Mannschaften nicht mehr so einfach funktionieren, da sind die Gegner einfach abgezockter und genau diese Fehler werden schonungslos bestraft. Zwar geringfügig verbessert, aber immer noch mangelhaft ist sein Kopfballspiel, regelmäßig schön daran zu erkennen, wenn ein Spieler seitwärts und bisweilen mit eingezogenem Kopf in die hohen Bälle geht. Ab ans Kopfballpendel, was wohl, warum auch immer, kein regelmäßiger Trainigsbestandteil ist. Im Spiel ist es auffällig, dass er mit von Haacke auf der Halbposition oder der Sechs nahezu blind harmoniert, während es ihm teilweise an Zutrauen und am Verständnis mit den anderen Spielern mangelt, auch mit seinem rechten Innenverteidiger neben sich. Das allerdings wird sich im weiteren Saisonverlauf einschleifen, doch muss auch Busch lernen, sich auf andere Spieler einzustellen und -zulassen.

Mehr noch als bei von Haacke ist es unverständlich, dass Busch beim DFB nicht einmal in den Lehrgängen auftaucht, da seine Seite in der DFB-Auswahl bislang stiefmütterlich besetzt war. Jahrgangsweit gibt es, wenn man sich aus dem Fenster lehnt, trotz Steigerungspotential, auf der rechten Defensivseite keinen Besseren. Und trotzdem rührt seine letzte Lehrgangsnominierung vom März 2010 her, als er noch deutlich offensiver eingesetzt wurde. Warum hier nach der starken B-Juniorensaison, dem Vizemeistertitel sowie der Hinrunde (inklusive mehr Defensiverfahrung) der Name Busch nicht einmal in einem Sichtungslehrgang von teilweise 40 Spielern aus der zweiten Reihe auftaucht, sorgt für Fragezeichen.

Diese Saison wird Busch seinen Welpenschutz noch behalten dürfen. Natürlich weiß er um seine Stärke bei den Flankenläufen und will diese möglichst in jedem Spielzug einsetzen. Im Spiel täte manchmal etwas Geduld gut, um diese Attacken zielgerichteter zu fahren. In Partien, in denen der Gegner tief steht und die Seite dicht macht, muss er Wege finden sein Spiel durchzubringen, denn bislang braucht er viel Platz, um seine Kraft voll zu entfalten, um quasi Anlauf zu holen. Er wird sein taktisches Verhalten verbessern und an ein erwachsenes Spiel anpassen müssen. Dies beinhaltet auch, die gegnerischen Aktionen etwas eher zu erahnen, anstatt sich stets darauf zu verlassen, den ballführenden Spieler zu bekämpfen. Eine Verletzungspause in der letzten Saison hat Busch allerdings gerade bei den taktischen Aufgaben, ähnlich wie in einem Schuljahr, einige Dinge verpassen lassen, die nachgeholt werden müssen.

In Anbetracht dessen, was im Weserstadion auf den Außenbahnen herumläuft, scheinen die Anforderungen für die Werder-Außenverteidiger zum Glück nicht allzu hoch zu sein. Nachdem Busch seine Idealposition gefunden hat, wird er sicher seinen Weg machen. Aufgrund der seit Jahren bestehenden Defizite (mit Ausnahme eines gesunden Fritz) auf den Außenpositionen, auf der rechten (ohne bzw. hinter Fritz) mehr noch als auf der linken Seite, stehen die Chancen für Busch zum Aufstieg in die hauseigene Profiabteilung gut.

Es ist ihm durchaus zuzutrauen, dass er im Laufe der nächsten Saison nicht nur im Profitraining auftaucht, sondern auch einmal in einem Testspiel ausprobiert wird, da er bei entsprechender Entwicklung vom Spielertyp und seinen Stärken her, vor allem der Schnelligkeit, frühzeitig eine Option für den Kader, insbesondere als Einwechselspieler, darstellen könnte. Während der Weg fest in die Mannschaft da noch ein weiterer wäre und besonders bei Defensivspielern Erfahrung im Herrenbereich benötigt.

Egal, ob es dann um die Nachfolge von Fritz geht, falls dieser verlängert, oder um Konkurrenz zu bspw. Sebastian Jung, es wäre so oder so zu wünschen, dass Busch es nicht nur nach oben schafft, sondern vor allem auch auf der Rechtsverteidigerposition bleibt und nicht, wie so viele vor ihm, ins Mittelfeld will oder muss.

 

WorumWiki-Profile von Cimo Röcker (klick) und Marnon Busch (klick). Fotos von einem Worum-User zur Verfügung gestellt.

Teil 1: Niclas Füllkrug & Alexander Hahn
Teil 3: Levent Aycicek & Julian von Haacke
Teil 4: Marcel Hilßner & Lukas Fröde
Teil 5: Aleks Stevanovic & Özkan Yildirim