Gesperrter Schiedsrichter mogelt sich ins Werder-Testspiel

14.01.12 | von | Kategorie: Gegner | 3 Kommentare

Vorgestern meckerte Werders Mediendirektor Tino Polster noch im (B)logbuch zum Trainingslager auf Werder.de über den Schiedsrichter:

Es lief die 100. Minute des Testspiels gegen AZ Alkmaar. Nein, nein es war kein Pokalspiel mit Verlängerung, sondern es ging um ganz „normale” Nachspielzeit. Normal? Mehr als 9 Minuten, ich buchstabiere: n-e-u-n Minuten. Wofür? Für nichts, keine Verletzungen, nur ein paar Auswechslungen. Nach vier Minuten Zugabe erfolgten die ersten deutlichen Hinweise an das Schiedsrichterteam aus dem bulgarischen Sliven, dass es nun wirklich genug sei. Beim Assistenten an der Linie hatte schließlich pünktlich nach neunzig Minuten die Uhr gepiept. An falscher Zeitmessung konnte es also nicht liegen. Aber weiter ging’s, immer weiter. Nach 97 Minuten schüttelte selbst der Torhüter der Holländer mit dem Kopf. Und das obwohl seine Mannschaft beim Spielstand von 1:2 noch zum Ausgleich hätte kommen können.

Laut Weser-Kurier wunderte man sich auf Bremer Seite über die Herkunft des Bulgarens:

Wesentlich deutlichere Kritik musste sich dagegen gestern vom gesamten Werder-Tross der Unparteiische anhören. Raicho Ratchev ließ nicht 90, nicht 93, nicht 95 Minuten spielen – der Bulgare machte mit einer exorbitant langen Zugabe gar die 100 voll. Als nach fünf Minuten Nachspielzeit von der Bremer Trainerbank erste Proteste kamen, ging auf der anderen Seite des Spielfeldes Mediendirektor Tino Polster unmittelbar den nahe stehenden Linienrichter an. Seine auf Englisch gestellten Fragen “Was soll das hier?” und “Kommst du aus einer Bananenrepublik oder woher?” blieben allerdings unbeantwortet. Schaaf nahm den ausdauernden Herrn Ratchev dagegen mit Humor: “Ich weiß nicht, ob er bis zum Frühstück durchgehalten hätte.”

Und heute abend kam heraus: es war tatsächlich was faul im Staate Dänemark, in der Bananenrepublik, in Belek. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet in einer Tickermeldung, dass nicht etwa der im Artikel genannte Raicho Ratchev, sondern sein Landsmann Luchezar Yonov die Partie Werder gegen Alkmaar leitete – und dabei unter dem Namen seines Kollegen auftrat. Warum er das tat? Yonov ist gesperrt, darf keine Partien leiten. Ratchev hingegen hat eine weiße Weste. Und eine Lizenz.

Yonov und fünf weitere Schirikollegen wurden Anfang 2011 lebenslang gesperrt, nachdem sie bei einem U20-Turnier in Südamerika die Spiele leiteten, dies aber nicht beim Verband offiziell meldeten. Hinzu kam, dass in nahezu allen Partien zweifelhafte und kuriose Entscheidungen getroffen wurden. Auch war ein ungarischer Schiedsrichter vor Ort, der genauso wie der russische Veranstalter und die thailändische Veranstalterfirma unter Verdacht steht, Spiele verschoben zu haben. Und passend dazu ohne FIFA-Lizenz agierten.

Yonov’s verlängerte Spielzeit (und sein zweifelhafter Elfmeter-Pfiff) lies ihn bei seinem Betrug wohl auffliegen und zieht nun noch mehr Ärger zu seiner sowieso schon bestehenden lebenslänglichen Sperre nach sich. Der bulgarische Verband wird den Vorfall der UEFA melden, auch Werder, Alkmaar bzw. der Veranstalter in Belek werden sicher tätig werden. “Diese Geschichte bestätigt uns nur in unserer Entscheidung aus dem letzten Jahr”, so Kostadin Kostadinov vom bulgarischen Verband.