Sonntag Endspiel in Bremen: erster Meistertitel für Werders U17?

04.06.11 | von | Kategorie: Werderspiele | Keine Kommentare
Standards: gegen Stuttgart nicht so wichtig, gegen Köln im Fokus

Standards: gegen Stuttgart nicht so wichtig, gegen Köln im Fokus

Nach dem furiosen Elfmeterkrimi im Halbfinale gegen Stuttgart geht es jetzt ans Eingemachte. An diesem Sonntag, den 5. Juni 2011, kann man zum ersten Mal überhaupt die Meisterschaft der U17 gewinnen!

1983 (gegen den 1.FC Kaiserslautern) und 1999 (gegen Bayern München) stand man ebenfalls im Finale, ging jedoch beide Male als Verlierer vom Platz. Der morgige Gegner 1.FC Köln stand bisher einmal im B-Junioren-Finale und gewann dies 1990 gegen den VfB Stuttgart.

Amtierender Meister ist Eintracht Frankfurt, deren U17 im letzten Juni mit 1:0 nach Verlängerung gegen Bayer Leverkusen gewann. Mit den Frankfurter Meistern Sonny Kittel und Julian Dudda sowie dem Leverkusener Danny Vieira da Costa standen im Endspiel drei Spieler auf dem Platz, die in dieser Saison ihr Bundesliga- bzw. Europa League-Debüt feierten.

Da wollen auch alle Spieler hin, die morgen für den Eff Zeh sowie Werder auf dem Platz stehen. Im Gegenzug wollen vor allem die Bremer eines nicht: Verlängerung und Elfmeterschießen. Nach anstrengenden 2×40 Minuten folgte gegen Stuttgart am Mittwoch 2×10 Minuten Verlängerung und dann ein Elfmeterschießen, was erst durch den 14. Schützen entschieden werden konnte (Highlights auf werder.tv). Regeneration hat man sich also verdient.

Heute Abend beim Abschlusstraining wird man dann auch nicht nochmals mit dem Elfmeterschießen konfrontiert. Sollte es am Sonntag wieder zu einem solchen kommen, dann auch dieses Mal ohne Übung. „Das ist Lotterie, das kannst du nicht üben. Da kann man im Training hundert von hundert treffen und verschießt dann im Spiel. Man muss selbstbewusst zum Punkt gehen“, so Victor Skripnik beim Training am Donnerstag.

Mittwoch gespielt, Donnerstag wieder auf dem Platz? Und das so ziemlich direkt nach der Ankunft in Bremen? Nicht ganz, denn es handelte sich primär um ein Auslaufen. „Wir haben nur drei Tage Zeit für die Regeneration und diese müssen wir nutzen“, will Skripnik nichts dem Zufall überlassen.

Ob es Veränderungen in der eigenen Mannschaft geben wird, steht noch nicht fest. Die zuletzt angeschlagenen Cimo Röcker und Levent Aycicek gingen am Mittwoch über die komplette Distanz und trainierten auch gestern beide mit. Man rechnet mit ihnen.

Offen und nicht unspannend ist die Frage nach der Nummer Eins für das Finale. Der etatmäßige Torhüter Hannes Frerichs war aufgrund einer roten Karte im Halbfinale gesperrt, ist für das Finale aber wieder spielberechtigt. In Stuttgart vertrat Yannick Viol seine Nummer Eins glänzend, parierte den letzten VfB-Elfmeter. Während die Berichterstattungen bisher davon ausgehen, dass Frerichs sicher zurück zwischen die Pfosten kommt, ließ Skripnik die T-Frage noch offen: „Wir haben mit der Entscheidung bis Sonntag Zeit. Da kann noch viel passieren.“

Nicht mehr viel passieren wird dagegen auf der Torhüterposition beim 1.FC Köln. Im Tor hat man mit Daniel Mesenhöler den aktuellen U16-Nationaltorhüter und damit haben die Bremer nach dem Stuttgarter U17-Nationaltorhüter Vlachodimos nun wieder einen DFB-Goalie vor der Nase. Auch Mesenhöler ist wie sein Stuttgarter Kollege körperlich weit, verfügt über gute Reflexe sowie eine allgemein starke Handlungsschnelligkeit. Bei den Gegentoren (nach Standards) im Halbfinale machte er aber keine allzu gute Figur.

Die Innenverteidigung um Florian Schnell und Jannik Müller kümmert sich wie die der Bremer rein ums Verteidigen. Und da sind beide sehr zuverlässig. Am Spielaufbau ist man selten beteiligt, der ruhige kurze Pass ins Mittelfeld wird hier klar bevorzugt.

Auf den Außenverteidigerpositionen ist auf links der kleine, bullige Tobias Berg nicht zu übersehen. Eine Kämpfernatur, die sich oft offensiv einschaltet und sehr gut flanken kann, jedoch Konstanz vermissen lässt. Auf der rechten Seite ist man schwächer besetzt, dort wechselt Köln öfter die Aufstellung, gegen Bremen wird vermutlich der schnelle Engelke dem defensiveren und physisch stärkeren Schäfer vorgezogen werden.

Die defensiv sehr kompakt stehenden Kölner kommen dort vor allem über das Kollektiv und die Taktik. Im Gegensatz zu den Bremern hat keiner aus der Kölner Viererkette Länderspiele auf seinem Konto (Werder: Innenverteidiger Plendiskis, Rechtsverteidiger Busch) oder verfügt über einen aktuellen Nationalspieler (Linksverteidiger Röcker).

Vorteil Werder? Jein, denn der FC hat eine starke, sehr homogene Mannschaft. Trainer Boris Schummers auf der vereinseigenen Homepage: „Diese Moral und diese Geschlossenheit, das sind zwei Attribute, die diese Mannschaft die gesamte Saison über ausgezeichnet haben.“

Während der Halbfinalgegner VfB Stuttgart den Bremern vor allem spielerisch ähnelte, kommt es im Finale gegen den 1.FC Köln zum Aufeinandertreffen zweier Teams, die neben der spielerischen Stärke auch die mannschaftliche Geschlossenheit auszeichnet. Man spielt irgendwie gegen sich selber.

Zumindest von der taktischen Aufstellung unterscheidet man sich aber. Werder wird morgen wieder mit der bewährten Raute auflaufen, dabei auch Werder-typisch mit zwei Defensiven und zwei Offensiven. Der gelernte Innenverteidiger Lukas Fröde sowie der für den Spielaufbau zuständige Julian von Haacke übernehmen die Defensivaufgaben, Zehner Levent Aycicek sowie der schussgewaltige Marcel Hilßner sind primär in der Offensive zu finden.

Dort treffen sie auf die Kölner Doppelsechs mit Danilo Wiebe und Yannick Gerhardt. Der laufstarke Wiebe schaltet sich zwar oft nach vorne mit ein, übernimmt jedoch auch viele Defensivaufgaben, wenn Gerhardt das Spieltempo bestimmt. Der Doppeltorschütze aus dem Halbfinale ist körperlich stark, einer der Führungsspieler im Team und wie sein Gegenpart von Haacke auf der Bremer Seite nach guter Saison ein Kandidat für eine Einladung zur Nationalmannschaft in der neuen Saison.

Hier rennt Marnon Busch dem schwer atmenden Rani Khedira (Stuttgart) davon. Gegen Köln muss er aufpassen, dass ihm Berg und Weiser nicht entlaufen.

Hier rennt Marnon Busch dem schwer atmenden Rani Khedira (Stuttgart) davon. Gegen Köln muss er aufpassen, dass ihm Berg und Weiser nicht entlaufen.

Gerhardt ist jedoch, wie Wiebe und seine Verteidigung hinter ihm, bisher auch ohne jedes Länderspiel. Ganz im Gegensatz zum Prunkstück des Kölner Spiels, das in der Offensive von den beiden Stammspielern der U17, Fabian Schnellhardt und Mitchell Weiser lebt. Dabei ist insbesondere Schnellhardt extrem schwer auszurechnen. Er kommt meist über die rechte Seite und zieht mit Dribblings in die Mitte, wo er gerne aus der zweiten Reihe den Abschluss mit seinem sehr starken linken Fuß sucht. Seine Schusstechnik und Präzision sind herausragend in dem Jahrgang, mit 17 Treffern ist er nicht ohne Grund der torgefährlichste Spieler der Mannschaft.

Von Haacke und Fröde müssen aufpassen, sie treffen hier nicht auf einen so dribbelstarken und schnellen Spieler wie den Stuttgarter Gnabry, aber einen, der sein Spiel vor allem sehr effektiv gestaltet: zu den 17 Treffern kommt noch eine zweistellige Anzahl an Assists. Ihn werden die Kölner Teamkollegen suchen.

Genauso wie Mitchell Weiser, einen typischen Außenbahnspieler. Der Kölner Kapitän und Sohn von Ex-Köln-Profi Patrick Weiser ist extrem schnell, kommt oft über die linke Seite. Er tauscht jedoch öfter im Spiel die Position mit Schnellhardt, spielt in der U17-Nationalmannschaft meist als Rechtsverteidiger. Auch Weiser ist sehr effektiv und offensivstark, kommt in dieser Saison auf elf Treffer und starke 21 Torvorlagen.

Offen ist noch die dritte Position im offensiven Mittelfeld des 4-2-3-1 der Kölner. Der sehr talentierte und wendige serbische U17-Nationalspieler Vojno Jesic wird definitiv mit einer Knieverletzung ausfallen. Sein Abbild Lukas Scepanik erinnert noch mehr an Marko Marins Spielweise, aber auch noch mehr an dessen Nationalmannschaftsrolle: er wird vermutlich in Halbzeit zwei von der Bank kommen. Köln wird wohl wie gegen Hoffenheim zuerst mit dem defensivstärkeren Arnold Budimbu auflaufen.

Als einziger Stürmer wird sich Marco Ban versuchen, der sich diese Saison ähnlich treffsicher wie der Bremer Florian Schmidt zeigte. Mit den Alternativen Özkan und La Monica haben die Kölner Stürmer in der Hinterhand, die ähnlich wie die Werderaner Ruf und Lizius vor allem über den Einsatz und ihre Laufbereitschaft ins Spiel kommen.

Am gefährlichsten sind die Kölner über ihre Vorzeigekicker Weiser und Schnellhardt. Und insbesondere durch Standards sowie Flanken vors Tor. Da muss Werder innen aufpassen und außen die Flanken verhindern sowie dabei gleichzeitig auf der Hut sein, nicht zu viele Standards in guten Positionen für die Kölner zu erfoulen.

Wer besser ist? Wer der Favorit ist? Beide Teams spielten eine ähnlich starke Saison in ihrer Staffel. Die Kölner noch souveräner als die Grün-Weißen. Für Werder spricht alleine schon der Sieg gegen die Schwaben am Mittwoch.

Kölns Schommers: „Wer die Stuttgarter schlägt, ist sicherlich nicht zu unterschätzen, denn der VfB hat eine enorm gute Mannschaft in diesem Jahr. Werder ist aber auch sehr spielstark und verfügt über tolle Individualisten.“ Einen Favoriten benennt der FC-Trainer nicht.

Bremens Skripnik: „Ob die stärker oder schwächer sind als Stuttgart? Kann man so nicht sagen. Jede Mannschaft hat ihre Stärken und ihre Schwächen. Wir wollen die nicht unterschätzen und kennen auch unsere Stärken.“ Im Vergleich zum Stuttgarter ist Skripnik hier noch mehr Schweizer in seiner Aussage.

Keine Aussage, sondern eine Ansage gibt es für den morgigen Sonntag: kommt zu Platz 11 in Bremen und feuert die Werder-U17 an! Spielbeginn ist vormittags um 11.00 Uhr. In Stuttgart hat man es mit zehn Fans geschafft, ordentlich Stimmung zu machen und die Jungs nach vorne zu peitschen. Bei einem Heimspiel ist da noch sehr viel mehr möglich.

„Wir haben zwar eigentlich noch gar nichts erreicht“, so Skripnik, „aber die Jungs hätten es sich aufgrund der Saison auf jeden Fall verdient!“ Deswegen sollte jeder, der es einrichten kann, zum Spiel kommen. Ob sofort nach dem Aufstehen, direkt nach dem Kirchenbesuch oder auch von der Disco aus direkt zum Platz: Hauptsache vor Ort und Anfeuerung für die grün-weißen Jungs. (Anm.: Die Werder-Spieler, nicht die Polizei)

Karten werden genug vorhanden sein, aufgrund des Veranstalters (DFB statt Werder Bremen) sind die Kartenpreise vom Verband festgelegt: Drei Euro für einen Stehplatz, sechs Euro für einen Sitzplatz. Ein Freikartenkontigent für Mitglieder gibt es leider nicht.

Skripnik: „Ich hoffe, dass ganz viele Leute kommen und mit diesen jungen Leuten den letzten Schritt gemeinsam gehen. Wenn wir von den Fans eine gute Stimmung bekommen und dann noch gewinnen… da gibt es nix Besseres…“ … dann wird gefeiert. Mit dem Trainer und den Spielern. Die brennen allesamt auf den ersten B-Junioren-Meistertitel der Vereinsgeschichte.

Einen Liveticker bieten für die Daheimbleibenden beide Klubs:

Liveticker vom SV Werder: klick

Liveticker vom 1.FC Köln: klick

Mehr Infos zu den Bremer Spielern: klick