Uli Borowka: “So was habe ich richtig gemocht”

14.01.11 | von | Kategorie: Interviews | 7 Kommentare

„Die Axt“. Uli Borowka trug seinen Spitznamen sogar als Krawattennadel, inzwischen liegt diese aber irgendwo im Keller. Früher fiel er öfter auf mit seinen Eskapaden und das er Sachen ausgesprochen hat, wie sie sind. Heutzutage ist er – sehr respektabel – über zehn Jahre trockener Alkoholiker. Er hat es sich aber zum Glück beibehalten, dass er offen und ehrlich seine Meinung sagt. So auch mit uns beim Hallenturnier in Oldenburg.

Worum.org: Herr Borowka, wie hoch ist ihr Handicap?

Uli Borowka: Im Moment 8,6. Und das ganz ohne jemals einen Golftrainer gehabt zu haben.

Wenn man den Fußballer Borowka noch in Erinnerung hat so würde man nicht vermuten, dass er Golf spielt. Wie kamen sie zu dem Sport?

Das ist ganz einfach. Damals hat der Wynton Rufer uns dazu gebracht und hat dann noch halbe Golfsätze aus Neuseeland mitgebracht. Oliver Reck, Manni Bockenfeld und ich haben dann einfach mal angefangen mit halben Sätzen, haben die Bälle in alle Richtungen gekloppt und so sind wir dazu gekommen. Da hat sich auch nicht viel dran geändert. Ich spiele so Golf, wie ich Fußball gespielt habe. Abschlag – und dann irgendwie aus dem Malheur rauskommen.

Sie spielen ja beim GOFUS (www.gofus.de) viele Turniere, eine Vereinigung aus ehemaligen Spielern, Sportjournalisten und Wirtschaftsvertretern. Wer gewinnt dort regelmäßig?

Da gibt es den Norbert Dickel, unseren Präsidenten, der hat ein Handicap um die 4-5. Klaus Fischer, Rainer Bonhof, wir haben massenhaft Single-Handicaper. Aber Norbert Dickel ist mit Abstand der, der das rote Jackett am Häufigsten gewonnen hat. Ich darf mich auch freuen, ich habe es auch schon drei Mal gewonnen.

Sie hatten für ihre Gegenspieler gerne mal einen flapsigen Spruch zur Begrüßung parat. Variierten diese oder war das immer der Gleiche?

Nein, das war natürlich logischerweise auf den Spieler immer direkt bezogen. Es sind ja nicht alle gleich, es lässt sich ja auch nicht jeder aus der Reserve locken. Da musste ich mir ab und zu schon mal was anderes einfallen lassen.

Unterschiedliche Trikots, unterschiedliche Spielertypen: Uli Borowka und Diego Maradona ©uli-borowka.de

Unterschiedliche Trikots, unterschiedliche Spielertypen: Uli Borowka und Diego Maradona ©uli-borowka.de

Sie sagten vor kurzem in einem Kicker-Interview, dass Ulf Kirsten sich in den Zweikämpfen gegen sie immer richtig gewehrt hat. Bei solchen Traditionsturnieren sehen sie sich öfter mal. Gibt es da auch wieder auf die Knochen?

Bei uns war es immer so, dass wir mit offenen Visier gekämpft haben und Ulf Kirsten war dafür bekannt, dass er ein sensationell guter Stürmer war, der nie Angst hatte. Und auch wenn man ihm mal im Zweikampf eine mitgegeben, da musste ich dann auch aufpassen. Der kam immer wieder und hielt auch mal selber drauf. So was habe ich richtig gemocht.

Und heutzutage machen sie beiden das immer noch so?

Nein, in der Halle ist das ja auch ein wenig anders. Da muss man aufpassen und wir sind ja auch alle ein wenig älter geworden. Es geht schon immer hoch her, aber es sollte nicht zu überspitzt gesehen werden.

Im selben Interview erwähnten sie auch, dass sie nicht mehr so viele Kontakte nach Bremen haben, über ihren Abschied sogar sehr enttäuscht waren. Heute treten sie trotzdem für Werder an. Hängt ihr Herz noch am Verein?

Ja, natürlich! Ich hab’ da neun Jahre meines Lebens verbracht, ich habe wunderbare Fußballjahre gehabt und ich habe auch sieben wunderbare Fußballjahre in Gladbach gehabt, natürlich hängt an beiden Vereinen mein Herz. Es ist immer etwas anderes, ob ich mit den Offiziellen von Werder zu tun habe oder ob ich hier mit meinen ehemaligen Kollegen Fußball spielen kann, das sind zwei verschiedene paar Schuhe.

Sie kamen immer über den Kampf ins Spiel und haben immer 100% gegeben. Das sieht man heute nicht mehr so oft. Finden sie es traurig, dass diese Spezies an Spielern ausstirbt?

Etwas schon… Auch für die Fans ist es schade, dass sie sich nicht mehr mit dem einen oder anderen Spieler identifizieren können. Das sehe ich jetzt aus der Entfernung bei vielen Vereinen und du hast kein richtiges Kampfschwein mehr dabei oder jemanden der die Fahne hochhält und auch mal da durchgeht. Es ist schon schade das mit anzusehen.

Barfuß oder Lackschuh… (http://www.youtube.com/watch?v=TglO0t2owgA) Sehr viele werden diesen musikalischen Leckerbissen gar nicht mehr kennen. Wie oft hat sich das Lied damals verkauft?

Ich hab’ keine Ahnung. Das war noch zu meiner Zeit, wo ich auch wirklich viel Unsinn gemacht habe in meinem Leben. Gehört aber auch dazu, zu mir – Uli Borowka. Ich hab’ wirklich keine Ahnung, wie oft sich das verkauft hat. Ich weiß nur, die 2-3 Tage wo die Aufnahmen gemacht wurden, die waren doch schon hammerhart.

Im Lied gibt es die Textpassage „Ich will nun mal kein Leisetreter sein…“ Würden sie rückblickend sagen, sie hätten ab und an mal ruhiger sein sollen oder würden sie alles noch mal genauso machen?

Das eine oder andere hätte ich mit Sicherheit anders machen können. In der heutigen Zeit, wo ich etwas älter bin muss ich vielleicht sogar sagen: machen müssen. Ich habe es aber so gemacht, ich war immer geradeheraus, habe immer meine Meinung gesagt und hab’ das nach Außen auch so vertreten gegenüber den Offiziellen. Hat mir nicht immer Beifall eingebracht, aber ich steh’ dazu. Ich kann heute gerade vor’m Spiegel stehen und schäme mich nicht für Sachen. Ich bin mit mir selber im Reinen.

Nach ihrer aktiven Karriere waren sie bei einigen Vereinen als Trainer tätig, zuletzt vermehrt im Berliner Raum. Wieso kamen irgendwann keine Jobangebote mehr?

Weil ich mich entschieden habe, das nicht mehr zu machen in den dritten, vierten oder fünften Ligen. Ich bin heute nur noch im Jugendfußball tätig, wir trainieren die Kinder auf der AIDA, machen Soccercamps im Erzgebirge und es kommen immer neue dazu. Das macht mir mehr Spaß wie alles andere. Das ist für mich das, was ich liebe.

Europapokalsieg 1992! ©uli-borowka.de

Europapokalsieg 1992! ©uli-borowka.de

Wird ihnen beim Knüpfen von Kontakten heute noch ihre Alkoholzeit vorgehalten, bzw. haben die Leute Hemmungen ihnen gegenüber?

Einige Personen haben Probleme mit meiner Person. Ich trete denen ganz normal gegenüber, so wie ich bin. Aber ich merke, dass viele mehr Probleme damit haben mit mir zu sprechen aufgrund meiner Vergangenheit.

Auf ihrer Homepage sieht man ein Bild von Otto Rehhagel, mit dem Untertitel „Ein großartiger Trainer“. Haben sie noch Kontakt?

Nein. Wir haben keinen Kontakt mehr…

Wie sie eben auch schon sagten arbeiten sie viel mit Kindern und veranstalten Jugendcamps. Was versuchen sie den jungen Leuten dort mit auf den Weg zu geben?

Einfach nur Spaß und Lust an der ganzen Sache. Wenn sie etwas älter sind natürlich auch die richtige Einstellung. In erster Linie will ich aber den Spaß vermitteln und alles andere kommt dann sowieso wenn sie irgendwann älter sind.

Wenn sie dort einen – in dem Alter noch unbekannten – Spieler sehen, der definitiv Potential hat, wen kontaktieren sie dann? Sind zu einem Verein noch besondere Kontakte vorhanden, denen sie Spieler empfehlen?

Natürlich. Es gibt genug, die ich noch aus meiner aktiven Zeit kenne, die heute bei Dritt-, Zweit- oder auch Erstligisten und im Jugendbereich tätig sind. Dann rufe ich mal den ein oder anderen an und der fährt dann hin und guckt sich den ein oder anderen Spieler an.

Bei Wikipedia steht, dass sie Talentsucher beim DFB sind…

Das kam mal durch die Geschichte von Bitburger. Wir haben mal die große Talentförderung mit denen gemacht – in Zusammenarbeit mit dem DFB, die auch riesig angekommen ist. Daraus ist das mal entstanden. Aber ich mache nichts für den DFB und habe auch keinen bestimmten Aufgabenbereich.

Welchen heutigen Werder-Spieler schauen sie sich heutzutage gerne an?

Im Moment keinem! Aber sonst muss ich schon sagen, wenn Pizarro fit ist, macht das schon Spaß ihm zuzuschauen.

Was sagen sie zur aktuellen Werdersituation?

Grauenhaft…