Saisonstart: Who’s hot, who’s not?

08.08.10 | von | Kategorie: Werderspiele | 2 Kommentare

Die Vorbereitung ist seit Samstag beendet. Wenn auch mit einem schlechten letzten Testspielergebnis. Von den neun Spielen wurden sieben gewonnen, gegen Szombathely und Fulham gingen allerdings gerade die beiden letzten Spiele verloren. Vier Spieler waren in allen neun Partien dabei (Fritz, Prödl, Bargfrede & Arnautovic), sechs machten verletzungsbedingt kein Spiel (darunter u.a. Naldo), zwei Testspieler (Barros & Corzo) sowie Futacs haben Werder mittlerweile verlassen. Wer vom aktuellen Kader knapp eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel Hoffnung macht, wer Sorgen bereitet und wer am Ehesten das Zepter in die Hand nehmen kann: who’s hot, who’s not?

In sehr guter Form:

Der Beste der Vorbereitung: Aaron Hunt, der Sonderlob von Allofs bekam und für die Nationalmannschaft nominiert wurde

Der Beste der Vorbereitung: Aaron Hunt, der Sonderlob von Allofs bekam und für die Nationalmannschaft nominiert wurde

Aaron Hunt: letztes Jahr mit Kugel in Köln, diesen Sommer ohne ihn. Geholfen hat die Sondervorbereitung während des Urlaubes aber auch dieses Jahr: Hunt wirkt körperlich topfit, kam in der Vorbereitung gut in Fahrt. So gut, dass er im Training mittlerweile aus 45 Metern Entfernung trifft, für die Fulham-Leistung von Allofs Sonderlob bekam und ein Vorschwärmen von Schaaf im Telefonat mit Bundestrainer Löw. Seine DFB-Nominierung gab es zu Recht, den Stammplatz zu Saisonbeginn wird man ihm nur sehr schwer wegnehmen können.

Clemens Fritz: Fritz und Prödl begannen als einzige Spieler alle neun Testspiele. Der 29jährige hat darin schon wieder diverse Bälle abgelaufen, aber auch offensiv gute Szenen gehabt. Er knüpft bisher an die Leistungen der letzten Saison an und ist auf rechts nicht nur gesetzt, sondern in der Viererkette bisher der beste Bestandteil.

In guter Form:

Felix Kroos. Ayik, Testroet, Perthel? Nein, der kleine Kroos (dessen Bruder Toni hier nicht erwähnt wird) ist der einzige Feldspieler aus der U23-Planung, der weiterhin bei den Profis weilt. Spielerisch erinnert der Offensivmann an Hunt, weswegen Schaaf nicht nur Gefallen an Kroos hat, sondern dem jungen Greifswalder gleich die Hunt-Entwicklung im Schnelldurchlauf durchmachen ließ: ganz vorne in der Spitze machte Kroos kein einziges Spiel, sein festes Zuhause ist ab sofort das Mittelfeld. Aufgrund des späten Trainingseinstiegs von Marin und Özil dürfte er zu Saisonbeginn eine Alternative nicht nur auf, sondern von der Bank sein.

Philipp Bargfrede: der Wasserträger Nummer eins soll den nächsten Schritt machen, dabei aber seine Leistung der Vorsaison nicht nur bestätigen. “Nächster Werder-Nationalspieler” sagt Allofs, prophezeit auch das erste Bundesligator für den 21jährigen. Letzteres passt auch zu seiner aktuellen Entwicklung: mehr Achter im Sechser. Bargfrede spielte in der Vorbereitung nicht nur mehr mit, sondern kurbelte auch an. Sein Platz in der Startelf hat den Status “gefestigt”.

Hugo Almeida: gefühlte zwei Stunden war Almeida gerade wieder beim Team, da lief er schon wieder mit Endgeschwindigkeit dem Ball im Testspiel hinterher. Körperlicher Hugo-Standard: in guter Verfassung. Auch spielerisch auf der Höhe (drei Torvorlagen). Zeigte gegen Fulham, dass er Torriecher hat, lediglich das Tore schießen scheint ihm noch zu stinken. Nur ein Treffer in der Vorbereitung, bei sechs Spielen. Dafür hätte er allein gegen Fulham seinen Toreschnitt deutlich verbessern können.

Markus Rosenberg: mit fünf Toren und vier Vorlagen mit Abstand Topscorer der Werder-Vorbereitung, gegen Fulham jedoch 90 Minuten auf der Bank. Der Schwede hat keine Zukunft mehr Werder, präsentiert sich aber immerhin in durchaus guter Verfassung und lockt so hoffentlich Interessenten für einen kurzfristigen Transfer.

Sandro Wagner: physisch und spielerisch auf der Höhe, hatte gute Szenen in der Vorbereitung und zeigte, dass er kein Sturmschrank ist, den man vorne anschießen muss. Aktuell ein Kandidat, der von der Bank kommt.

Durchschnittliche Form:

Tim Borowski: Machte sechs der neun Vorbereitungsspiele, alle von Beginn an. Fehlte zwischenzeitlich grippekrank und musste bei seinem engagierten Auftritt gegen Fulham früh angeschlagen vom Platz. Borowski ist in keiner schlechten Verfassung, drängte sich aber bisher auch nicht so stark auf, dass er sich in die Stammelf gespielt hat. Aufgrund der späten Vorbereitungseinstiege von Marin, Frings und Jensen ist Borowski allerdings doch nah an der ersten Elf und im Gegensatz zu Jensen auch insoweit in Form, dass er wohl im DFB-Pokal Frings ersetzen wird.

Petri Pasanen: die Vorbereitung war eigentlich typisch: über viele Spieler wird gesprochen, über Pasanen nicht. Er machte seinen Job meist solide, offenbarte ab und an Abstimmungsprobleme, da er zwischen Links- und Innenverteidigerposition rotierte. Wie sich der Finne in Kürze im Ernstfall machen wird: offen. Wahrscheinlich so, dass wieder niemand danach darüber sprechen wird.

Torsten Frings: El Capitano ist nach seiner Verletzung im Rückstand bei der Vorbereitung, konnte nur bei den letzten beiden Testspielen auflaufen. Ist allerdings bis in die Haarspitzen motiviert und in ansprechender Verfassung. Einzig die Fitness wird wohl einen 90 Minuten-Einsatz verhindern. Da kommt es nicht ungelegen, dass das erste Spiel (DFB-Pokal) aufgrund seiner roten Karte aus dem Endspiel ohne ihn statt findet.

Claudio Pizarro: für den Peruaner ist eine Vorbereitung eine Vorbereitung: Gegen Hintertupfingen und Klein Kennstenich wird der clevere Pizarro sicher nicht unnötig Energie verschwenden. Er spielt sich ein, kommt ins Laufen. Man sieht ihm an: wenn es drauf ankommt, kann er drei, vier Gänge hoch schalten. Fiel daher in den Testspielen auch nicht großartig auf, das wird aber beim gesetzten Stürmer anders werden, wenn es vor allem bei den Spielen gegen Sampdoria Genua um viel geht.

Per Mertesacker: “Ich muss ja auf meiner Position nicht so viel laufen” sagte Merte heute bezüglich seines Fitness-Rückstands. Wäre der nicht, könnte man den Abwehrspieler auch schon eine Stufe höher stellen, denn sein (leider einziger) Testspiel-Einsatz verlief gut: zusammen mit Prödl bildete er in der ersten Halbzeit gegen Fulham eine gute Innenverteidigung.

Sebastian Prödl: Der Prödler spielte viel, musste Naldo vertreten. Hatte mal Pasanen als Nebenmann, mal Niemeyer, zuletzt Mertesacker. Dazu wechselnde Partner auf Linksaußen. Der Start in die Vorbereitung war durchwachsen, er kam schwer in Gang. Positiv: die erste Halbzeit gegen Fulham neben Mertesacker, da zeigte der Österreicher endlich Ansätze von dem, was Schaaf von ihm fordert und Werder von ihm benötigt. Gerade jetzt, wo Naldo fehlt.

Stark begonnen, jetzt müde Beine: Marko Arnautovic

Stark begonnen, jetzt müde Beine: Marko Arnautovic

Nicht gut in Form:

Marko Arnautovic: zu Beginn der Vorbereitung zwei oder drei Kategorien vorher zu finden, zeigte starke Aktionen und lief auch defensiv viel. Seitdem aber etwas aus dem Spiel, vor allem aufgrund seiner körperlichen Verfassung. Die brachte er heute kurz und knapp auf den Punkt: “Fit, aber müde”. Wird zu Saisonbeginn daher eventuell von der Bank kommen, könnte allerdings von der Fitness-Situation bei Özil und Marin profitieren. Ist das körperliche Zwischentief überwunden, deutet alles auf ein Durchstarten hin.

Said Husejinovic: hat weiterhin nur Wirkung im Dribbling, danach wird es eng. Sehr eng. Auch für den Kader. Huse braucht Spielpraxis und eine letzte Chance, um zu zeigen, dass er im Spiel außerhalb des 1gegen1 tatsächlich brauchbar werden kann. Seinen Kaderplatz dürfte Kroos inne haben, ein Wechsel vor Transferschluss ist wahrscheinlich.

Peter Niemeyer: spielte sich nicht ins Team, zeigte durchschnittliche Leistungen, mit einem negativen Ausreißer zu Beginn der Vorbereitung, in dem ihm überhaupt nichts gelang. Gegen Fulham saß er wie Rosenberg 90 Minuten auf der Bank, seine Zweikampfstärke wird er aller Vorraussicht nach in Kürze bei Hertha BSC einsetzen können. Die benötigen seine Stärken mehr als dringend.

Marko Marin: gegen Fulham lief für den laufenden Meter gar nichts zusammen. Seine gefährlichen Dribblings wurden zur Fahndung ausgeschrieben. Zuletzt gesehen wurden sie allerdings ein Spiel vorher, bei dem gefühlt jeder Angriff über Marin lief, bis der Duracell-Hase heiß gelaufen war und sich abkühlen durfte. Braucht aktuell ein funktionierendes Mittelfeld, dann wird er relativ schnell wieder in Form kommen.

Sebastian Boenisch: fehlte wegen einiger Kleinigkeiten (zuletzt Wadenprobleme) fünf Spiele, konnte während seiner Einsätze auf der LV-Position keine Werbung für sich betreiben. Muss sich auf links hinter Petri anstellen, sollte der nicht in der Innenverteidigung benötigt werden.

Sebastian Mielitz: Miele hatte gute Szenen, aber auch einige Unsicherheiten. Ein leicht stottriger Beginn für den aktuellen Wiese-Vertreter.

Tim Wiese: fünf Gegentore in 45 Minuten. Unglückliches Rauslaufen beim zweiten Gera-Tor. Dazu war das Fulham-Spiel sein erster und einziger Testspiel-Einsatz. Aber Spaß beiseite, so richtig außer Form ist Wiese nicht, präsentiert sich physisch nach der WM in guter Verfassung. Aber: hatte gegen Fulham so gut wie keine Chance sich auszuzeichnen, man wünscht ihm daher umso mehr 90 Minuten im Länderspiel gegen Dänemark, da aktuell jede Spielpraxis hilfreich ist, damit Wiese wieder richtig in Fahrt bzw. eben “in Form” kommt. Aber sollte die Nationalelf defensiv patzen, dann bitte nicht so heftig wie Werder gegen Fulham. Warmschießen ist willkommen, abschießen hatten wir schon.

Schlüsselspieler fehlen oder sind nicht in Form, er ist mehr im Fokus: Philipp Bargfrede

Schlüsselspieler fehlen oder sind nicht in Form, er ist mehr im Fokus: Philipp Bargfrede

Außer Form:

Daniel Jensen: kommt nach WM und Verletzung nur sehr schwer in Tritt. Gegen Fulham mit einer unterirdischen Vorstellung. Jensen braucht noch Zeit, um sprichwörtlich ins Laufen zu kommen. Vor allem muss er dabei fit bleiben.

Mesut Özil: gegen Fulham gelang ihm nichts. Lediglich ein schicker Ballwechsel erinnerte an den WM-Özil. Die schaaf’sche “Einige müssen wieder mit dem Kopf bei Werder sein” galt wohl (auch) dem Fremdflirter. Sollte er bleiben, muss man abwarten, wie schnell Özil nach dem zweiten Turniersommer ohne große Pause in Fahrt kommt. Nicht nur physisch und spielerisch.

Verletzt:

Christian Vander: hat die gesamte Vorbereitung aufgrund einer Schambeinverletzung verpasst.

Naldo: hat die gesamte Vorbereitung aufgrund einer mysteriösen Knieverletzung verpasst. Gesucht: ein Doktor mit der Patentlösung für die Probleme. Geboten: Heldenstatus nach erfolgreicher Behandlung.

Niklas Andersen: hat die gesamte Vorbereitung aufgrund einer Leistenverletzung verpasst.

Kevin Schindler: hat die gesamte Vorbereitung verpasst, befindet sich aktuell in der Reha.

Jose-Alex Ikeng: hat die gesamte Vorbereitung verpasst, befindet sich aktuell in der Reha. Und nicht mehr wirklich im Profikader.

Florian Trinks: hat die gesamte Vorbereitung aufgrund einer Schambeinverletzung verpasst.

Die U23 muss warten, er bleibt noch bei den Profis: Felix Kroos

Die U23 muss warten, er bleibt noch bei den Profis: Felix Kroos

U23:

Onur Ayik: ist noch nicht in Fahrt, allerdings in der U23 bisher ohne die große Unterstützung und Eingespieltheit im offensiven Mittelfeld.

Dominik Schmidt: machte nur ein Spiel in der Vorbereitung, fiel dann verletzt aus. Mittlerweile wieder Stamm bei der U23, allerdings mit unberechtigtem Platzverweis am Wochenende.

Leon Balogun: bekam im ersten Testspiel gleich die Kauleiste demoliert und fiel den Rest der Vorbereitung aus. Mittlerweile wie Schmidt in der U23-Elf, allerdings noch nicht in Form.

Timo Perthel: nach 4 Testspielen vor den Härtetests ging es für ihn zurück zur U23. Spielte die letzten beiden Spiele dort nicht mehr in der Viererkette, sondern war zurück im Mittelfeld. Auch, weil der verletzungsdezimierte Kader keine Alternativen im Mittelfeld neben Ayik mehr hatte.

Felix Wiedwald: “WiedWall” taucht mittlerweile in Männerträumen auf. Und das nicht im positiven Sinne. Nein, es geht um Albträume. Entnervt hat er in der kurzen Drittligasaison schon diverse Stürmer, hielt gegen Erfurt auch in souveräner Manier einen Elfmeter.

Lennart Thy: seinen ersten Saisontreffer in der dritten Liga hat er bereits auf dem Konto, ansonsten hängt er wie gesamte U23-Offensive noch etwas in der Luft. Wird in den nächsten Monaten im Durchsetzungsvermögen aufholen (müssen).

Pascal Testroet: siehe Thy, dazu bisher ohne Treffer, aber mit zwei sehenswerten Torvorbereitungen.

Aussicht:

Prognose für das erste Spiel gegen RW Ahlen: Werder wird mit zwei Stürmer starten. Im Tor natürlich Tim Wiese, die Abwehrkette mit Pasanen und Fritz außen, Mertesacker und Prödl innen. Zentral-defensiv Bargfrede und Borowski, davor Hunt. Im Sturm Pizarro und Almeida. Das einzige Fragezeichen ist der Platz im offensiven Mittelfeld an der Seite von Aaron Hunt. Kandidaten: Marin, Özil, Arnautovic. Einwechseloptionen neben zwei der drei Offensiven wären defensiv Boenisch und ganz vorne Wagner.

Rund läuft es noch nicht bei Werder, Spielpraxis in der Nationalmannschaft sowie Ahlen als hoffentlicher Aufbaugegner könnten allerdings rechtzeitig das ersetzen, was den Grün-Weißen in der aktuellen Situation fehlt: Zeit.

Alle Fotos vom Trainingslager auf Norderney sind hier (2e14 bei Flickr) zu finden.

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