Wenn Mesut Hugo wäre
22.06.10 | von MaxUnknown | Kategorie: Spieler | 6 KommentareDer meistdiskutierteste Bremer dieser Tage ist, natürlich und wer auch sonst, Mesut Özil. Der 21jährige macht bei der Weltmeisterschaft in Südafrika auf sich aufmerksam, gerade nach dem Spiel gegen Australien schwärmte die internationale und besonders die englische Presse von Özil. Der bleibt bei Werder und geht nicht nach der WM zu einem Premier League-Topklub? Nein, nicht vorstellbar. 10 Millionen, 20 Millionen? Ach was, da ist noch mehr drin. Sollte Deutschland den Titel holen, die Ablösespekulationen werden wohl dreistellig.
Doch obwohl Werder einen solchen talentierten und eventuell sogar den talentiersten Fußballer der Vereinsgeschichte unter Vertrag hat, sind die Liebesbekundungen der Fans verhalten. Na gut, er ist nicht so breit grinsend wie Naldo, nicht so temperamentvoll wie Diego, nicht so fußballkulturgöttlich wie Micoud und auch nicht so cool wirkend wie Hugo Almeida, aber sein Potential ist zu erkennen, große Leistung für Werder hat er ebenfalls schon gebracht. Doch gerade beim letzten Vergleich mit Hugo Almeida (oder singen: HuHugo Almeida) werden die Unterschiede deutlich: der wird mittlerweile geliebt, Özil gerade nach seinen Formproblemen Anfang der Rückrunde kritisch beäugt.
Und der Unterschied wird noch größer und wirft eine Frage auf: warum nehmen so viele Werder-Fans eigentlich Özil etwas übel, thematisieren aber so gut wie nie das gleiche Thema/Verhalten bei Almeida?
Ein Blick auf die Situation der beiden (Noch-)Bremer zeigt die Gemeinsamkeiten auf:
1) Özils Vertrag läuft im Sommer 2011 aus, er wäre dann ablösefrei und würde nur noch diesen Sommer eine vermutlich stattliche Ablöse (geschätzte 15 Mio.) bringen. Aber auch Almeidas Vertrag läuft 2011 aus und auch er würde nur noch diesen Sommer Geld in die Bremer Kasse spülen. Und auch hier sind geschätzte 8 Mio. Euro alles andere als wenig. Und auch alles andere als nicht nötig für Werder.
2) Mit beiden Spielern möchte Werder gerne verlängern. Beide Spielern weigern sich bisher. Und hier gibt es bei der Gemeinsamkeit sogar noch einen Unterschied, den man pro Özil auslegen könnte: während man zwar sagen kann “dort laufen die Gespräche ein Jahr ohne Ergebnis” muss auch erwähnt werden, dass überhaupt Gespräche laufen. Von Almeida werden Gespräche über eine Vertragsverlängerung seit Monaten komplett abgeblockt.
3) Özil hat eventuell die Möglichkeit, bei einem größeren Klub zu spielen, könnte sich also sportlich und auch finanziell deutlich verbessern. Das Gleiche kann auch Almeida, der als Stammspieler bei einem neuen Klub sich ebenfalls verbessern würde und finanziell bspw. bei einem Wechsel nach England sicherlich nicht weniger als bei Bremen verdienen könnte.
4) Özils Berater Reza Fazeli wird oft von Werder-Fans als Hauptgrund für die Nicht-Verlängerung gesehen. Er sei es, der Özil von einer Verlängerung abhalte. Genau das macht aber der ebenfalls als harter Verhandlungspartner bekannte Jorge Mendes von der großen Agentur Gestifute (vertritt u.a. Cristiano Ronaldo) bei Almeida ebenfalls und nahm bisher nichtmals Gespräche mit Werder auf um sich anzuhören, was man sich in Bremen vorstellt.
5) Beide Spieler sprachen in den vergangenen Monaten von Zielen wie “irgendwann mal im Ausland” zu spielen, aber ansonsten “sehr glücklich bei Werder” zu sein. Özil wird natürlich deutlich öfter interviewt und vielleicht hat so mancher auch die drei Textbausteine “Das freut mich natürlich”, “Auf jeden Fall” und “Ich hab Vertrag bis 2011″ über, trotzdem sprach bisher keiner der beiden von “Ich will weg!”.
Die Kritik, und dies teils sehr deutlich inkl. “hoffentlich wechselt der bald!”-Wünschen, verteilt sich zu 95% auf Mesut Özil, zu 5% auf Hugo Almeida. Und das ist schon großzügig pro Özil geschätzt. Nur stellt sich die Frage: warum? Weil Almeida der sympathischere Spieler ist?


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Sehr gut Max. Trifft es genau. Und dabei ist Hugo der deutlich schwächere Spieler. Hat es nie geschafft sich durchzusetzen. Und mesut?
‘Nur stellt sich die Frage: warum? Weil Almeida der sympathischere Spieler ist?’ Nein, die stellt sich nicht. Özil steht im Brennpunkt der Diskussionen, weil er von weit größerer Bedeutung für den Verein und praktisch unersetzlich ist. Wenn Almeida geht, verlieren wir einen sympathischen Spieler, der ab und zu wichtige Jokertore macht. Wenn Özil geht, muß Werders Tormaschine wegen Sand im Getriebe zum Kundendienst. Trotzdem finde ich, daß Özil aufgrund des völlig normalen und nachvollziehbaren Geschäftsgebarens seines Beraters und aufgrund der gekränkten Fanseele viel zu schlecht in den Diskussionen wegkommt – deshalb mal wieder: guter Blog, Max!
ich weiß nicht ob man beide fälle so vergleichen kann.mesut ist absoluter Stammspieler Hugo wohl eher nur im erweiterten kreis der 1. 11.Ich kann Hugo schon verstehen nicht blindlings zu verlängern denn sollten wir weiterhin mit nur einer spitze spielen die wohl immer Pizarro heissen wird,wird sich seine spielzeit wohl nicjt unbedingt verlängern.dass er sich da die möglichkeit offen halten will sich zu verändern kann ich ganz gut nachvollziehen.
Sehr schöner Beitrag mal wieder! Meiner Meinung nach kommt Hugo nicht nur im Vergleich mit Özil in der öffentlichen Meinung viel zu gut weg, sondern auch im Vergleich mit so ziemlich jedem anderen. Hugo hat sicher seine Qualitäten, er hat wichtige Tore geschossen und ist sympathisch – alles unbestritten, aber fußballerisch ist und bleibt er limitiert und er hat sich in diesen Belangen auch einfach nicht weiterentwickelt, seit er bei uns ist.
Genau aus diesem Grund konnte ich auch das “Hugo-Gehype” und “Rosenberg-Gebashe” in der letzten Saison nicht nachvollziehen. Beides sind mehr oder weniger durchschnittlich gute Stürmer, die – wenn sie persönlich gut in Form sind – für um die 10 Tore pro Saison gut sind. Klar sind beide von der Anlage her grundverschieden, aber an der generellen Durchschnittlichkeit ändert das leider nichts.
Ich will hier jetzt keine große Diskussion lostreten, aber wenn wir für Hugo (ähnlich wie für den Eisverkäufer) in diesem Jahr gutes Geld bekämen, wäre es nur gut ihn abzugeben. Menschlich wäre es schade, weil wir einen netten Spieler verlören, fußballerisch haben wir mit Arnautovic und Wagner sicherlich ähnliches Potential in den Startlöchern.
Ich finde Frage zum Schluss eigentlich falsch. Meiner Meinung nach hält sich die Kritik an Hugo gerade noch im Rahmen und Özil sollte man genau so behandeln, nicht den einen mehr und den anderen weniger kritisieren. Beide machen das normalste von der Welt im Profifußball, dass sie erst nach einem großen Turnier sich über ihre Zukunft Gedanken machen wollen. Das ist zum Teil auch ein Risiko das sie selber tragen und nicht nur Abzocke…hätte ja auch nach hinten losgehen können, wenn Özil zum Beispiel ein Totalausfall gewesen wäre. Dann würden sicher nicht so tolle Angebote kommen und auch Bremen sich nicht besonders unter Druck sehen das Gehalt extrem zu erhöhen. Mesut wird da auch gerne mit Borowski oder Diego verglichen, aber die hatten auch nicht so eine Wechselkonstellation mit einer anstehenden Weltmeisterschaft. Sonst hätten die sich vielleicht auch anders verhalten.
Ich finde auch solche Aussagen wie die von Frings zum Kotzen, dass Mesut Bremen gegenüber dankbar sein müsste, weil wir ihn aus Schalke raus geholt haben. Ich denke Özil gibt Werder genug zurück und einen Einkauf für 5 Mio nur zwei Jahre später für 25 Mio. wieder verkaufen zu können ist auch nicht das schlechteste was Bremen passieren kann. Und andersrum zeigt sich Werder bei Spielern, mit denen sie nicht zufrieden sind, auch nicht übermäßig dankbar, wie bei Rosenberg oder Harnik, sondern versucht die zu verkaufen. Ist ja auch normal im Profigeschäft, aber andersrum müssen Profis dann auch sehen wo sie bleiben und es ist wohl vollkommen legitim, dass sie auch versuchen das beste für sie rauszuholen.