Abschied #1: Harnik zum VfB Stuttgart

06.05.10 | von | Kategorie: Spieler | 5 Kommentare

Bei diversen Spielern gibt es Spekulationen um einen Abgang, bei einigen ist es wohl nur eine Frage der Zeit bis zur Bekanntgabe des Wechsel und beim ersten Spieler ist es nun endgültig klar: Martin Harnik wird in der kommenden Saison für den Erstligisten VfB Stuttgart auflaufen. Oder sich zumindest im Training soweit reinhängen, dass man ihn auflaufen lässt.

Der in einem Monat seinen 23. Geburtstag feiernde Harnik spielt in dieser sich dem Ende neigenden Saison für den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf. Der Traditionsklub war gerade aus der dritten Liga aufgestiegen, lieh Harnik für eine Saison aus und war auch dank seiner Tore nah dran am Durchmarsch in die erste Liga. Geklappt hat das leider nicht. Und daher wird Harnik wechseln. Schon in der Winterpause hatte sich der Deutsch-Österreicher dazu entschieden, in der kommenden Saison wieder erstklassig zu spielen, machte zuletzt aber klar, dass dies nur im Fortuna-Trikot passieren wird, wenn das Team aufsteigt.

Das passierte nicht, Harnik orientierte sich anderweitig. “Die halbe Liga” sei hinter ihm her. Berichtet wurde über das Interesse vom 1.FC Kaiserslautern, Borussia Mönchengladbach sowie der TSG Hoffenheim. Ein öffentlich bestätigtes Angebot vom FC St. Pauli lag vor, Harnik äußerte sein Interesse, doch dessen Berater äußerte sich am Wochenende gegenüber Hamburger Medien, dass sein Klient nicht zurück in seine Heimatstadt Hamburg wechseln werde.

Von Bremen über Düsseldorf nach Stuttgart: Martin Harnik ©werderfotos.de

Von Bremen über Düsseldorf nach Stuttgart: Martin Harnik ©werderfotos.de

Harniks neuer Klub: der VfB Stuttgart. Die Schwaben werden die Verpflichtung nach dem letzten Spieltag bekanntgeben. Harnik bekommt einen Vertrag bis zum Sommer 2013, mit beidseitiger Option für eine weitere Spielzeit. Die Ablöse beträgt “nur” 300.000 Euro – die verankerte fixe Ablöse, als Harnik im August letzten Jahres seinen 2010 auslaufenden Vertrag um ein Jahr verlängerte. Zudem partizipiert Werder laut Klaus Allofs bei einem eventuellen Weiterverkauf an der Ablöse. Marktüblich wären circa 20 Prozent.

Warum die Wahl überhaupt auf Stuttgart fiel? Und warum nicht auf den FC St. Pauli? Bei den Hamburgern könnte er zwar ebenfalls erste Liga spielen, sich aber schnell wieder in der zweiten Liga wiederfinden. Da nimmt er anscheinend auch in Kauf, dass die Stammplatzmöglichkeiten bei den Stuttgartern schlechter sind. Platz im Kader ist aber trotzdem: sicher im Stuttgarter Sturm sind neben Harnik nur Langzeittorverfehler Ciprian Marica, der unter Christian Gross aufblühte, sowie Cacau, dem nach Sonderpuderung dann doch nach einer Verlängerung war. Julian Schieber wird vermutlich an einen Erstligaverein der Kategorie Nürnberg/Bochum bzw. an einen Aufsteiger wie Kaiserslautern verliehen. Der mehr Flop als Top-Stürmer Pogrebnyak kann gehen, wenn Horst Heldt einen passenden Nachfolger findet, der idealerweise besser einschlagen könnte. Also drei Konkurrenten im Sturm – und eine unbekannte Anzahl an Konkurrenten auf der Außenbahn. Denn auch das wird in der Überlegung eine Rolle gespielt haben: Stuttgart spielt mit zwei zentral-defensiven Mittelfeldspielern und zwei offensiven Außen hinter den Spitzen. Harnik kann diese Rolle interpretieren (“Ich möchte mich auf keine Position festlegen”), bis auf seinen Torjägerdurchbruch in Düsseldorf dachte man, dass er dies sogar deutlich besser kann als in der Sturmspitze sein Glück zu versuchen. Und wirklich sicher ist beim VfB bisher nur Timo Gebhart auf dieser Position für die kommende Saison, Alex Missverständnis-Hleb und Roberto Hilbert werden den Verein verlassen.

Ob sich Harnik bei den Schwaben durchsetzen wird? In der zweiten Liga trumpfte er groß auf, traf in 29 Spielen insgesamt 12mal, ist allerdings schon neun Spiele ohne Treffer. In Bremen konnte er sich bei den Profis trotz vieler Versuche nicht durchsetzen. Es mangelte sprichwörtlich am Durchsetzungsvermögen. Manchmal traf er das Tor nicht, ein anderes Mal war er zu sehr Außenspieler und im Spielsystem ohne Platz. Am Ende der Werder-Zeit stehen für Harnik nur 17 Bundesliga-Einsätze und ein Treffer. Hinzukommen sechs Spiele im Europapokal (kein Tor) sowie insgesamt 57 Spiele (16 Tore) für U23 und ein Spiel (inklusive Torerfolg) für die U19.

Das einzige Bundesligator Harniks war übrigens ein Wichtiges: er markierte am 3. Spieltag der Saison 07/08 gegen Nürnberg den 1-0 Siegtreffer, acht Minuten nachdem er eingewechselt wurde. Wichtig auch, weil Werder am ersten Spieltag gegen Bochum nicht gewonnen konnte und am zweiten Spieltag gegen Bayern zuhause mit 0-4 unterging.

Harnik kam im Januar 2006 aus der U19-Mannschaft des SC Vier- und Marschlande, blieb bis zum August 2009 in Bremen. Nach dem ersten Winken aus Düsseldorf folgen nun der endgültige Abschied und die Postkarte aus Stuttgart. Viel Glück im Schwabenländle, Martin Harnik.

Abschied #1 ist vollzogen, #2 folgt in Kürze.