Jens Lehmann, die Supernanny

25.10.09 | von | Kategorie: Fußball allgemein | 7 Kommentare

Jens Lehmann wird höchstwahrscheinlich in Kürze ein Buch rausbringen, wir empfehlen den Titel “Die Supernanny”. Alternativ dazu “Der Lehmann ist dem Erziehung sein Tod” oder, Eckhart von Hirschhausen möge uns verzeihen, “Der Lehmann wächst mit seinen Aufgaben. Nicht.” Allerdings hofft wohl mittlerweile der Großteil Fußballdeutschlands auf die Expedition Lehmanns auf dem Jakobsweg und ein schönes “Ich bin dann mal weg. Ganz weit”. Wir blicken nicht nur auf den Fußballer, sondern vor allem auf den Erzieher Jens Lehmann.

Seit Ende der WM 2006 und vor allem seit seinem Wechsel zurück nach Deutschland sorgt Jens Lehmann höchstselbst dafür, dass er immer mehr an Sympathie einbüßt gewinnt. Noch nie wurde jemand gerne gesehen, der immer mit dem Finger auf Andere zeigt, um direkt danach genau diesen Leuten ein schlechtes Vorbild zu sein. Zum Glück ist Jens Lehmann nicht so.

Am gestrigen Samstag sorgte Lehmann dann für ein Highlight dieser Saison. Zuerst war es ein Balljunge von Hannover 96, der gerne in die Saisonrückblicke der laufenden Spielzeit aufgenommen werden wollte, als er Lehmann den Ball zu hoch zuwarf, so dass dieser etwas bedröppelt aussah, als das Runde über seinen Kopf segelte. Später aber wollte es sich der Stuttgarter Torhüter nicht nehmen lassen, den 14jährigen wieder aus dem Rampenlicht zu nehmen und gleichzeitig den Schatten für ihn noch größer zu machen.

Der Presse hauchte die Supernanny folgende Worte in die Mikrofone: “Ich muss jetzt gehen. Ich muss nach Hause, meine Kinder gut erziehen, damit die sich korrekt verhalten.” Und Erziehen sowie Vorbild zu sein sind bekanntlich die Stärken des Torhüters, ganz bestimmt.

Da hätten wir den pädagogisch wertvollen Schuhwurf im Spiel gegen die TSG Hoffenheim, als er den Fußballschuh von Sejad Salihovic aus der Gefahrenzone entfernte und ihn auf sein eigenes Tor warf, damit sich niemand außerhalb des Platzes daran verletzen konnte. Das Festhalten des Pressefotografen in Hannover, der sonst sicherlich unglücklich gefallen wäre. Die Rettung der Ehe von Mitspieler Khalid Boulahrouz, als er diesem im Europapokalspiel das Stirnband vom Kopf riss. Nur wenige wussten, dass Boulahrouz’ Ehefrau dieses modische Haarband überhaupt nicht mochte und mit Auszug aus der gemeinsamen Wohnung drohte.

Letzte Saison lobte Lehmann Dr. Felix Brych beim Auswärtsspiel in Dortmund mit einer Geste, dass der Schiedsrichter ordentlich was in der Birne hat, was unverständlicherweise viele Fans als “Vogel zeigen” auffassten.

Doch wahrscheinlich sind auch diese mittlerweile von Lehmann erzogen worden und wissen nun besser, worauf es ankommt. Für solche Erziehungsmaßnahmen ist sich der Torhüter auch nicht zu schade, direkt an die Brandherde der Gesellschaft zu fahren, um aufzuklären. So war er dieses Jahr beim Oktoberfest in München, auch wenn der Verein selber sich nicht so sozial zeigen wollte, wie es ein Sportsmann und Pädagoge wie Lehmann von Natur aus bevorzugt.

In den Geschichtsbüchern der Bundesliga steht er übrigens auch. Das sollte für jeden jungen Torwart ein Ziel sein, es ihm nachzutun. Dass Lehmann dabei den Rekord an gelben Karten für einen Torhüter hält, liegt nur an seinen 2,5 Mio. Bundesligaspielen, weswegen er im Übrigen sogar im Durchschnitt die wenigsten Karten kassiert. Ganz bestimmt.

Apropos Karten: aus Fürsorgepflicht unterstützt er von Zeit zu Zeit das Schiedsrichtergespann und macht sie darauf aufmerksam, wenn sie aus Versehen vergessen haben, einem Lehmann-Gegenspieler eine solche Karte zu zeigen. Auch das machen nur die wenigsten Fußballprofis. Und die wenigsten Fußballprofis kümmern sich auch während des Spiels noch um junge Fans, wie bspw. den kleinen Marko aus Bremen. Der hatte sich nach einem Sturz auf Lehmann mit den Beinen verkeilt, so dass der VfB-Keeper ihn nur mit einem ordentlichen und couragierten Tritt vor einem Drehwurm, Bänderriss und schlechter Erziehung retten konnte. Zivilcourage.

Noch zu seiner Arsenal-Zeit bescheinigte u.a. der Daily Star Lehmann sogar deutlich weibliche Züge, denn Frauen haben anscheinend die größere soziale Ader. Dass er damals schon mit Fans Fußballvideos drehte, kann aber bisher nicht bestätigt werden.

Nachfolgend noch ein kleiner Auszug von sozialen Wohltaten aus seiner Zeit in England (bei 0:24 verhindert er bspw. heldenhaft, dass ein Tottenham-Spieler auf eine Ameise tritt und diese sowie sich dabei schwer verletzt):

Gerüchten zufolge versucht er übrigens seinem Freund Markus B. aus S. einen Fortbildungslehrgang ohne Störungen zu ermöglichen, in dem er durch eigene “Leistung” dessen Vorgesetzten für eine Freistellung des Markus B. begeistern möchte. Selbstlos. Sozial. Eben Lehmann. Trotz eigenem Hubschrauber ist er nicht abgehoben. Wir hoffen auf noch viele Jahre mit Jens Lehmann im Stuttgarter Tor. Und viele weitere kleine Dinge, die uns die Supernanny Jens Woche für Woche leert lehrt.

So geht Erziehung heute.

[MaxUnknown]

Edit 13.12.2009: Update hier im Blog