Tod auf dem Fußballplatz

07.10.09 | von | Kategorie: Allgemeines | 6 Kommentare

“Fußball ist die schönste Nebensache der Welt”. Und sie wird auch auf ewig nur eine Nebensache bleiben, wenn man im Umfeld des Fußballs mit den Hauptsachen des Lebens konfrontiert wird. Vor allem, wenn dies die negativen Ausmaße sind.


Tod auf dem Fußballplatz

Es ist Dienstag, der 6. Oktober 2009. Nach einem stressigen Arbeitstag gehe ich zum Training, um mich zu entspannen. Während wir uns umziehen, arbeiten wir das enttäuschende Unentschieden vom Wochenende auf. Die meisten gehen vorweg, ich bin mit 2 Mannschaftskollegen der Letzte auf dem Weg zum Fußballplatz, ins Fachsimpeln vertieft. Wir teilen uns das Spielfeld mit einer anderen Mannschaft doch als wir auf dem Platz ankommen, bewegt sich niemand, meine Mannschaft steht zum Großteil mit Spielern der anderen Mannschaft am Seitenrand. Ein Blick nach links – und dann der Schock. Ein Spieler liegt in stabiler Seitenlage auf dem Platz, um ihn herum knien 3 Männer und kümmern sich um ihn. Als ich versuche, möglichst ohne Blick auf den am Boden Liegenden auf unsere Seite des Feldes zu gehen, wird der junge Mann wieder aus der stabilen Seitenlage auf den Rücken gedreht. „Mach’ jetzt nicht schlapp, Junge!“ ist das einzige, was man hört. Man fühlt keinen Puls mehr, mit der Herz-Lungen-Massage wird begonnen. Einige laufen zum Straßenrand, um den bald kommenden Notarzt und Krankenwagen einzuweisen. Ansonsten passiert nichts, 30 Männer sind auf dem Platz, niemand sagt ein Wort, keiner außer den bereits Helfenden kann etwas Nützliches tun, außer den Freunden, die ebenfalls zur Mannschaft gehören, Trost zu spenden.

Dann endlich der Krankenwagen. Was unternommen wird, kann ich nicht sehen, will ich auch gar nicht. Das einzige, was man erkennen kann, ist die ununterbrochene Herz-Lungen-Massage. Es vergehen Ewigkeiten. Dann tauchen aus der Dunkelheit 2 Personen auf, es sind seine Eltern. Total gefasst stellen sie sich daneben, die Mutter erzählt etwas von Bauchschmerzen, hofft, dass es kein Blinddarmdurchbruch ist. Erst nach etwa 20 Minuten ist er transportierfähig. „Kann ich mitfahren?“, fragt die Mutter. Sie fährt nicht mit. Mit ihrem Ehemann fährt sie ins Krankenhaus hinterher. Während sich meine Mannschaft sammelt, gehen die anderen bereits vom Platz. Wir stehen alle mit gesenktem Kopf auf dem Platz, keiner kann fassen, was dort gerade passiert ist. An Training ist natürlich nicht mehr zu denken und schließlich gehen wir vom Platz. Dass es einmal in der Kabine so still sein könnte, hätte ich nie gedacht.

Ohne es zu wissen ist für mich klar: es war nicht der Blinddarm, sondern das Herz. Ich denke dabei die ganze Zeit an Marc-Vivien Foé. Er ist wohl das bekannteste Opfer eines Herzversagens auf dem Fußballplatz. Zumindest der erste, von dem ich Kenntnis genommen habe. Auch Namen wie Miklós Fehér oder Antonio Puerta sind auf Grund des gleichen schrecklichen Schicksals bekannt. Ich kann kaum glauben, dass viele Sportler bei tödlichem Herzversagen jünger sind als 30. Auch gestern war der Betroffene erst 24. Und auch er hat es nicht geschafft. Er möge in Frieden ruhen und mir verzeihen, dass ich sein Schicksal als Aufhänger für diesen Eintrag nehme. Aber bei all dem Spaß, den der Fußball uns tagtäglich bereitet, sollte man nie vergessen, dass auch hier die Gesundheit eines Menschen das absolut Wichtigste ist.

Mein tiefes Mitgefühl gilt der Familie und den Freunden. Und ich wünsche niemandem, die gleiche Erfahrung machen zu müssen, die ich am 6. Oktober 2009 gemacht habe.

[Steffen]