Boro in Bremen überflüssig?

08.07.09 | von | Kategorie: Spieler | 3 Kommentare

Aus dem Nichts kam am 13.01.2008 die Nachricht, dass Tim Borowski künftig nicht mehr für Grün-Weiß auflaufen wird, sondern seine Schuhe, wie so viele Bremer vor ihm, für den deutschen Rekordmeister aus München schnüren wird. Nicht wenige Stimmen, sagten damals “…der ist eh in einem Jahr wieder da!”.


Momentan deutet vieles daraufhin, dass genau dieses Szenario eintreffen wird: Boro zurück in Bremen. Und die Bremer Fans diskutieren hitzig, ob dieser Transfer ins Konzept von Werder 09/10 passt. Denn augenscheinlich hat die Schaaf’sche Raute in der neuen Saison ausgedient. Doppel-6 heißt die Zauberformel mit Frings als Chef vor der Abwehr und den beiden offensiven Wirbelwinden Özil und Marin davor. Die Raute, so hat es den Anschein, trägt man in Zukunft nur noch auf dem Trikot.

Auf dem ersten Blick also kein Platz für Borowski, der wie kaum ein anderer Spieler für das Bremer Rautensystem stand. Egal ob halblinks, halbrechts, als Spielmacher oder in seltenen Fällen als 6er vor der Abwehr. Mit seiner Passfertigkeit, seinem Auge und seiner überragenden Schusstechnik ist er nahezu prädestiniert für das schnelle Spiel mit wenigen Ballkontakten, wie es Werder zu Zeiten als Johan Micoud noch das Zepter an der Weser schwang, praktizierte.

Mit seinem Abgang und der Verpflichtung von Diego wurde es dann auch um Borowski ruhiger. One Touch Football war nicht mehr angesagt. Diego dominierte das Bremer Spiel mit seiner ungemeinen Technik und seinen Tempodribblings. Borowski verblasste im Schatten des Brasilianers. Zudem plagte er sich immer wieder mit Verletzungen und einer unendlich scheinenden Formkrise herum. Seine Aktionen wirkten phlegmatisch, lässig und arrogant und zogen den Unmut der Fans auf sich. Erst die Bekanntgabe seines Wechsels an die Isar wirkte wie eine Initialzündung und das Bremer Publikum bekam wieder den alten Boro zur Gesicht, der dominant auftrat und torgefährlich agierte, so dass dann am Ende doch etwas Wehmut über seinen Abgang im grün-weißen Fanlager aufkam.

Warum Borowski in München gescheitert ist, dafür gibt es sicherlich viele Gründe. Zum Einen scheiterte das ganze Projekt Klinsmann. Dazu fehlte ihm von Anfang an der Kredit beim bajuwarischem Publikum, dass in ihm immer den Bremer Klassenfeind sah. Auf der anderen Seite war Borowski auch Opfer des Systems. Genau jenem System, dass jetzt auch an der Weser Einzug erhalten soll. Denn als einem von zwei 6ern halten Borowski viele Fans für zu zweikampfschwach. Als offensiver Außen ist er wiederum zu langsam und zu schwach im Dribbling.

BorowskiJanuar2008

Also wo soll er spielen im Bremer System?

Es wäre nicht verwunderlich, wenn Schaaf trotz der Bedenken vieler Anhänger, mit ihm als zweiten 6er neben Frings plant. Denn auch wenn er dort sicher nicht der Prototyp ist, kann er mit seiner Übersicht und seiner Passstärke Impulse setzen. Zudem hat Borowski in einzelnen Spielen schon gezeigt, dass er auch Defensivqualitäten hat.

Auch denkbar, dass Schaaf ihn für eine offensive Position im neuen System einplant. Denn der Bremer Coach ließ das System schon des Öfteren etwas abgeändert als Trapez bzw. Quadrat praktizieren, so dass sich die Offensivspieler eher in die Mitte orientieren und rochieren, als an der Außenlinie zu kleben. Das würde Borowski sicherlich entgegenkommen und er könnte dort mit Özil ein gefährliches Tandem bilden.

Die dritte Möglichkeit wäre, weiterhin auf die Raute zu setzen um Neuzugang Marin somit erst langsam an das Bremer Spiel heranzuführen, ähnlich wie Schaaf es mit Özil gemacht hat. Dann könnte Borowski sofort seine Stärken ausspielen und mit seiner Erfahrung ein wichtiger Mosaikstein im Bremer Spiel werden.

Auch wenn letzte Zweifel bleiben, wäre Borowski im neuen Werderkader längst nicht so über wie viele es sehen.

[Olli710]

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Das Bild von Tim Borowski stammt von www.werderfotos.de und darf nur nach Genehmigung des Urhebers weiter verwertet werden.