Exklusiv: John Jairo Mosquera im Interview

19.06.09 | von | Kategorie: Interviews | 10 Kommentare

John Jairo Mosquera beim WerdertrainingWas macht eigentlich John Jairo Mosquera? Eine Frage, die man sich in den letzten Monaten eher weniger stellte, da der Fokus zu sehr auf der aktuellen Saison lag. Nun allerdings rückt der Trainingsstart (am 02. Juli) für die Saison 2009/2010 näher und die Zukunft der Leihspieler wird entschieden. Wir haben bei Mosquera mal nachgefragt, wo er seine Zukunft sieht.

Eine Zusammenfassung der Profikarriere eines 21jährigen Spielers ist normalerweise schnell geschrieben. Nicht so beim kolumbianischen Stürmer. Mit 14 gab er sein Debüt in der heimischen Profiliga, mit 15 schoss er sein erstes Tor im Profifußball. Mit 16 war er bereits beim argentinischen Spitzenklub River Plate Buenos Aires unter Vertrag. Im Januar 2006 wechselte er dann als 18jähriger zu Werder Bremen und wurde erst an SonderjyskE (Dänemark), dann Wacker Burghausen und Alemannia Aachen (2. Bundesliga) ausgeliehen.

Zwischendurch erlitt er einen Kreislaufkollaps, erzielte im November 2007 sein erstes Bundesligator für Werder und traf auch im DFB-Pokal gegen den MSV Duisburg. Bewegte Jahre eines jungen Profis. In der abgelaufenen Spielzeit spielte Mosquera wieder in Dänemark für SonderjyskE in der ersten Liga in Dänemark. Seine persönliche Bilanz: 18 Spiele, drei Tore. Er wurde sieben Mal ein- und sechs Mal ausgewechselt. Leider wurde er noch in der Saisonvorbereitung und während der Saison verletzungsbedingt zurückgeworfen. Der Klub hingegen kann zufrieden sein, er erreichte das Saisonziel und schaffte den Klassenerhalt.

Nun ist die Leihe zu Ende, John Jairo Mosquera hat bei Werder Bremen noch einen Profivertrag bis zum 30.06.2010. Was passiert nun? Worum.org sprach mit einem Spieler, der deutlich macht, dass er nächste Saison in grün-weiß spielen und sich hier durchsetzen will.

Worum.org: Hallo John, wie geht es Dir?

John Jairo Mosquera: Danke, es geht mir sehr gut.

Bist Du aktuell in Kolumbien während der Sommerpause?

In der Sommerpause geht es traditionell immer nach Kolumbien zu meiner Familie.

Hast Du nach dem DFB-Pokalsieg der Werderaner auch in Dänemark bzw. Kolumbien etwas gefeiert?

Ich habe mich sehr für Werder und alle beteiligten Spieler gefreut, es ist großartig!

Wie hast Du die Saison von Werder Bremen verfolgt. Im Internet, im Fernsehen?

In Dänemark wird ja sehr viel deutscher Fußball gezeigt, hier bin ich immer auf dem Laufenden. Live habe ich mir auch das Rückspiel in Hamburg im UEFA-Cup-Halbfinale angesehen.

Kanntest Du eigentlich Werder Bremen vor dem ersten Kontakt mit dem Verein und wie bekannt ist Werder eigentlich in Kolumbien?

Ich kannte Werder Bremen natürlich bereits.

Wie lief die Saison für Dich persönlich und wie für den Klub SonderjyskE?

Ich bin ja nun schon einige Zeit auf Reisen. War jetzt zweimal in Dänemark, in Burghausen und auch in Aachen. Ich habe SonderjyskE geholfen, in der ersten Liga zu bleiben. Das war das Ziel. Ich habe trotz zweier Muskelfaserrisse meine Spiele gemacht und hatte auch ein paar Tore und Assists. Ich denke, es war erfolgreich.

Hattest Du während der Saison Kontakt mit den Werder-Verantwortlichen?

Nein, nur über meinen Berater.

Du hast noch bis Sommer 2010 Vertrag, kommst nach deiner Leihe zurück zu Werder. Weißt Du schon wie es weitergeht, möchtest Du in Dänemark bleiben, nach Bremen oder sogar Südamerika zurück?

Ich denke ich habe dem Verein gezeigt, dass ich mit den Maßnahmen zur Integration alles gegeben habe und ich jederzeit bereit war, mich ausleihen zu lassen. Auch als ich in Bremen gespielt habe, habe ich ja auch Tore gemacht, wenn ich gespielt habe. Ich wünsche mir deshalb, dass ich in diesem Jahr die Chance bekomme, mich in der Vorbereitung und dann in diesem Jahr zu zeigen und zu beweisen, sodass ich dem Verein zurückgeben kann, was sie in mir sehen. Ich will mich bei Werder Bremen durchsetzen. Eine Saison ist lang, gerade zum Ende wurde es ja mit den vielen Verletzten knapp.

Wie hast Du Dich in Dänemark mit Deinen Teamkollegen unterhalten und wie gut ist Dein deutsch aktuell?

In Deutsch geht es schon ganz gut mittlerweile.

Hat Dir Daniel Jensen schon versucht, dänisch beizubringen?

Nein. (lacht)

Du hast Sebastian Boenisch mal als Deinen „großen Bruder“ bezeichnet. Seid ihr noch regelmäßig in Kontakt?

Sebastian ist ein guter Typ, der es jetzt geschafft hat sich durchzusetzen. Das wünsche ich mir für mich auch, dafür werde ich alles geben.

Aufgrund der vielen Wechsel ist es wahrscheinlich sehr schwer, richtige Freundschaften aufzubauen. Wen zählst du zu Deinen engsten Freunden?

Meine Frau, die mittlerweile bei mir lebt. Naldo, Hugo etc. – das passt schon alles.

Wenn man Dich in Bremen beim Training und Spiel sah, hast Du immer sehr nett gewirkt, viel und gerne gelacht. Was für ein Charakter bist Du, was ist dir wichtig im Leben?

Ich sehe das Leben positiv, denn ich bin dankbar für diese große Chance, die mir Werder ermöglicht hat – ich sehe die Dinge generell positiv.

Da warst schon früh auf dich alleine gestellt. Mit 13 nach Moldawien, mit 17 nach Deutschland, mit 18 nach Dänemark. Ist es nicht manchmal sehr schwer ohne Deine Familie mit all dem fertig zu werden?

Es war am Anfang sehr schwer, aber mir wurde viel geholfen. Das wird schon.

Hast Du nach deinem Schwächeanfall, den Du im Juli 2007 erlitten hattest, ab und an noch Angst, dass Dir wieder etwas passieren könnte? Nimmt man plötzliches Unwohlsein auf einmal stärker wahr und vermutet Schlimmeres?

Ich hatte einfach am Morgen nichts gegessen, wollte ein wenig länger schlafen. Und dann ein 8km-Waldlauf – das war das ganze Problem.

Mit 18 bist Du im Januar 2006 nach Bremen gekommen. Jetzt bist Du 21, hast bereits einiges hinter Dir. Wie unterscheidet sich der JJ von damals vom heutigen JJ, wie hast Du Dich verändert?

Mir ist bewusst, auf was es ankommt, dass man Leistung im Training und Spiel zeigen muss. Jetzt mit 21 bin ich bereit für die Bundesliga und habe Erfahrung in vielen Ligen gesammelt, die mir dabei helfen werden mich durchzusetzen.

Kratzt es nicht auch am Selbstvertrauen, wenn man zwischen den Vereinen hin und her geschoben wird oder nimmt man das einfach hin?

Was soll ich machen? Da ich in der U23-Mannschaft wegen meines Passes nicht spielen durfte, war das die einzige Möglichkeit… wenn es auch schwer war, aber so hat es mich charakterlich und mental stärker gemacht.

Warum lief es bei Alemannia Aachen nicht rund für Dich? In den wenigen Einsätzen war kaum etwas von Deinem Talent zu sehen, die Bewertungen über die Zeit dort waren nicht gut.

Es ist schwer, wenn man von Werder Bremen kommt, sich immer wieder neu einzustellen als Leihspieler. Die Zeit dort war schwer, denn ich hatte nie das Gefühl, dass ich helfen konnte. Es passte nicht.

Wenn Du den Fußballspieler JJ Mosquera beschreiben müsstest: was für ein Spielertyp ist er, wo sind die Stärken, wo die Schwächen?

Meine Stärken: die Schnelligkeit, die Technik und das Spiel vor dem Tor. Meine Schwächen?? Der Kopfball, (lacht) nossa*.

Du warst mal Juniorennationalspieler von Kolumbien, wurdest aber schon länger nicht mehr berufen. Wann hattest Du zuletzt Kontakt zum Verband, rechnest Du in naher Zukunft mit einer Einladung?

Ich habe sämtliche Einladungen abgelehnt, da ich mich doch erst hier voll durchsetzen muss. Danach sehen wir weiter.

Aus was für Familienverhältnissen stammst Du, ist Fußball oftmals der einzige Weg in ein besseres Leben in Kolumbien?

Es ist schon schwer in Kolumbien. Ich habe eine große Familie, aber es geht ihr gut, das ist die Hauptsache.

Wenn Du zuhause in Kolumbien Deine Familie wiedersiehst, freust Du Dich dann vor allem, wieder in vertrauter Umgebung zu sein, dass jeder dieselbe Sprache spricht?

Aber natürlich, Heimat ist Heimat… nur jetzt wird Bremen wieder meine Heimat, darauf freue ich mich.

Hat durch Deine Zeit in Europa irgendetwas typisch Deutsches oder Europäisches Einzug genommen in Deinem Zuhause in Kolumbien?

Die Disziplin. (lacht)

Was ist Dein größter Wunsch für die Zukunft?

Mich durchzusetzen bei Bremen und Tore zu machen, davon bin ich überzeugt.

Vielen Dank für deine Zeit und alles Gute für die kommende Saison.


Einen besonderen Dank an Carlos Fleischmann (ct creative talent GmbH), den Berater von JJ Mosquera, für das Arrangieren des Interviews.

Diskussionsthread zu JJ Mosquera im Forum: klick mich!

Link zum Mosquera-Profil im WorumWiki: klick mich!

*nossa ist eigentlich portugiesisch/brasilianisch, und man kann es am Ehesten umgangssprachlich mit “meine Fresse” oder “mein lieber Herr Gesangsverein” übersetzen.

[MaxUnknown]