Jones: der Tattoo-Diskriminierte ohne blaue Augen und blonde Haare

14.06.09 | von | Kategorie: Fußball allgemein | 8 Kommentare

Jermaine Jones hat vor Tagen bekanntgegeben, dass er nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft spielen will. Dafür möchte er schnellstmöglich für die USA auflaufen. Heute erschien bei der New York Times im Soccer Blog ein Artikel mit Aussagen, die nur ein “echter Typ” wie Jones treffen kann.

Im Gespräch mit NY Times-Redakteur Jack Bell spricht Jermaine Jones englisch, auch wenn er sich zu Anfang am Telefon nicht so direkt getraut hat. Dann erzählt Jermaine (aka “Tattoogott”):

“I’m a player when you see me I have tattoos and in Germany the people maybe don’t like that stuff” (“Wenn Du mich als Spieler siehst, ich habe Tattoos und vielleicht mögen das die Menschen in Deutschland nicht”)

Wie wir hier auf einem Foto von FAZ.net sehen können, fallen einem natürlich sofort bei Jones die vielen Tattoos ins Auge und nicht das hässliche Schalke-Trikot. Das man in Deutschland allein schon aufgrund von Tattoos nicht gemocht wird, wäre wohl vielen Menschen hier komplett neu. Außer Torsten Frings. Aber den mag auch niemand. Nichtmal sein Tätowierer.

Den Vogel schießt Jones allerdings mit folgender Aussage ab:

“When somebody looks at me, I’m not the perfect German. When I look at people in the States, they look more like me. In Germany with my tattoos people say, ‘Ooh, he’s not a good man.’ But look at Beckham, he has tattoos and no one says that. Maybe because I don’t have blue eyes and blonde hair. But that is not a problem for me. I don’t have a good feeling about stuff in Germany.”

(“Wenn man mich betrachtet, dann bin ich nicht der perfekte Deutsche. Wenn ich aber die Menschen in den Staaten betrachte, dann sehen sie eher wie ich aus. Wegen meiner Tattoos sagt man in Deutschland “Oh, das ist kein guter Mensch”. Aber schauen sie auf Beckham. Der hat auch Tattoos und keiner sagt was. Vielleicht ist das so, weil ich keine blauen Augen und keine blonden Haare habe. Aber das ist für mich kein Problem. Ich habe kein gutes Gefühl bei diesen Dingen in Deutschland”)

Mehrfach durchlesen. Immer und immer wieder. Auch beim fünften Mal ist es noch lustig. Halten wir also fest:

- Jones hält sich nicht für den “perfekten Deutschen”, aber er fühlt sich schon allein deswegen mehr als Amerikaner weil die Menschen dort “eher so aussehen” wie er. Charakterlich natürlich.

- Wegen Tattoos werden in Deutschland Menschen diskriminiert. Alleine aufgrund der Tattoos sind hunderttausende Männer und Frauen “Schlechte Menschen” in Augen der “Nicht-Tätowierten”. Daher sage ich immer: Tattoos am Besten nur dort, wo man sie unter der Kleidung verstecken kann. So kommt das schlechte im Menschen erst beim Striptease zum Vorschein. Morgen werde ich übrigens meinen Nachbarn zwangstätowieren, damit er endlich die Achtung seiner Mitmenschen verliert. Zumindest Nationalspieler kann der Trottel dann nicht mehr werden. Ob sie ihn noch bei Aldi reinlassen, bezweifle ich auch. Seine Kinder werden mit dem Finger auf ihn zeigen.

- Bei Beckham sagt wegen den Tattoos niemand was, bei Jones schon. Das ist natürlich ungerecht und deswegen will Jermaine Jones demnächst nicht nur für die USA spielen sondern auch für England. Außerdem sehen da die Menschen noch viel mehr aus wie er.

- “Vielleicht ist das so, weil ich keine blauen Augen und keine blonden Haare habe”: Medienprofi Jones ist entweder ein sehr, sehr naiver Mensch, sorry ich meine: ein sehr, sehr naiver, schlechter Mensch oder er hat hier gerade eine wunderbare Debatte angestoßen, die ihm demnächst medial um den Kopf gehauen wird. Das ist ein Rassismus-Vorwurf generell an Deutschland und seine Einwohner. Somit auch indirekt gegen die DFB-Jungs und Mädels. Insbesondere an die, die wo Jogi heißen. Und Löw.

- Jermaine, zwischen uns beiden, richtig gewesen wäre: Man mag Dich nicht weil…“Maybe because I don’t like Spätzle and don’t come from Schwaben, ne?”.

- “Ich habe kein gutes Gefühl bei diesen Dingen in Deutschland”: wahrscheinlich meint er das vom Feeling her.

Unglücklich, naiv oder vielleicht sogar dasdarfichöffentlichnichtschreiben? Ach egal, hauptsache er könnte Mark van Bommel umhauen. Wenn er wollte. Und er kann bestimmt auch ganz nett sein. Wenn er will. Und intelligent. Wenn. Ja, wenn was?

Immerhin will Jones nicht nur für die USA spielen, sondern demnächst auch Kapitän bei Schalke 04 werden. Da werden dann vielleicht einige Knappenkumpel vor dem Fernseher sitzen und bei Spielen sagen: “Die Schlauen von Schalke, die kann man dort sehen. Der Andere dort, der ist Kapitän”. Bevor er aber Kapitän wird, muss er erstmal Tönnies, Magath & Co erklären, warum sein Vertrag plötzlich drei Jahre verkürzt wurde (“He said he had two years left on his contract, then would like to play in England”).

Ob er sich morgen “I have tattoos, everybody hates me!” tätowieren lässt?

[MaxUnknown]