Auf geht´s nach Istanbul… – Tipps für den Trip

13.05.09 | von | Kategorie: Werderspiele | 3 Kommentare

Istanbul ist immer eine Reise wert und wenn Werder Bremen im UEFA-Pokalfinale steht, erst Recht. Für alle von euch, die geplant haben dabei zu sein: hier nun ein paar Hinweise zum Aufenthalt in dieser traumhaften Stadt.

Wie komme ich am Besten von meinem Flughafen zum Hotel?

Egal auf welchem Flughafen ihr landet (Sabiha Gökcen auf der asiatischen Seite oder Atatürk Airport auf der europäischen Seite), der Transfer zu eurer Unterkunft oder zum Stadion stellt das geringste Problem dar. Sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Istanbul fortzubewegen ist zwar nicht immer unbedingt komfortabel (die Leute, die einmal in Istanbul Bus gefahren sind, wissen, was ich meine), jedoch sehr günstig. Ihr werdet vor den Flughäfen zu 99,99 % von Taxifahrern bequatscht werden, dass es keine andere Möglichkeit gibt ins “Zentrum” zu kommen, außer mit dem Taxi (insbesondere nachts wird das der Fall sein).

Natürlich gibt es eine andere Möglichkeit, die zum einen wesentlichen günstiger und auch komfortabler ist. Vor dem Flughafengebäude stehen größere weiße Busse, auf denen in großen Buchstaben HAVAŞ steht. Diese fahren im 30-Minuten-Takt ins Stadtinnere – die Endstation ist hierbei von beiden Flughäfen ausgehend Taksim im Stadtteil Beyoğlu. Man kann selbstverständlich auch schon vorher aussteigen, wenn man dem Fahrer rechtzeitig Bescheid sagt, falls euer Hotel auf der Route nach Beyoğlu liegen sollte. Der Preis für diese knapp halbstündige Fahrt beträgt 7 oder 9 YTL.

Falls euer Hotel auf der asiatischen Seite liegen sollte und ihr dennoch auf dem Atatürk Airport landet, würde ich euch ebenfalls dazu raten den HAVAŞ zu nehmen und dann ab Taksim mit einem Taxi nach Beşiktaş zu fahren. Aufgrund der geringen Entfernung dürfte dies auch auf keinen Fall mehr als 10 YTL kosten. Von Beşiktaş aus kann man dann die Fähre nehmen (wenn ich mich recht entsinne für knapp 1 YTL) auf die asiatische Seite (Üsküdar oder Kadiköy – je nachdem wo man hin muss).

Ich habe noch kein Hotel! Wo komme ich am besten unter?

Ich kann euch für Hotels keine Empfehlungen geben, kann aber sagen, in welchen Stadtteilen es sich lohnen würde, verschiedene Hotels zu vergleichen. Das Spiel findet zwar auf der asiatische Seite in Kadiköy statt, dies sollte für euch jedoch nicht zwangsläufig ein Grund sein, dort auch ein Hotelzimmer zu buchen. Auf der asiatischen Seite bietet sich beispielsweise noch der Stadtteil Üsküdar für eine Unterkunft an, aus dem man in knapp 20 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Kadiköy sein kann.
Auf der europäischen Seite kann man die Stadtteile Beyoğlu und Besiktaş durchaus in die Quartierwahl mit einbeziehen. Von Beyoğlu aus ist man in knapp 10 Minuten in Besiktaş und von dort kann man wiederum in regelmäßigen Abständen mit der Fähre nach Kadiköy übersetzten.

Wie komme ich von A nach B in Istanbul?

Bei meinem ersten Aufenthalt in Istanbul war ich noch der Meinung, dass man die meisten Wege durchaus zu Fuß bewerkstelligen könnte. Nach 2 Tagen sah ich dies aber gänzlich anders. Ohne Busse, Taxis und Dolmuş (dies sind Sammeltaxis, die losfahren sobald der Wagen voll ist) ist man in Istanbul verloren.

Eine Taxifahrt in Istanbul ist bei weitem günstiger als dies in Deutschland der Fall ist – dafür muss man aber auch hin und wieder mal in Kauf nehmen, dass der Taxifahrer nur so ungefähr weiß, wo man eigentlich hin muss. Es empfiehlt sich immer den Namen und die Adresse des Hotels parat zu haben, die man im „Notfall“ vorzeigen kann.

Achtet darauf, dass wenn ihr das Taxi tagsüber benutzt, dass auch wirklich der Tagtarif abgerechnet wird (Tagtarif: gün ; Nachttarif: gece) und das nicht mehr Geld verlangt wird als es auch tatsächlich auf dem Taxameter zu sehen ist.
Wie bei allem in der Türkei gilt auch beim Taxifahren, dass das Handeln durchaus üblich ist. Ihr könnt beispielsweise mit einer Adresse in der Hand den Taxifahrer fragen was es kosten würde dorthin zu fahren und dann versuchen einen Fixbetrag zu vereinbaren. Gerade nachts, wenn wenig los ist, dürfte man dabei öfters erfolgreich sein.

Ein Dolmuş hat eine feste Route, die immer gefahren wird und man kann aussteigen wann man möchte, d.h. es gibt keine Haltestellen oder ähnliches. Einfach ein kurzes Signal an den Fahrer und dieser fährt rechts ran und lässt euch aussteigen. Die Fahrt in einem Dolmuş kostet, je nach Länge der gefahrenen Strecke, maximal 4-5 YTL). Hierbei gibt es auch keine Unterscheidung zwischen tagsüber und nachts.

Wie verständige ich mich am besten in Istanbul?

Sich verständlich zu artikulieren in dieser Metropole kann mitunter sehr, sehr schwer werden. Während man auf der europäischen Seite (insbesondere in Beyoğlu und Beşiktaş) noch ganz gut mit Englisch voran kommt, sieht es auf der asiatischen Seite zum Teil recht düster aus.

Ziert euch nicht, mit Händen und Füßen zu sprechen. Meist sind die Leute so aufgeschlossen, dass sie unter allen Umständen verstehen wollen, was der komische deutsche Tourist nun versucht einem klar zu machen. In einer solchen Situation werden meist Leute von überall herbei gerufen, die dann alle ihre fachmännische Meinung abgeben oder es werden unzählige Telefonate geführt, bis man verstanden hat, worum es eigentlich geht.

Ein kleines Türkisch-Wörterbuch kann übrigens auch nicht schaden und kostet ja nicht die Welt. Die Menschen freuen sich unheimlich, wenn man mit ein paar Worten Türkisch daher kommt.

Welcher ist der beste Weg für mich ins Stadion?

Dies kommt selbstverständlich immer darauf an, wo ihr euch befindet. Wenn ihr aus Üsküdar oder Richtung Beykoz kommt, würde ich mit dem Dolmuş bis zum Fähranleger in Kadiköy fahren. Von dort aus ist man mit einem oder zwei leckeren Efes innerhalb von 20-30 Minuten am Stadion. Kommt ihr von der europäischen Seiten, so würde ich euch die Anfahrt, die ich unter „Ich habe noch kein Hotel! Wo komme ich am besten unter?” beschrieben habe, nahe legen.

Wie komme ich denn am besten an Bargeld?

Meiner subjektiven Erfahrung nach sind die Wechselkurse direkt im Flughafen meist gar nicht so schlecht. Auf der europäischen Seite Istanbuls gibt es auch eine Menge Wechselstuben und Banken, bei denen man problemlos Geld wechseln kann. Kunden der Citibank können sich freuen – es gibt in Istanbul einige Geldautomaten und Filialen, so dass das Geldabheben dann keine Gebühren verursacht. Vom vorzeiten Geldwechseln in Deutschland kann ich ebenfalls abraten, da dann die Kurse mehr als nur bescheiden sind und ab und zu zusätzliche Gebühren anfallen.

Wo kann ich am besten den Werder-Sieg feiern gehen?

Wenn du Party machen willst, sollte Beyoglu definitiv deine Anlaufstelle sein. Die Flaniermeile Istiklal Caddesi (quasi eine mehre kilometerlange Fußgängerzone) auf der jeden Abend mehrere zehntausend Menschen unterwegs sind, ist bestückt mit Clubs, Cafes und allem was das Herz sonst noch so begehrt. In jeder zweiten Kneipe gibt es Live-Musik und weitere tolle Angebote. Achtet unbedingt vor dem Betreten der Kneipe auf die Preise, so dass es im Nachhinein keine böse Überraschung gibt. Es gibt dort Clubs, deren Preisniveau wahrscheinlich sonst nur in der VIP-Sektion des P1′s vorzufinden ist.

Auf der Istiklal Caddesi wie auch in den anderen Gebieten gilt übrigens, wie in jeder größeren Stadt: Meidet die vielen dunklen kleinen Seitenstraßen! Falls ihr doch mal in einer gelandet seid, lasst euch dort von niemandem (!) ansprechen – nicht mal nach der Uhrzeit oder einer Zigarette.

Kadiköy selber hat auch eine kleine nette Kneipenszene, die mir persönlich besser gefällt, da dort nicht in dem Maße Touristen unterwegs sind, wie man es auf der Istiklal Caddesi erlebt. Große Clubs mit mehreren 100 Leuten sucht man dort allerdings vergebens.

Wie begegne ich den Einheimischen – Gibt es Dinge über die ich nicht sprechen sollte?

Wie bei jedem Auslandsaufenthalt, sollte man es natürlich vermeiden in irgendeiner Art und Weise negativ aufzufallen. Ich kann euch nur dazu raten politische Themen nicht unbedingt mit neu gewonnen „Freunden“ zu diskutieren. Redet lieber über Fußball ;-)
Ich habe noch nie ein Land kennengelernt, in dem so viele Menschen über Fußball Bescheid wissen (manchmal fundiert und manchmal etwas weniger). Selbst mit Frauen (um ein bekanntes Klischee gleich einmal zu strapazieren) ist man regelmäßig in Fußballfachgespräche vertieft. Es gibt definitiv niemanden, der sich nicht für Fußball interessiert oder der zumindest einen türkischen Lieblingsverein hat. Ihr werdet auch mit hoher Wahrscheinlichkeit nach eurem favorisierten türkischen Verein gefragt werden. Eine Antwort wie: „Hmmm nee da hab ich keinen“, zählt hierbei nicht. Im Zweifel nennt auf der asiatischen Seite auf jeden Fall Fenerbahce als euren Verein. Damit dürfte die Trefferquote relativ hoch ausfallen.

Mein Magen meldet sich. Gibt es kulinarische Genüsse, die ich mir nicht entgehen lassen darf?

Darauf kann man nur mit einem klaren JA antworten. Die türkische Küche hält viele leckere Dinge bereit, die es sich lohnt zu kosten. Vorab, einen Döner, wie wir ihn aus Deutschland kennen, ist mir noch nicht begegnet in der Türkei. Meist ist dort weniger Fleisch enthalten und für den deutschen Gaumen dürften einige weitere Zutaten wie Pommes oder zumindest frittierte Kartoffeln auch gewöhnungsbedürftig sein. Ganz zu schweigen von vereinzelt auftauchenden sauren Gurken oder der Mayonnaise. Es mag jetzt vielleicht nicht wirklich danach klingen, aber es schmeckt! Wenn man Hähnchen-Döner möchte, bestellt man im übrigen einen „Tavuk-Döner“ und beim teureren Kalbsfleisch einen „Et-Döner“.

Das Nationalgetränk neben dem, wirklich überall erhältlichem schwarzen Tee (cay), ist der mittlerweile auch in Deutschland bekannte Ayran. Dies ist ein dickflüssiges Joghurt-Misch-Getränk, das je nach Zutaten mehr oder weniger salzig schmeckt. Man kann dies im übrigen selbst bei McDonalds bestellen.

Interessant dürfte auch das Angebot von Bier sein. Mir ist jetzt keine lohnenswerte Biermarke in der Türkei bekannt, außer dem sehr leckeren Efes. Ausländisches Bier kann man selbstverständlich für humane Preise auch (fast) überall kaufen, wobei ich jedem nur empfehlen kann auch das genannte Efes mal zu probieren. Achtet darauf, dass ihr es nicht übertreibt – im Stadion wird da wohl streng durchgegriffen!

Wenn es am Abend bzw. der Nacht dann ans Feiern des Pokalsieges geht, darf definitiv eine Flasche Raki nicht fehlen. Dieser Anis-Schnaps wird meist mit Wasser verdünnt zu einem sehr lang ausgedehnten Essen eingenommen und dann die ganze Nacht über weitergetrunken.

Empfehlen kann ich dazu noch das Rauchen einer Wasserpfeife, die in der Türkei nicht Shisha heißt, sonder Nargile. In den meisten Kneipen kann man sich solche bestellen (kostet nicht mehr als 15 YTL) und dann mehrere Stunden (!) daran rauchen. Es werden einem mehrere Mundstücke gereicht, so dass man auch zu zweit oder zu dritt in angenehmer Atmosphäre rauchen kann. Die Geschmacksrichtung Apfel (türkisch: elma) sei euch hierbei ans Herz gelegt.

Wirklich an jeder zweiten Straße sieht man Händler die in ihre Backwaren auf der Straße verkaufen. Hier ist Probieren Pflicht! Für 50 Kuruş bekommt man unbeschreiblich gute Sesamringe (türkisch: Simit) oder andere leckere Backwaren, die zum Teil auch gefüllt sind. Empfehlen würde ich hierbei noch Porca, dies sind kleine runde Teigtaschen, die hervorragend zu einem schwarzen Tee schmecken.

Istanbul ist des Weiteren für sein reichhaltiges Fischangebot bekannt. Neben den vielen Fischrestaurants werden beispielsweise in Kadiköy, sowie in Eminönü, direkt von kleinen Booten aus frische Fische verkauft. Gefangen, gegrillt und dann ab ins Brötchen. Frischer geht es wirklich nicht mehr.

Wenn es ums Frühstück geht, kann ich euch noch den Tipp mitgeben, neben den leckeren Obstsorten auch mal Menemen zu probieren. Dies ist Rührei, mit Tomaten, Schafskäse und manchmal eine Art Speck. Ist wirklich köstlich und ist der Muntermacher schlechthin nach einer durchzechten Nacht.

Ich hoffe ich habe jetzt auf die schnelle nichts vergessen und wünsche euch „afiyet olsun“.

Ich hoffe, dass ich euch ein paar Tipps mit auf dem Weg geben konnte. Ich wünsche allen viel Spaß in der 15-Millionen-Metropole Istanbul und bringt den Pokal mit nach Bremen.

Passt gut auf euch auf und kommt gesund und gut gelaunt wieder.

Falls weitere Fragen auftauchen könnt ihr euch gerne jederzeit an mich wenden.

Thread: http://www.worum.org/viewtopic.php?f=5&t=1943

[Bill]

pdf Infos von der UEFA zum Finale in Istanbul (PDF, 3,7 MB)