Hintergründe und Fakten zu den Vorwürfen an Jürgen L. Born

17.03.09 | von | Kategorie: Allgemeines | 3 Kommentare

Seitdem im Februar angeblich die Noch-Ehefrau von Berater Carlos Delgado diverse Unterlagen aus dem Büro von Delgados Firma “Image” hat mitgehen lassen, gibt es Presseberichte um die Beteiligung von Delgado sowie dem Werderprofi Claudio Pizarro und Ex-Werder-Geschäftsführer Jürgen L. Born an illegalen Aktivitäten. Da die Unterlagen von dem Anwalt der Noch-Ehefrau seit Wochen nur häppchenweise den Medien zugespielt werden und sehr viele Gerüchte im Umlauf sind, halten wir hier noch einmal die Fakten fest.

Vorwurf Nummer 1: Born wurde an der Robert Silva-Ablösesumme beteiligt.

Hintergrund: Der peruanische Stürmer Roberto Silva wechselt im Sommer 2001 von Sporting Cristal Lima (Peru) zum SV Werder. Die Vereine verständigen sich auf eine Ablösesumme in Höhe von 1,35 Millionen US Dollar. Werder bekommt eine Vollmacht vom Verein zugefaxt, dass die Summe komplett an die Berateragentur “Image” gezahlt werden soll. Hintergrund: die Rechte des Spielers liegen nicht komplett beim Verein, sondern u. a. bei der Firma “Image”, die dann später die Splittung der Summe vornehmen wird. Der Auftrag wird ausgeführt, der Fall ist somit für den Verein Werder Bremen erledigt.

Vorwurf: An diesen 1,35 Millionen US Dollar soll Jürgen L. Born beteiligt worden sein. Angeblich habe Carlos Delgado (Spielerberater, Gründer und Teilhaber von “Image”) Born einen Betrag von 50.000 Dollar auf ein auf Born zugelassenes Konto bei der Banco de Montevideo transferieren lassen. Knapp einen Monat nach dem Silva-Wechsel. Zusätzlich kommt der Verdacht der Geldwäsche auf, da es sich bei der Banco de Montevideo in Uruguay um eine Bank handelt, die damals nicht ganz “koscher” schien und Delgado das Geld von einem Konto aus Panama überweisen ließ (der Firmensitz von “Image” ist allerdings ebenfalls in Panama).

Fakten: den peruanischen Medien sowie der Bild und dem Spiegel liegt ein Dokument vor, was vor zehn Tagen von der Bild-Zeitung auch  veröffentlich wurde. Es handelt sich hierbei um einen “Überweisungsauftrag”, in dem Delgado bittet, von seinem Konto (nicht geklärt, ob privat oder Firmenkonto) die besagte Summe von 50.000 US Dollar auf ein näher genanntes Konto von Jürgen L. Born zu überweisen. Einen Standard-Überweisungsauftrag gibt es nicht, es handelt sich lediglich um einen Brief. Auch ist nicht bekannt, ob das Geld wirklich überwiesen wurde. Belege von “Image”-Firmenkonten sowie dem Konto von Born liegen nicht vor.

Aussagen von Born: zuerst habe er dem Spiegel gesagt, dass es des Öfteren Geldtransfers zwischen ihm und seinem Freund Delgado gegeben habe. Er könne sich aber nicht daran erinnern, um was es sich bei den 50.000 US Dollar handele und ob diese im Zusammenhang mit dem Silva-Transfer stehen. Am Samstag, dem 07.03.2009 lies er bei Werder seine Ämter ruhen und betonte, dass er “keine Zahlungen im Zuge des Transfers von Roberto Silva” erhalten habe. Den Artikel des Spiegels und seine angeblichen Aussagen bezeichnete er einen Tag später im Weser-Kurier als “Blödsinn”.

Vorwurf Nummer 2: Born wurde an der Valdez-Vertragsverlängerung beteiligt.

Hintergrund: Nelson Valdez, der 2001 dank “Entdecker” Jürgen L. Born nach Bremen wechselte, verlängert im Jahr 2003 seinen Vertrag und rückt auch offiziell in den Profikader. Die Vertragsverhandlungen führt Nelsons Berater Carlos Delgado (vertritt Valdez inzwischen nicht mehr) mit den Werder-Verantwortlichen. Die Firma “Image” stellt eine branchenübliche Rechnung an Werder Bremen, in Höhe von 200.000 Euro, die von Werder beglichen wird.

Vorwurf: die peruanische Zeitung “La Republica” schreibt, dass Born Delgado “darum gebeten habe”, Nelson Valdez zu vertreten. Edgar Mercado, Anwalt von Delgados Noch-Ehefrau Fiorella Fare, behauptet, dass Delgado nach Erhalt der Rechnungssumme vom SV Werder “ca. 100.000 bis 150.000 Euro” auf ein Bremer Bankkonto von Sonia Haedo (Schwester von Nelson Haedo Valdez) überwiesen hat. Zudem wanderte “der Rest” auf ein Konto der Deutschen Bank in Frankfurt. Inhaber sei Maximilian Born, der Sohn von Jürgen L. Born. Wiederum soll also der Bremer Geschäftsführer an einem Delgado-Deal beteiligt worden sein.

Fakten: es gibt keine. Mercado berichtete, dass er die besagte Image-Rechnung an Werder vorliegen habe und dazu handschriftliche Notizen auf einem Zettel mit der Bankverbindung von Sonia Haedo und Maximilian Born. Überweisungsbelege, Kontoauszüge, die genauen Summen oder ein direkter Zusammenhang kann derzeit nicht hergestellt werden.

Aussagen von Born: er bezog dazu gegenüber Medien keine Stellung.


Hintergrund zu möglichen Beteiligungen und Erläuterung der Vorwürfe:

Berateragenturen verfügen häufig über ein großes Netzwerk von Kontakten. Wenn dort bspw. ein Freund X des Beraters Y ebenfalls mit einem Profifußballer Z befreundet ist und diesen dann überzeugt, doch bei der Agentur seines befreunden Beraters zu unterschreiben, so sagt schon das logische Denken: das nächste Geld, was die Agentur durch diesen Spieler verdient, kam zu einem großen Teil durch Freund X zustande, denn ansonsten würde der Berater den Spieler wohl nicht vertreten.

Daher ist es nicht unüblich, dass Freund X dafür in irgendeiner Art und Weise entlohnt wird. Das ist nicht nur nicht unüblich, sondern auch nicht illegal. Wichtig hierbei ist, dass evtl. Zahlungen korrekt deklariert werden, wenn sie direkt von der Agentur an den Privatmann gehen. Beide sind dann für die ordnungsgemäße Versteuerung zuständig. Nicht selten passiert aber auch das Zurückzahlen durch Gefälligkeiten. Mal hier kostenlos das Ferienhaus genutzt, mal da ein Flugticket zu Weihnachten geschenkt usw. Wir nähern uns zwar der Grenze zum Illegalen, aber wir überschreiten sie nicht.

Aber wann wird es denn überhaupt problematisch? Wenn die Zahlungen über diverse Umwege um eine mögliche Versteuerung herumgeschifft werden. Und wenn die Zahlungen vermeintlich die Handlungen des Empfängers beeinflussen. Hierzu der Fall Luxemburgo und der Fall Born in Erklärung:

Luxemburgo: der 56jährige war von 1998 bis 2000 Trainer der brasilianischen Nationalmannschaft. Und er hat in diesen zwei Jahren so viele verschiedene Spieler eingesetzt und Debütanten berufen, wie niemand zuvor. Der Vorwurf an Luxemburgo: er würde von südamerikanischen Klubs und Beratern Geld für die Berufungen erhalten. Nicht direkt, aber bei Transfers der Spieler beteiligt werden. Warum? Wenn Spieler A auf dem Sprung nach Europa zu Klub B ist und dieser bspw. 5 Mio. Euro kosten soll, wird er durch eine Berufung in die Selecao plötzlich 1 Mio. Euro teurer, denn schließlich ist er nun Mitglied der so starken brasilianischen Nationalmannschaft. Ein Prädikat, mit dem man Geld verdient. Und so wurde der Trainer dann angeblich bei den Wechseln der “Kurzzeit-Selecao-Spieler” an der Differenz beteiligt und soll dadurch einige Millionen gemacht haben. Vor Gericht wurde er aus Mangel an Beweisen allerdings freigesprochen.

Born: Carlos Delgado hat als Vertreter seiner Firma ‘Image’ einige Male mit Werder Bremen verhandelt. Zu Vertragsabschlüssen kam es (soweit derzeit bekannt) bei der Verpflichtung von Claudio Pizarro (1999), Roberto Silva (2001), bei der Leihe von Claudio Pizarro (2008) sowie bei der Verlängerung von Nelson Valdez (2003). Ebenfalls gab es einen Vertragsabschluss über eine Kaufoption bei Junior Ross (2009). Das Probetraining von Jair Baylon war 2007 nicht von Erfolg gekrönt. Für einen Werder-befreundeten Berater sind das über zehn Jahre relativ wenig erfolgreiche Verhandlungen. Ein “Klüngel”-Verdacht kann hier nicht aufkommen.

Doch, was wäre das genaue Problem? Born könnte man indirekt Untreue und direkt Befangenheit vorwerfen. Vor allem, wenn die restlichen Werder-Verantwortlichen nicht um evtl. Beteiligungen von Born an Image-Werder-Vertragsabschlüssen wussten. Es ist bekannt, dass Born auch diverse Male in Südamerika im Auftrag von Werder Gespräche geführt hat. Mal alleine, mal mit anderen Verantwortlichen wie bspw. Klaus Allofs. Sollte nun dieser Klaus Allofs, der letztendlich die Verträge aushandelt, irgendwann ein Ablöse- bzw. Gehaltsangebot an den jeweiligen Verein/Spieler schicken, so muss man zwangsläufig davon ausgehen, dass Jürgen L. Born hier höhere Werte befürworten und vehementer gegenüber anderen Verantwortlichen vertreten würde, wenn er dadurch am Ende selber mehr verdienen könnte.

Es ist Befangenheit, da Born dann praktisch mit sich selber verhandelt. Und da lässt sich immer der Vorwurf ableiten, nicht unparteiisch zu agieren, wenn der Fall einer “seiner” Spieler intern besprochen wird. Bei einem “fremden” Spieler sagt man dann schneller “nein, 1 Mio. ist zu viel”, während man dies bei einem “eigenen” Spieler nicht oder zumindest nicht so direkt sagen würde.

Gehen wir nun aber einfach mal von einem Szenario aus, in dem Born ein korrekter Mensch ist und sich aus den jeweiligen Besprechungen  immer rausgehalten hat. Das heißt, er konnte die Summe, die ihm vorher prozentual vom ‘Image’-Einkommen zugesichert wurde, nicht beeinflussen. Und gehen wir im besten Falle davon aus, dass alle anderen involvierten Werder-Verantwortlichen davon wussten. Und dass Born auch bei möglichen Verpflichtungen wie zuletzt bei Pizarro die Entscheidung komplett anderen überlassen hat. Heißt: Silva hätte so oder so 1,35 Mio. gekostet und Pizza wäre auch ohne Born’s Meinung ausgeliehen worden. Was dann? Auch dann müsste er seinen Hut nehmen, wenn diese Zahlungen im Hintergrund wirklich passiert sind. Warum? Weil weiterhin der Verdacht besteht, den man nie komplett ausräumen kann. Selbst wenn alle schwören würden, dass sie sich nicht von Born bei der Entscheidungsfindung haben beeinflussen lassen. Dann wäre es vielleicht nur “indirekte Befangenheit”. Es bleibt das letzte Wort des letzten Satzes immer das Gleiche: Befangenheit. Unterschieden zwischen 1% und 99% des Ausmaßes wird nicht. Und daher wäre in jedem Fall einer Beteiligung das Amt des Geschäftsführers sowieso abzugeben gewesen. Es bleibt immer dieser schale Geschmack ganz hinten im Mundraum.

Hierbei handelt es sich allerdings um mögliche Szenarien, die branchenüblich sind. Ob und wie dies bei der Verbindung von Jürgen L. Born und Carlos Delgado der Fall ist, wird bekanntlich noch untersucht und die Fakten in diesem Artikel genannt. Demnach kann dieser Spekulatius auch völlig an der Realität vorbei gehen und es niemals Zahlungen im Rahmen der Firma “Image” an Born gegeben haben. Bisher gilt diese Annahme als Fakt, da das Gegenteil nicht bewiesen wurde. Die nächsten Wochen und Monate werden darüber mehr Aufschluss bringen. Bekannt ist, dass Born und Delgado befreundet sind und auch finanziell bzw. im Businessbereich (Delgado war lt. Medien auch im Immobilienbereich tätig) sich ausgetauscht haben. Eventuell gibt es keine oder eventuell auch tausende Geldtransfers zwischen beiden Personen. Und eventuell sind diese allesamt auch völlig legal. Mögen die Medien darüber spekulieren.

[MaxUnknown]

Link zum Jürgen L. Born-Thread im Worum:  http://www.worum.org/viewtopic.php?f=4&t=661