AS St. Etienne, UEFA-Cup-Gegner und hoffentlich bald zweite Liga…

27.02.09 | von | Kategorie: Gegner | 4 Kommentare

Mailand war gestern, St. Etienne ist heute. Nach dem gefühlten 12-0 in Mailand sind die Augen nach den Feierlichkeiten auf den nächsten Gegner im UEFA-Cup gerichtet. Dass die Bayern und andere Konsorten aus der Bundesliga im Blickfeld liegen, interessiert mich momentan nicht.

Also schnell zu dem was da aus dem Land des großen Micoud auf uns zuschwappt und am 12. März im Weserstadion seine Tracht Prügel beziehen möchte. AS nennt sich der Klub aus St. Etienne. AS, was für “Alberne Südfranzosen” steht. Und da die Abkürzung der Stadt auch noch rein zufällig SE ist, kam man zu der Einsicht, dass “ASSE” absolut furchteinflößend klingt.

St. Etienne klingt übrigens wunderbar französisch, ist aber lediglich das Zweite und bei Weitem nicht wunderbar. Wenn man dieses Etwas schon als Stadt bezeichnen muss, dann sollte man auch erwähnen, dass sie im Dunstkreis von Lyon liegt. Allerdings eher in dem Bereich, in den man die Abgase leitet. Was man in Deutschland vom Schild “letzte Tankstelle vor der Autobahn” kennt, sind in Frankreich an den Ortsschildern befestigte Hinweise in den jeweiligen Orten vor St. Etienne, auf denen “letzte normale Menschen vor St. Etienne” steht.

Die Stadt selber hat übrigens in der Vergangenheit hauptsächlich vom Bergbau gelebt. In der Vergangenheit leben die Leute dort zwar immer noch und so “richtig leben” werden sie auch nie, aber zurück zum Bergbau. Gerüchte besagen, dass dort nicht wirklich irgendwas “abgebaut” wurde oder man Rohstoffe suchte, sondern dass sich die Stadtbewohner unter Tage Tunnel bauten, um zu fliehen. Ein andere Sage spricht davon, dass die Bewohner sich einbuddeln wollten, aber nicht mal das hinbekommen haben. Immerhin sinkt die Einwohnerzahl seit Jahren konstant, so dass bereits Hoffnung im Lande besteht, dass sich die Jungs aus St. Etienne doch einerden und der Klub dann zwangsläufig irgendwann von alleine verschwindet.

Die Parallele zum FC Schalke 04 ist übrigens nicht nur rein zufällig, sondern von der Unbeliebtheit wunderbar zu vergleichen. Und: wenn es Bielefeld wirklich nicht gibt, warum gibt es dann St. Etienne?

Weiter geht’s. Der Spitzname der Truppe ist “die Grünen”, was einerseits für die Einbuddeltheorie spricht, andererseits können sie so niemals die beste Mannschaft der Welt werden, die grüne Trikots trägt. Künstlerpech.

Apropos grün und Erfolg, die ASSE sind übrigens noch vier Jahre Rekordmeister der Ligue 1. Zehnmal haben sie den Titel geholt, der letzte Titel ist aber schon fast 30 Jahre her und zwischendurch war man auch einige Jahre in der zweiten Liga zu Hause. 2004 stieg man nach drei Jahren Ligue 2 wieder auf. Aber trotz allem nicht vorhanden Respekt: in der zweiten Liga darf so ein Traditionsverein natürlich nicht versinken. Die vierte Liga wäre mir lieber.

Für das “Projekt vierte Liga” wurde dem aktuellen Trainer, Alain Perrin, in der letzten Saison bei Olympique Lyon der Kopf gewaschen (wahrscheinlich nicht nur sprichwörtlich das letzte Mal) und man ist derzeit mitten drin im Abstiegskampf der Ligue 1. Platz 18 bei 20 Teams klingt schon mal nicht so schlecht. Letztes Jahr erreichten die Möchtegern-Asse der ASSE mit Platz 5 den letzten UEFA-Cup und den Platz konnten sie sich durch Beihilfe anderer Klubs gerade noch so am letzten Spieltag sichern. Natürlich waren die Spiele allesamt verschoben.

Im Sommer hat man dann lediglich einen starken Spieler, den Offensivmann Pascal Feinduono, verloren. Gerüchten zufolge hat er sich in die Botschaft von Katar “gerettet” und dann den Wechsel in das Land erzwungen. Aber gehen wir diese Mannschaft der Verbliebenen doch mal von hinten nach vorne durch.

Im Tor haben sich diese Saison Jeremie Janot und Jodi Viviani den PoPfo (Posten zwischen den Pfosten) geteilt. Der Eine ist keine zwei Käsehälften hoch, der andere gefühlte acht Meter. Viviani ist Durchschnitt bei den französischen Torleuten, Janot dafür bekannt, dass er vor einigen Jahren mal bester Torhüter der Liga war und Ruhm erlangt, als er in einem maßgeschneiderten Spiderman-Torwartanzug auflief. Als Typ an sich würde ich ihn mit den ganz Großen im deutschen Fußball vergleichen: Lothar Matthäus oder Miroslav Klose.

In der Viererkette spielt auf Links meist Cedric Varrault, auch ein Franzose, auch absoluter Durchschnitt und mehr gibt’s da auch nicht zu sagen. Das gilt genauso für Part Time-Vertreter David Sauget. Innen steht der junge Senegelase Moustapha Sall. So groß wie Naldo, aber nicht so gut. IV-Partner Benalouane ist ebenfalls sehr jung und die Unerfahrenheit dürfte Werder zugute kommen. Ihre Vertreter sind der in Bremen absolut unbekannte Sylvain Monsoreau, der eine Weltkarriere hingelegt hat, sowie der Grieche Tavlaridis, der seit Jahren zu schlecht für die Nationalmannschaft ist.

Einzig auf der rechten Seite ist man mit Mouhamadou Dabo sehr gut besetzt. Der 22jährige steht vor seinem Debüt in der Nationalmannschaft und wird schon von diversen Topteams gejagt. Möge er recht bald wechseln.

Im defensiven Mittelfeld hat man mit Blaise Matuidi einen Spieler, der gefühlte 200 Profispiele absolviert hat, obwohl er gerade mal 21 ist. Für ihn dürfte es den erlösenden Vereinswechsel am Ende der Saison geben. Diese Saison ist er neben Dabo definitiv der Beste der Graupentruppe. Christophe Landrin interessiert mich nicht und Yohan Hautcoeur erinnert mich an irgendeinen Schauspieler, den ich nicht abkann. Spielen tut er meist, wenn der junge Kapitän Loic Perrin verletzt ist, sowie das zuletzt der Fall war. Gegen Bremen dürfte er aber wieder fit sein. Leider.

Im Offensivbereich hat man mit Geoffrey Dernis einen kleinen Wirbler, der nichts kann. Er muss aber trotzdem oft ran, da der dort eingeplante und im Sommer viel umworbene Neuzugang Daisuke Matsui anscheinend vor der Saison in einer aufwendigen OP sich das komplette Fußballtalent hat entfernen lassen.

Falls St. Etienne mit einer Doppel-6 spielt, ist meist einer der beiden Nichtskönner auf Links und dazu der junge Portugiese Paulo Machado auf rechts auf der Außenbahn. Machado ist nicht nur ein Bekannter von Hugo Almeida, sondern wurde genauso oft vom FC Porto verliehen. Auch nach Frankreich ist er derzeit nur ausgeliehen. Vom offensiven Mittelfeld hingegen ist er der Einzige mit einem Schuss Genie, Freistöße sind eine Spezialität des kleinen Technikers.

Gehen wir in den Sturm bzw. das laue Lüftchen. Hier derzeit in Form ist Dimitri Payet, einer von vielen jungen Franzosen. Er spielt meist auf Außen oder den spielenden Stürmer bei einem Zweimannlauenlüftchen. Dann gibt’s noch Ilan, einen der viel gut, aber nichts richtig gut kann. Ein Spieler, der immer genannt wird, wenn die franz. Topclubs einen Stürmer suchen, aber nie dort hinwechselt. Immerhin ist er diese Saison im UEFA-Cup treffsicher. Aber der Name… als wenn ich bei Milan das M klaue.

Der überaus talentierte Kevin Mirallas ist auch in seinem fünfzigstem Ligue 1-Jahr der Spieler, der andauernd nur eingewechselt wird. Im Sommer wird er dann erzählen, dass er sich für stärker hält und nicht irgendwann als Eisverkäufer durch Belgien reisen will um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Im Zentrum spielt Bafetimbi Gomis, der vor einem Jahr extrem umworbene 23jährige Stürmer. Noch während der EM hat allerdings Mario Gomez sein Unvermögen günstig an Gomis verkauft, der seitdem merklich weniger zustande bringt. In der Nationalmannschaft taucht er, der “unter 15 Mio. Ablöse geht nix”-Mann, auch nicht mehr auf. Vielleicht sieht er nicht nur so aus wie ein jamaikanischer Gigolo, sondern wird auch in Kürze lieber diesem Job nachgehen wollen.

Und dahinter? David Gigliotti kommt ab und an zum Einsatz, hat nach einem Traumtor beim AS Monaco vor wenigen Jahren aber nichts mehr gebracht. Sebastien Grax kenne ich nicht mal wirklich. Name klingt blöd, Verein ist blöd, ergo ist er blöd.

Falls es jemanden interessiert: im UEFA-Cup ist der Klub derzeit noch ungeschlagen, hatte aber kaum große Kaliber als Gegner. Aus Werdersicht aber interessant und da wir sowieso nur als Nichtfavorit erfolgreich sind: Angstgegner Olympiakos Piräus wurde mit 2-1 und 3-1 aus dem Wettbewerb geworfen und gegen den FC Valencia spielte man 2-2 am letzten Gruppenspieltag. Daher: klarer Favorit, wir haben keine Chance. Nutzen wir sie. Und buddeln die Jungs ein. Und pflanzen dann Rasen drauf.

Hab’ ich schon erwähnt, dass St. Etienne nicht mal einen eigenen Flughafen hat? Dass man 27 Jahre kein UEFA-Cup gespielt hat? Dass der Ort langweilig ist? Dass immer mehr Bewohner aus der Stadt flüchten? Dass die aktuell im Abstiegskampf stecken? Hab’ ich? Na und, das kann man nicht oft genug sagen.