Kevin Kuranyi, der “Halbstunden-Nichtschalker”

11.02.09 | von | Kategorie: Fußball allgemein | 4 Kommentare

Das Länderspiel Deutschland gegen Norwegen war gerade damit beschäftigt, tausende Fußballfans zum Einschlafen zu bringen, als eine Meldung auf der offiziellen Webpräsenz vom FC Schalke 04 für hektische Betriebsamkeit in den Online-Redaktionen der Boulevardzeitungen sorgte.

Eine Eilmeldung verkündete die sofortige Trennung von Kevin Kuranyi. Nachfolgend der genaue Wortlaut:


“In einer außerplanmässigen Sondersitzung der Vereinsführung wurde heute entschieden, dass Kevin Kuranyi von seinen vertraglichen Pflichten gegenüber Schalke 04 bis auf weiteres befreit wird. Nach medienwirksamen und für den Verein untragbaren Äußerungen von Kevin gegen die Mannschaft war eine Freigabe unausweichlich. Seitens der Vereinsführung und engen Vertrauen Kevins wurden alle Bemühungen unternommen um einer Fortsetzung bei Schalke nicht im Wege zu stehen. Alle sogearteten Versuche sind gescheitert. Um die Mannschaft vor einem weiteren Imageverlust zu schützen, und die Stimmung im Verein nicht länger zu belasten, wird Kevin jetzt bedingungslos aus seinem Vertrag entlassen. Über die weiteren Pläne von Kevin und eine Ablöse von einem neuen Verein ist uns noch nichts bekannt. Kevin wird sich dazu aber noch gesondert an die Presse wenden. Uns verlässt ein ausgezeichneter Spieler der ein grosses Loch im Kader unserer Mannschaft hinterlässt, trotzdem schauen wir hoffnungsvoll in die Zukunft und freuen uns auf neue Herausforderungen und neue Gesichter im Verein.”


Screenshots der Website-Meldung:

http://img3.imagebanana.com/img/25s32xcc/Untitled.jpg

http://www.abload.de/img/schalke01rb.jpg


Und? Fällt was auf? Die Meldung klingt unprofessionell und beinhaltet Rechtschreibfehler. Als verantwortungsvoller BILD-Journalist denkt man nun natürlich daran, dass nach Managementfehlern auch Rechtschreibfehler wohl nichts Besonderes auf Schalke seien. Und wahrscheinlich war der Online-Redakteur der Schalker Homepage hibbelig und aufgeregt, als er von der Kuranyi-Trennung erfuhr. Schalke, so richtig menschlich. Im Boulevardjournalismus kann man sich gewollte Schlagzeilen so schön reden, dass selbst die Werder-Verantwortlichen dagegen nach schlechten Leistungen mit ihren „wir haben gute Ansätze gezeigt“ wie Amateure wirken.


Und so berichteten die „Wir bringen alles als Erste“-Journalisten gleich mal auf der Startseite mit „Bundesliga-Hammer! Schalke feuert Kuranyi“.

Link zum Screenshot:

http://img145.imageshack.us/img145/4272/bildschlagzeilegw3.jpg

Auch eine Kurzmeldung wurde schnell verfasst, die eine halbe Stunde später wieder verschwand.

http://img2.abload.de/img/bildswwf.jpg

Verwaiste” Telegramm-Seite”:

http://www.bild.de/BILD/news/telegramm/news-ticker,rendertext=7372974.html

Auch Bundesliga.de übernahm die Meldung ungeprüft:

http://img213.imageshack.us/img213/1378/bundesligade9.jpg


Was war passiert? Hacker hatten die Schalker Vereinshomepage gehackt und ihre Liebe zu Super-Keffin ausgelebt. Als die BILD-Redaktion bei den Schalker Verantwortlichen nachfragte, waren diese zwar erst erstaunt, aber zumindest clever genug, die Seite umgehend vom Netz zu nehmen. Aber bevor dies geschah, konnte ich einen Screenshot (http://img22.imageshack.us/img22/2812/schalkewebsiteoz3.jpg) machen, der zeigt: es handelte sich bei der Sicherheitslücke auf der Seite um das gleiche Problem, das auch schon einen Hackerangriff auf die Homepage von Wolfgang Schäuble ermöglichte. „Typo 3“ – eine Software (Open-Source Content-Management-System) mit der beide Websites erzeugt werden. Kurze Zeit später war schalke04.de nicht mehr erreichbar.


Es folgte in Halbzeit Zwei des Länderspiels ein hektisches Artikel-Löschen seitens der Onlinemedien. BILD & Co rudern mittlerweile zurück (http://www.bild.de/BILD/news/telegramm/news-ticker,rendertext=7373426.html ) und werden die Tage mit Sicherheit mit Kevin Kuranyi sprechen – sowie den Schalker Verantwortlichen, Wolfgang Schäuble, einigen vermeintlichen Hackern (inkl. Foto mit schwarzem Balken vor den Augen), Schalke- und Dortmundfans und natürlich irgendwelchen Asiaten, die einen Server betreiben, der einen Internetanschluss hat, der vom gleichen Monteur angeschlossen wurde wie der Computer des Managers von den Urawa Red Diamonds. Zusammenhang unklar? Macht nichts, BILD bastelt daraus einen „exklusiven Vertragsabschluss“ von Urawa mit Kuranyi, der „von langer Hand geplant“ wurde.


Während Kevin Kuranyi sich nun Gedanken darüber macht, ob er im Sommer nicht tatsächlich wechseln sollte, nachdem ihn vermeintliche Fans schon via Hackerangriff von Schalke wegschreiben, wird das Schalker Fanlager in drei Gruppen gespalten sein. Ein Drittel wird über die Sicherheitslücke der Homepage meckern. Ein Drittel lacht sich über den Scherz noch morgen früh auf der Arbeit kaputt, wenn dann unter Tage von „dem Hacker sein Scherz mit dem Keffin“ erzählt wird. Und das letzte Drittel sitzt mit Stoffdecke auf der Couch, hat Kerzen angezündet und drückt jede Minute auf der Schalke-Website auf F5 und hofft, dass es sich eben nicht um einen Hackerangriff sondern um die Wahrheit handelt.


„Ein Leben lang keine Schale in der Hand“? Wohl eher „Während Deutschland auf dem Platz verkackt, wird die Schalke-Seite gehackt“. Oder kurz und knackig für die Kuranyi-Freunde: „Nationalmannschaft hat die erste Halbzeit verpennt, Schalke sich derweil von Keffin getrennt“. Und wer es böse mag: 2001 war Schalke für wenige Minuten deutscher Meister, 2009 waren sie für eine halbe Stunde Kevin Kuranyi los.


In dem Sinne, lieber Keffin: Lebenslang Blau-Weiß! Oder eben so lange Blau-Weiß bis Schalke04.de was Anderes bekannt gibt… Wir halten Dich auf dem Laufenden!

[MaxUnknown]

http://www.worum.org/viewtopic.php?f=11&t=261&start=1200