Who the fuck is Márkó Futács?

08.02.09 | von | Kategorie: Spieler | 6 Kommentare

Befassen wir uns mit den Fakten. Geboren am 22.02.1990 in Budapest/Ungarn, ungarischer Staatsbürger. Spricht neben der ungarischen Sprache mittlerweile auch fließend französisch. Er ist 1,96m groß, 89kg schwer, wurde auch schon beidfüssig dribbelnd gesehen, schießt aber mit rechts

Ausgesprochen wird er “Futatsch”, der Vorname Márkó trotz Sonderzeichen ganz simpel “Marko”. Trotz allem: Rolf Töpperwien wird ihn Mirko Fütösen nennen, die BILD-Zeitung ihn nach dem ersten Bundesligator “Lulatsch Futatsch” taufen.

Bewegte Bilder gibt es unter folgendem Link, in dem Nancy (weiße Trikots) gegen AFC Compiegne spielt. Futács hat die Rückennummer 9 und ist aufgrund seiner Größe gut zu erkennen.

http://www.nancyinfo.org/rubsport/asnl/matchs_asnl/match_cfa_asnl_compiegne.html

Und was hat dieser Lulatsch die letzten Jahre gemacht?

Futács wurde von Werder bei Verpflichtungsbekanntgabe als aktueller Juniorennationalspieler angegeben, war aber bei den letzten Länderspielen der U-Mannschaften aus Ungarn nicht im Kader zu finden. Sein letztes Länderspiel bestritt er letztes Jahr für die U18, als er gegen die Türkei von Anfang an auflaufen durfte.

Als Supertalent oder bekannter Nachwuchsnationalspieler gilt er nicht, bei größeren Juniorenturnieren ist er ebenfalls nicht der breiten Masse aufgefallen. Aber es lassen sich Aussagen aus Nancy finden, die ihn als Spieler beschreiben, der trotz seiner Statur kein reiner Stoßstürmer ist, sondern auch über spielerische Fähigkeiten verfüge. Niemand, der sich die Bälle aus dem eigenen Strafraum holt, sich aber ins Mittelfeld zurückfallen lässt und Kombinationssicherheit zeige. Sofort ins Auge sticht, dass er ähnlich wie Kevin Schindler schon früh in seiner Karriere nah an der Physis von Bundesliga-Profis ist.

Selber beschrieb sich der Ungar in der BILD-Zeitung vielversprechend: „Ich bin ein Typ wie Luca Toni: Groß, schnell, torgefährlich. Und eine gute Technik habe ich auch!“

Futács verbrachte seine gesamte Jugend im Nachwuchsbereich von Ferencvaros Budapest, dem Rekordmeister und -pokalsieger Ungarns. Und auch der Verein, bei dem Ex-Werderprofi Krisztian Lisztes seine komplette Jugend sowie die ersten Profijahre verbrachte.

Im Sommer 2006 wechselte Futács nach Frankreich und unterschrieb beim AS Nancy bis 2009. Der Lothringer bezahlten knapp 100.000 Euro Ausbildungsentschädigung. Beim französischen Ligue 1-Klub pendelte der ungarische Stürmer in seiner ersten Saison zwischen der U16 und U18 des Vereins. In der Saison 07/08 war er dann Stammspieler und bester Torschütze der U18, für die er in 21 Spielen insgesamt 18 mal erfolgreich war. Als Konsequenz wurde er in der Rückrunde immer häufiger in den CFA-Kader berufen, wobei er 13mal zum Einsatz kam. Die Mannschaft konnte knapp dem Abstieg entrinnen.

CFA-Teams von Profiklubs sind vergleichbar mit den U23-Teams der Bundesligisten. Der Championnat de France Amateurs (CFA) ist die vierthöchste Liga in Frankreich und gilt als Unterbau für die drei Profiligen. In vier Staffeln spielen jeweils 18 Klubs, wobei die zweiten Mannschaften von Profiteams nicht aufsteigen dürfen und CFA das höchste der Gefühle ist.

In der aktuellen Saison steht die CFA-Mannschaft auf dem 14. Platz, Futács kam in 12 Spielen zum Einsatz, wobei er jeweils 3mal ein- und ausgewechselt wurde. Mit drei Saisontreffern war er bis dato auch bester Torschütze seines Teams. Erste Trainingseinheiten mit den Profis absolvierte er seit der Vorbereitung für die laufende Saison, für eine Berufung in den Profikader reicht es leider nicht.

Au revoir Nancy, hallo Werder

Der Wechsel zum SV Werder erfolgte laut französischen Medien, weil sich Spieler und Verein nicht auf einen Profivertrag einigen konnten. Der Ungar war mit der aufgezeigten Perspektive nicht einverstanden und entschied sich daraufhin, umgehend den Verein zu verlassen. Klaus Allofs sprach auf werder.de von einer Möglichkeit, die man sich nicht entgehen lies: “Die Gelegenheit war jetzt günstig, ihn an uns zu binden, deswegen haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen.”

Futács unterschrieb einen Profivertrag über zweieinhalb Jahre, steht somit bis zum 30.06.2011 beim SV Werder unter Vertrag. Da er beim AS Nancy keinen Profikontrakt besaß, wird keine Ablöse fällig. Werder muss lediglich eine Ausbildungsentschädigung überweisen, die sich im niedrigen sechsstelligen Bereich befindet.

Die verzwickte Regelsituation

Die Regularien machen die Situation des ungarischen Stürmers nicht einfach. Die DFL-Regeln für die 3.Liga besagen, dass eine U23-Mannschaft nur EU-Ausländer einsetzen darf. Ausnahmen sind Nicht-EU-Ausländer, die bereits vor Einführung der Regel in Deutschland spielten und für die keine Arbeitsgenehmigung neu beantragt werden muss.

Nun gehört Ungarn zwar zur EU, ist allerdings kein Gründungsstaat und fällt daher unter ein Gesetz zur Übergangsregelung der Freizügigkeit von Arbeitnehmern. Eine Regelung, die auf maximal sieben Jahre beschränkt ist. Deutschland hat diesbezüglich eine Drei-Phasen-Übergangsregelung geschaffen, wobei die erste Phase von 2004 bis 2007 lief, die zweite Phase läuft am 01. Mai 2009 aus. Dann kann das bisherige Gesetz nochmals für weitere zwei Jahre verlängert werden, die Regularien innerhalb dieses Gesetzes können aber angepasst bzw. verändert werden.

Die aktuelle Übergangsregelung besagt: ungarische Spieler werden wie Nicht-EU-Spieler behandelt. Daher bekommt Futács für die U23 keine Spielgenehmigung. Über eventuelle Ausnahmegenehmigungen entscheiden in Deutschland die jeweils zuständigen Agenturen für Arbeit.

Für das Erlangen der Spielgenehmigung bräuchte der Ungar eine sogenannte Arbeitsgenehmigung-EU, die er als ungarischer Staatsbürger mit Profivertrag nach exakt zwölf Monaten erhält.

Wie plant Werder mit ihm?

Die 1.Bundesliga hat solche Regelungen zum Glück nicht, Futács ist sofort bei den Profis spielberechtigt. Bei der U19 als Spieler aus dem Geburtsjahr 1990 ist er das noch bis zum Sommer und für die U23 frühestens am 01.05.2009, spätestens aber am 01.02.2010. Für den UEFA-Cup-Wettbewerb der laufenden Saison wurde Futács übrigens nicht nachgemeldet.

Nach seiner Ankunft in Bremen, durfte Futács im Übrigen beim Testspiel der U23 gegen den Brinkumer SV eine Halbzeit mitwirken, traf per Kopfball nach Artmann-Ecke und sorgte somit für einen guten Einstand in Bremen und hatte seinen Anteil am 6:0 Sieg.

In der internen Personalplanung könnte Futács den gleichalten Pascal Testroet ersetzen, der von der U19 fest in die U23 rückt und dort wiederum Martin Harnik ersetzt, der dafür fest zum Profikader gehört.

Wird heißen: Training mit den Profis und der U19, Pflichtspiele bei der U19. Dann wird man entscheiden, welcher Schritt für seine Entwicklung der Beste ist. Mit Spielgenehmigung in der U23 wird er wohl bei gleichzeitigem 3.Liga-Klassenerhalt der Mannschaft nächste Saison dort seine Chance bekommen.

Eine Leihe zu einem Verein aus der 2.Bundesliga wäre ein Thema, falls Futács sich bis dahin nicht in die Profimannschaft gearbeitet hat und tatsächlich bis Februar 2010 auf seine Einsatzmöglichkeit in der 3.Liga warten müsste. Ob die Fans das nun persönlich positiv oder negativ betrachten, ist nebensächlich. Solange Werder und der Spieler den Weg wählen, der für ihn der Beste ist, damit Ralf Töpferwahn Rolf Töpperwien überhaupt irgendwann die Möglichkeit bekommt, Futács bei einem Bundesligaspiel falsch auszusprechen…

[MaxUnknown]

Link zum Thread im Worum:

http://www.worum.org/viewtopic.php?f=3&t=1480